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Beitrag 1 - 10 von 10
Beitrag vom 22.07.2021 - 06:29 Uhr
Usermuckster
User (114 Beiträge)
Also, wenn aus dieser Kooperation nicht Expertise in die chinesische Luftfahrtindustrie abfließt, dann weiß ich auch nicht…
Beitrag vom 22.07.2021 - 08:40 Uhr
UserEricM
User (3217 Beiträge)
Natürlich tut es das.
Der Know-How Abfluss, der in den letzten 20-30 Jahren in der Automobil-Industrie passiert ist, war die Blaupause, die China zu allem Überfluss zunehmend mehr mit eigener hervorragender und origineller Forschung ergänzt.

Die Marktmacht Chinas ist mittlerweile aber so groß, dass es global agierenden rein gewinnorientiert arbeitenden Firmen wie Airbus seine Bedingungen praktisch diktieren kann, denn eine Bestrafung durch China würde den Gewinn empfindlich reduzieren und wäre somit nicht im Interesse der Anleger.
Genauer: Nicht im kurzfristigen Interesse, so wie es das Aktiengesetz definiert. Eine Verärgerung Chinas wäre kurz- bis mittelfristig praktisch nahe an einer Veruntreuung.

Und vor die Wahl gestellt, einen von der Partei durchgesetzten Importstopp für die eigenen Produkte auszuhalten oder "in Kooperation" in China zu produzieren, blieb Airbus wohl genausowenig eine Wahl wie Daimler oder Volkswagen.

Mittlerweile setzt China seine Interessen auch immer öfter als Teil- Eigentümer durch
 https://www.businessinsider.de/wirtschaft/europa-unter-druck-ein-boeser-verdacht-gegen-chinesische-investoren-scheint-sich-zu-bestaetigen-2019-3/

Strategisch oder nach nationalen deutschen/europäischen Interessen bewertet (also nach chinesischen Bewertungsgrundlagen) führt diese Strategie des staatlich verordneten Know-How Abfliusses natürlich mittel- bis langfristig in die technologische Bedeutungslosigkeit.

China verwendet unsere eigenen Regeln (freier Welthandel, Technologie-Kooperationen, Investorenschutz, Patente, etc. ) gegen uns und nutzt tatktisch die Abschottung des eigenen Marktes zur Durchsetzung seiner strategischen Interessen, um langfristig den Westen technologisch und damit mittelfristig auch machtpolitisch zu marginalisieren.

Hier ein Beitrag des BDI zum Thema:
 https://deutschland-und-die-welt-2030.de/de/beitrag/china-der-einfluss-einer-weltmacht-neuer-art/

Dieser Beitrag wurde am 22.07.2021 09:02 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 22.07.2021 - 10:23 Uhr
UserRunway
User (2715 Beiträge)

Und vor die Wahl gestellt, einen von der Partei durchgesetzten Importstopp für die eigenen Produkte auszuhalten oder "in Kooperation" in China zu produzieren, blieb Airbus wohl genausowenig eine Wahl wie Daimler oder Volkswagen.

Genau so ist es. Alles gerede das man China zu irgendetwas wirklich zwingen könnte sind hirngespinste vorwiegend der Amerikaner. Die sind eine tief gespaltene Nation, hochverschuldet und nicht bereit viele notwendige Reformen anzupacken. China ist realistisch gesehen schon heute die mit Abstand größte Wirtschaftsnation auch wenn manche Berechnungen die USA noch vorne sehen. Die haben zwar Giganten wie Microsoft, Google und andere aber auf der industriellen breiten Basis fehlt es weitgehend auch wenn es dort einige bedeutende Unternehmen gibt.

Es gibt speziell für Airbus keine Alternative. Unterm Strich hat die Kooperation bisher auch für Airbus und damit letztlich für die Beschäftigten in Europa sehr positive Auswirkungen gehabt. Eine Grenze zu ziehen wo man seine Technologie komplett Abschotten kann ist einfach nicht möglich. Bisher hält sich Verlust im Luftfahrtsektor aber in Grenzen.

Im Automobilsektor ist die Situation komplizierter. Hier haben die Chinesen stark aufgeholt und mit Elektroautos den Rest der Welt sogar mengenmäßig (aber nicht unbedingt technologisch) abgehängt. Wir hecheln jetzt denen hinterher. Batteriezellen werden von europäischen Unternehmen garnicht oder nur in Kleinmengen produziert. Liefern tut dies überwiegend China und Südostasien.
Beitrag vom 22.07.2021 - 17:35 Uhr
UserFW 190
User (1835 Beiträge)

Der Know-How Abfluss, der in den letzten 20-30 Jahren in der Automobil-Industrie passiert ist, war die Blaupause, die China zu allem Überfluss zunehmend mehr mit eigener hervorragender und origineller Forschung ergänzt.

Strategisch oder nach nationalen deutschen/europäischen Interessen bewertet (also nach chinesischen Bewertungsgrundlagen) führt diese Strategie des staatlich verordneten Know-How Abfliusses natürlich mittel- bis langfristig in die technologische Bedeutungslosigkeit.

Ja, und das bei gleichzeitiger immer stärkerer Technikfeindlichkeit in Deutschland. Abiturienten die Physik, Chemie und Mathematik abwählen können dürfte es gar nicht geben. Gehört wie Deutsch und Englisch für mich zu den wichtigsten Grundfächern.

Daneben dann noch die Mutlosigkeit (oder eigentlich besser fehlendes Verständnis für technische Zusammenhänge) unserer Manager in guten technischen Inovationen mit Risikokapital zu investieren. Plus Bürokratischer Hemmnisse und fertig ist die Abstiegsleiter im weltweiten Wettbewerb.

Dieser Beitrag wurde am 22.07.2021 17:37 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 22.07.2021 - 18:13 Uhr
UserEricM
User (3217 Beiträge)

Der Know-How Abfluss, der in den letzten 20-30 Jahren in der Automobil-Industrie passiert ist, war die Blaupause, die China zu allem Überfluss zunehmend mehr mit eigener hervorragender und origineller Forschung ergänzt.

Strategisch oder nach nationalen deutschen/europäischen Interessen bewertet (also nach chinesischen Bewertungsgrundlagen) führt diese Strategie des staatlich verordneten Know-How Abfliusses natürlich mittel- bis langfristig in die technologische Bedeutungslosigkeit.

Ja, und das bei gleichzeitiger immer stärkerer Technikfeindlichkeit in Deutschland.

Und Wissenschaftsfeindlichkeit.
Das ist aber glaube ich ein Problem in vielen westlichen Gesellschaften ...

Abiturienten die Physik, Chemie und Mathematik abwählen können dürfte es gar nicht geben. Gehört wie Deutsch und Englisch für mich zu den wichtigsten Grundfächern.

Daneben dann noch die Mutlosigkeit (oder eigentlich besser fehlendes Verständnis für technische Zusammenhänge) unserer Manager in guten technischen Inovationen mit Risikokapital zu investieren. Plus Bürokratischer Hemmnisse und fertig ist die Abstiegsleiter im weltweiten Wettbewerb.

Da kann ich (leider) keiner einzigen Aussage widersprechen...
Vielleicht wäre noch hinzuzufügen, dass ein Einstieg in Technik für Berufsanfänger und Manager gleichermaßen heute zu allem Überfluss deutlich schwieriger ist als noch vor 30-40 Jahren, weil zudem die Komplexität und die Regulierung der Technik massiv zugenommen haben.
Erfahrenere Mitarbeiter ( Ok, sprechen wirs aus: Alte Säcke wie ich ... ) haben diese Technik wachsen sehen bzw daran mitgearbeitet, die heute existierende Komplexität zu schaffen.
Aber einen Einstieg in die Technik die hochkomplex UND regulatorisch vollständig vernagelt ist, das tun sich wenige junge Leute an, die die Wahl haben.
Irgendwo kann ich das gut nachvollziehen ...

Modhinweis
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Lieber @ErichM,
herzlichen Glückwunsch zum 3000. Beitrag. Ein "großes Dankeschön" für Ihre intensive Teilnahme hier im Forum.
Aero /fly-away Moderator

Dieser Beitrag wurde am 22.07.2021 20:28 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 22.07.2021 - 20:37 Uhr
UserNur_ein_Y_PAX
User (483 Beiträge)

Modhinweis
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Lieber @ErichM,
herzlichen Glückwunsch zum 3000. Beitrag. Ein "großes Dankeschön" für Ihre intensive Teilnahme hier im Forum.
Aero /fly-away Moderator

Dem möchte ich mich anschliessen.

@FW 190

Als Legasteniker war ich sehr froh keine Sprache im Abitur gehabt zu haben. So hatte ich anstelle 7-8 Punkten in Deutsch Kunst mit 15 Punkten. Das passte Besser zu den 14 und 15 Punkten in Elektrotechnik und Physik ;-)
Beitrag vom 22.07.2021 - 21:28 Uhr
UserFW 190
User (1835 Beiträge)
Der Sinn des Abitur war zu meiner Zeit die Erringung der Hochschulreife für ALLE Studiengänge, ausnahmslos. Das war die gemeinsame Basis für Spezialisierung. Schwächen in bestimmten Fächern konnten über Mittlere Reife und ein zusätzliches Fachabitur zu eingeschränkten Studiengängen den Weg öffnen. Oder vorgelagerete Berufsausbildung. Damit ist Deutschland zu einer ehemals führenden Wirtschaftsnation geworden.

Bei dem Stolz den die Abiturienten im Allgemeinen und im Besonderen bei den Feiern inklusive Atoaufkleber an den Tag legen gegen über Spezialisten in bestimmten Berufen sehe ich keine Möglichkeit für Lockerungen. Ich kenne oder kannte noch Kollegen für die begann der Mensch erst mit dem Abi. Und wenn so eine Person dann nicht einmal richtig schreiben, rechnen (ich spreche nicht von Mathematik) oder gutes Deutsch, Grundlagen der Thermodynamik, usw. kann, dann habe ich kein Verständnis mehr fürdiese Art von Menschen.

@ Nur ein Y...

Auch ohne Abitur hätten Sie doch im Bereich E- Technik oder Physik über den beschriebenen früheren Weg eine Ausbildung machen können. Warum muss alles über ein ehemals universelles Abitur führen, Fachabitur ist doch auch ok. Aber ja, die heutigen Personaler achten sehr auf DAS ABI und verpassen damit oft richtig gute Talente in speziellen Anwendungen.



Beitrag vom 22.07.2021 - 21:56 Uhr
UserNur_ein_Y_PAX
User (483 Beiträge)
@FW 190. Es war nicht heute sondern die 8ziger und es war ein technisches Gymnasium und ohne Abitur wäre ein Studium Maschinenbau Fachrichtung Luft und Raumfahrttechnik nicht möglich gewesen. Das gab es nicht an FHs nur an 3-4 UNIS Bundesweit
Beitrag vom 23.07.2021 - 11:13 Uhr
UserPaulus der Täufer
User (3 Beiträge)
Eine schöne Dolchstoßlegende entwickelt ihr da.

Dass wir überholt werden hat nichts damit zu tun dass der Lenker unseres 911er ihn einfach abstellt und davongeht und der Dongfeng dann irgendwann in normaler Geschwindigkeit vorbeifährt.

Nein.

Der Dongfeng hat unser Benzin geklaut !1!!



Mal ganz im Ernst: wo wird hier KnowHow geklaut und inwiefern ist der Automobilbau eine Blaupause dafür?

Wie man Einzelteile zusammensteckt und anschließend vermisst wussten die Chinesen vorher bestimmt noch nicht, es ist ja nicht so dass die schon seit Ewigkeiten sovietische/ russische Militärflugzeuge in Lizenz bauen und seit den 2000ern auch eigene (relativ) moderne Zivilflugzeuge entwickeln und bauen.

Wenn da Abfluss von KnowHow wäre dann wäre auch der Eisenbahnbau die Blaupause dafür und nicht der Automobilbau wo man diese Gefahr von der Eisenbahn schon genau kannte und so genau drauf geachtet hat dass kein KnowHow abfließt und das auch geschafft hat.

Die Chinesen können z.B. bis heute keine guten Motoren bauen obwohl sie jahrzehntelang deutsche Motoren in Lizenz gebaut haben. Genauso schaut es auch bei Getrieben, Lenkung, Bremsen usw. aus.
Beitrag vom 23.07.2021 - 11:31 Uhr
UserPaulus der Täufer
User (3 Beiträge)
Bei diesem A350 wurde ja sogar nur die Kabine eingebaut.

Nur soviel zum "KnowHow Abfluss" ...
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