Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Experte: Germania hat kaum Vermögen...

Beitrag 1 - 13 von 13
Beitrag vom 06.02.2019 - 13:30 Uhr
UserYankeeZulu1
User (42 Beiträge)
Was Herr RA Meier von Simmons & Simmons schreibt, führt bei mir mindestens zu Kopfschütteln:
Es sollte bekannt sein, daß Germania nur noch drei eigene Maschinen besaß (Stand vor Kurzem), alle anderen Geräte waren geleast. Aus der Bilanz bzw Bilanzanlage sollte die Zahl der eigenen Maschinen in der Vermögens- bzs Abschreibungsliste ersichtlich sein.
Daß es nur relativ wenige interessante Slots gab bzw gibt, ist auch nichts Neues. Daß Tochterunternehmen unter Umständen veräußert werden können (wenn diese nicht auch in Kürze insolvent werden...) ist klar.
Daß die Bundesregiegung nicht helfend bzw rettend einsprang, ist eigentlich selbstverständlich; es ist nicht Aufgabe einer Regierung, bei einer Insolvenz eines zudem noch relativ kleinen Unternehmens einzugreifen oder gar einzuspringen; dies hat auch Herr Minister Altmeier deutlich ausgedrückt. Das hat nicht mit einer evtl nicht gesehenen Sanierungsperspektive zu tun. Der Air-Berlin-Fall war ein Sonderfall, bei sehr großen Arbeitgebern ist ein Eingreifen regierungsseits ggf denkbar, aber sicher nicht hier.
Also was will uns Herr Meier eigentlich (Neues) sagen?
Beitrag vom 06.02.2019 - 14:05 Uhr
Usercontrail55
User (712 Beiträge)
Gegenfrage, was wollen Sie eigentlich sagen?
Herr Meier wurde von einem dpa Journalisten zur Recherche für einen Artikel befragt. Da Herr Meier in der AB Insolvenz engagiert ist, eine schlüssige Wahl. Weder Herr Meier noch die gennannte Kanzlei sind IV der Germania, daher ist ein Blick in die Bilanz als schwierig anzunehmen. Aber vielleicht haben Sie da Zugang und können aushelfen. Wissen Sie ob die Flugzeuge noch Germania gehören oder wie hoch sie beliehen sind und möglicherweise wertlos? So hat er seine Antworten ordentlich in den Konjunktiv verpackt und der Journalist hat es so weitergegeben. Findet man auch nicht immer.
Interessant finde ich die Information, dass es durchaus Einschränkungen gibt wann eine Regierung eingreifen kann/darf. Unabhängig davon welche Maßnahmen sie gerne einleiten würde. Aber das wussten Sie wahrscheinlich schon. Mir war das neu.
Aber Danke für den Einwurf. So habe ich den Artikel viel bewusster gelesen und nicht nur überflogen

Dieser Beitrag wurde am 06.02.2019 14:06 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.02.2019 - 15:05 Uhr
Userjasonbourne
User (1499 Beiträge)
Man hätte auch den Baum fragen können, der hätte die selben antworten geliefert.
Flieger geleast, das weiss jeder.

Die Slots in SXF sind wohl nichts wert, und sonst ist auch nichts da.

Die Bundesregierung hat doch AB auch nur in der Luft gehalten weil die Wahl anstand, es eine Chance gab das es weiter geht und es einfach schlecht kommtr wenn mitten im Sommer zig 1000 Deutsche in der Welt gestrandet sind.

Beitrag vom 06.02.2019 - 16:55 Uhr
Usersystemchef
User (124 Beiträge)
da muss man kein Experte sein. Ein Blick in die Bilanz 2016 reicht da aus:
"Technische Anlagen und Maschinen 236.893,14"
Eigentlich hätte der Betriebsprüfer schon 2017 den Stecker ziehen müssen:
"Das bilanzielle Eigenkapital der Germania beläuft sich zum Stichtag auf TEUR 0. Zusätzlich wird zum Stichtag ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von TEUR 13.340 (2015: TEUR 5.599) ausgewiesen. Der Fortbestand der Gesellschaft ist nicht gefährdet."
Der letzte Satz spricht nicht für die Kompetenz der Prüfer. Bei 13 Mio. Euro Schulden bei vollständig aufgebrauchtem Eigenkapital und so gut wie keinen Sachwerten lag eigentlich schon 2016 eine bilanzielle Überschuldung vor.
Beitrag vom 06.02.2019 - 17:03 Uhr
Usercontrail55
User (712 Beiträge)
Danke, drückt alles aus was ich meine. Zwischen dem was bekannt sein sollte und was jedes Kind weiß scheint es eine Diskrepanz zu geben ;-)
Beitrag vom 06.02.2019 - 17:04 Uhr
Usersystemchef
User (124 Beiträge)
bzw. nach Abschreibungen Ende 2016
"Technische Anlagen und Maschinen 1.626,34" (und da steht in EUR, nicht in TEUR.

Und die Tochter-Gesellschaften stehen noch schlechter da:
Zinsen und ähnliche Aufwendungen -2.183.834,62
- davon an verbundenen Unternehmen: EUR 1.115.825,33 (Vorjahr: EUR 677.655,38)

Erträge aus Beteiligungen 0,00
- davon aus verbundenen Unternehmen: EUR 0,00 (Vorjahr: EUR 1.516.691,21)
Beitrag vom 06.02.2019 - 18:31 Uhr
Usercontrail55
User (712 Beiträge)
Kurze Frage, bin da kein Experte. Die Bilanz sagt nichts über Eigentumsverhältnisse der Sachwerte aus? Nur über deren Wert? Wenn es mir gehört aber beliehen oder verpfändet ist steht da Null? Danke
Beitrag vom 06.02.2019 - 18:53 Uhr
Usersystemchef
User (124 Beiträge)
nein dann erhöhen sich die Verbindlichkeiten gegenüber den Gläubigern.
Das hat bilanztechnisch nichts miteinander zu tun (außer daß sich vielleicht der Gläubiger ein entsprechendes Zugriffsrecht als Sicherheit geben lässt).
Beitrag vom 06.02.2019 - 19:08 Uhr
User1. FC Köln (TOGA)
User (137 Beiträge)
@systemchef
"Das bilanzielle Eigenkapital der Germania beläuft sich zum Stichtag auf TEUR 0. Zusätzlich wird zum Stichtag ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von TEUR 13.340 (2015: TEUR 5.599) ausgewiesen. Der Fortbestand der Gesellschaft ist nicht gefährdet."
Der letzte Satz spricht nicht für die Kompetenz der Prüfer. Bei 13 Mio. Euro Schulden bei vollständig aufgebrauchtem Eigenkapital und so gut wie keinen Sachwerten lag eigentlich schon 2016 eine bilanzielle Überschuldung vor."


--> Negatives EK ist zwar üblicherweise ein insolvenzauslösender Sachverhalt, es gibt aber Ausnahmen: Spontan fällt mir da z. B. eine "Patronatserklärung" ein, bei der der "Patron" (oftmals z. B. die Muttergesellschaft, kann aber auch wer anders sein) die Erfüllung der Kreditverpflichtung(en) verspricht. Ob die Anwendung solcher Instrumente in der Luftfahrtbranche eingeschränkt ist, weiss ich aber nicht.

Ob der WP zum Abschluss 2016 einen die Fortführung der Gesellschaft gefährdenden Sachverhalt erkennen und berichten musste kann also ohne Kenntnis der weiteren vertraglichen und rechtlichen Hintergründe wohl nicht eindeutig beantwortet werden.


Gruss aus WAW





Dieser Beitrag wurde am 06.02.2019 19:11 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.02.2019 - 22:32 Uhr
UserNeilArmstrong
User (238 Beiträge)
Kurze Frage, bin da kein Experte. Die Bilanz sagt nichts über Eigentumsverhältnisse der Sachwerte aus? Nur über deren Wert? Wenn es mir gehört aber beliehen oder verpfändet ist steht da Null? Danke

Alles was in einer Bilanz steht, muß zwingen im Eigentum des Unternehmens stehen. Bilanz ist immer ein Vermögensvergleich von Aktiva und Passiva, also vorhandene Güter (Aktiva) mit den vorhandenen Verbindlichkeiten (Passiva). Aber ich kann nur das als Vermögen und Schulden angeben, was im Eigentum ist. Sonst vergleiche ich keine Vermögen mehr. Deshalb erscheinen in einer Bilanz keine Bürgschaften. Diese werden dann unter der Bilanz in sogenannter statistischer Form angegeben. Nebenbei, das wird bei der Air Berlin Insolvenz eine große Rolle für deren Bilanzierung spielen.

Aber wichtige Angaben, wie zB die Leasingverträge bei Airlines, müssen dann im Anhang (der ist genauso Teil eines Jahresabschluß wie Bilanz und G&V) angegeben werden. Denn beim Leasing erwerben Sie kein Eigentum sondern nur ein Nutzungsrecht und damit nur Besitz. Durch die Angabe im Anhang wird der Investor aber doch darüber informiert was im Eigentum oder nur im Besitz der Unternehmung ist.

Es ist wie immer zu Unterscheiden zwischen Eigentum und Besitz. Also wenn ich ein Flugzeug kaufe und bezahle, ist es mein Eigentum, selbst wenn ich es zu 100% fremd finanziere. Finanzierung ist etwas anders als die Bilanzierung. Wenn ich dasselbe Flugzeug nicht kaufe sondern lease, dann kann ich es genauso nutzen, aber es ist nur in meinem Besitz und nie in meinem Eigentum. Gestaltungen lasse ich hier weg um es nicht zu kompliziert zu machen.

Entscheiden ist eben die Unterscheidung zwischen Eigentum, Besitz und Nutzungsrecht. Leider wird das zunehemend in unserer Sprache zuwenig beachtet, insbesonder beim Journalismus. Ein vielleicht für Avionikinteressierte weiteres gutes Beispiel ist die Zerstörung des Germanwings Flugzeugs 9525. Das Flugzeug ist nie abgestürzt, sondern wurde zerschmettert. Hier muß man sprachlich unterscheiden, was ein Absturz ist (ein unkontrollierter freier Fall aus der Höhe auf die Erde) und was eine Zerschmetterung (vorsätzlich mit großer Wucht durchgeführte Zerstörung eines Gegenstandes)ist. Leider ist es so, daß im Internet zwar zunehmend gemeint wird, andere ungefragt und damit beleidgend Duzen zu können, aber sich de facto sich nicht mehr in unserer Sprache auskennenen. Das gilt leider auch schon für Wikipedia.

Dieser Beitrag wurde am 06.02.2019 22:38 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.02.2019 - 23:17 Uhr
Usercontrail55
User (712 Beiträge)
Danke für die ganzen Rückmeldungen.
Mir ging es darum herauszufinden, kann man über die Bilanz etwas über Eigentum an Flugzeugen erfahren? Ich habe Berichte gelesen das alles geleast ist und andere die sagen 3 sind im Eigentum. Dann hieß es ein A321 wäre dabei oder die drei sind bei den schweizer und bulgarischen Ablegern, also nicht in D. Die haben aber keinen A321 in Betrieb. Also eine Menge Durcheinander oder journalistische Vielfalt mit alternativen Fakten ;-)

Seis drum, das Ding ist durch, keine Assets die jemand kaufen könnte oder wollte und morgen schon alles vergessen. Bis zum nächsten Opfer.
Beitrag vom 06.02.2019 - 23:24 Uhr
Usersystemchef
User (124 Beiträge)
in der Bilanz ist von eigenen Maschinen nichts zu finden. Entweder sind die so alt daß sie auf ß Restwert abgeschrieben sind oder per "sell and lease back" oder ähnlichem inzwiscen auch zu Geld gemacht.
Beitrag vom 09.02.2019 - 17:19 Uhr
Usersystemchef
User (124 Beiträge)
 http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/germania-dubiose-deals-vor-der-insolvenz-a-1252315.html

deshalb ist von Flugzeugen da nichts mehr zu finden in der Bilanz.
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