Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Boeing meldet neuen Softwarefehler

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Beitrag vom 11.02.2020 - 13:18 Uhr
UserWeideblitz
Moderator
Der Softwarefehler bedeutet, dass Boeing nicht ordendlich getestet hat.
Das kann passieren.
Aber worin bestand der Fehler? Gab es ein uunvollständiges Testszenarium oder war die Testhardware ungenügend?
Die FAA dürfte nicht erfreut sein.

Nein, so einfach ist das leider nicht. Hier war sicher wieder Boeings Kommunikationsabteilung am Werk, um das so darzustellen. Ein einfacher, nicht ausreichend getesteter Softwarefehler kann es deswegen vermutlich nicht sein, denn die Software und die Testsysteme sind Jahrzehnte alt und dürfte extrem ausgereift sein. Zudem handelt es sich um extrem sicherheitskritische SW auf redundant ausgelegten Systemen, die auf mehreren Ebenen und verschieden instrumentiert getestet wird - da rutscht nicht einfach so ein Fehlerchen durch (bitte nicht mit Consumer-SW vergleichen, denn die Entwicklungsprozesse sind da völlig andere). Daher ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass es sich um eine von den Boeing Ingenieuren bekannte Schwäche handelt, die die FAA bei dem Testflügen aber beanstandet hat. Und die Ingenieure es versuchen, das bei der FAA durchzubekommen liegt eher daran, das die vorhandene SW so dermaßen ausgereizt ist, das sie Verhaltensänderungen ohne tiefgreifende Designänderungen gar nicht mehr reinbekommen. Das können an den bereits diskutierten Performanceproblemen oder auch anderen Limits zusammenhängen.

Weitere Indizien, die diese Vermutung stützen, sind die Tatsache, dass Boeing schon wiederholt von der FAA bzgl. SW-Problemen bei der MAX zurückgepfiffen worden ist. Und die lange Entwicklungsdauer zur Verbesserung des MCAS, die ja schon seit Ende 2018 läuft, ist ebenso ein Hinweis (kein Beweis), dass Boeing beim FCC schwerwiegende SW-Probleme hat und Boeing und FCC jetzt viel Zeit darauf verwenden, einen Kompromiss Lösung zu finden, um eine größere Systemänderung seitens Boeing inkl. nötiger Neuzertifizierung zu vermeiden. Und daher müssen hier andere Aufsichtsbehörden wie die EASA involviert sein. Denn sonst wäre das der absolute Mega-Super-GAU, wo spätestens dann die Politik ausgehend vom Weißen Haus dann einschreiten würde, um andere Länder mit politischem Druck zum Einlenken zu bewegen.

Ein solcher Sachverhalt wird dann gerne auf einen „einfachen SW-Fehler“ reduziert, weil dies einen einfachen schnellen Fix suggeriert und keine weiteren Verzögerungen impliziert. Denn letzteres wird an Kunden, Zulieferer und Aktionären nur im Worst Case kommuniziert, wenn es 1000% sicher und alternativlos ist und die Verzögerung auch wirklich signifikant ist. Das ist Boeing wohl noch nicht, kann aber ggf. noch werden. Haben wir ja in dem letzten 3/4 Jahr bei der MAX schon mehrfach erlebt.

Dieser Beitrag wurde am 11.02.2020 13:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 11.02.2020 - 14:19 Uhr
Usertriangolum
User (141 Beiträge)
Bisher 8st gar nix zu vernehmen, dass es ein positives Signal gibt für die Zulassung. Wir sind nun schon vom Zwei Monats Zulassungstermin abgekommen.

Scheinbar geht es ohne 2,5° Eingriffe von MCAS nicht und scheinbar können die Piloten weiterhin nicht schnell genug eingreifen ohne MCAS Eingriffe.

Alles was weiterhin kommt sind Aktien Stützung PR. Mehr nicht. Nix was substanzielle Fortschritte in der Zulassung betrifft kommt irgendwo her zum lesen.
Beitrag vom 11.02.2020 - 23:12 Uhr
Userfbwlaie
User (4379 Beiträge)
@Weideblitz,

die Hardware ist bei der 737MAX aber anders bzw. neu...
Da musste einiges - auch im Rahmen von MCAS - umprogrammiert werden. Die neuen SIMs kommen von einem neuen Lieferanten.

Es ist natürlich richtig, dass Programme duch Änderungen und Erweiterungen u. U. schlecht zu warten sind. Wer hat schon Lust, sich richtig in ein über 20 Jahre altes Programm einzuarbeiten, falls man dafür überhaupt die Zeit und die Testumgebung dafür bekommt.
Falls die DV-Dokumentationspflichten ähnlich denen in der Pharmazie sind, dann dürften solche Fehler nicht auftreten. Dort werden Beauftragung mit Testvorgaben, Programmierung, Tests und Freigaben ausführlich dokumentiert.

Falls Sie recht haben, drückt sich Boeing vor einer notwendigen Änderung der Aerodynamik der 737 MAX.






Dieser Beitrag wurde am 12.02.2020 10:58 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 12.02.2020 - 09:52 Uhr
UserNicci72
User (296 Beiträge)
Der Softwarefehler bedeutet, dass Boeing nicht ordendlich getestet hat.
Das kann passieren.
Aber worin bestand der Fehler? Gab es ein uunvollständiges Testszenarium oder war die Testhardware ungenügend?
Die FAA dürfte nicht erfreut sein.

Nein, so einfach ist das leider nicht. Hier war sicher wieder Boeings Kommunikationsabteilung am Werk, um das so darzustellen. Ein einfacher, nicht ausreichend getesteter Softwarefehler kann es deswegen vermutlich nicht sein, denn die Software und die Testsysteme sind Jahrzehnte alt und dürfte extrem ausgereift sein. Zudem handelt es sich um extrem sicherheitskritische SW auf redundant ausgelegten Systemen, die auf mehreren Ebenen und verschieden instrumentiert getestet wird - da rutscht nicht einfach so ein Fehlerchen durch (bitte nicht mit Consumer-SW vergleichen, denn die Entwicklungsprozesse sind da völlig andere). Daher ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass es sich um eine von den Boeing Ingenieuren bekannte Schwäche handelt, die die FAA bei dem Testflügen aber beanstandet hat. Und die Ingenieure es versuchen, das bei der FAA durchzubekommen liegt eher daran, das die vorhandene SW so dermaßen ausgereizt ist, das sie Verhaltensänderungen ohne tiefgreifende Designänderungen gar nicht mehr reinbekommen. Das können an den bereits diskutierten Performanceproblemen oder auch anderen Limits zusammenhängen.

Weitere Indizien, die diese Vermutung stützen, sind die Tatsache, dass Boeing schon wiederholt von der FAA bzgl. SW-Problemen bei der MAX zurückgepfiffen worden ist. Und die lange Entwicklungsdauer zur Verbesserung des MCAS, die ja schon seit Ende 2018 läuft, ist ebenso ein Hinweis (kein Beweis), dass Boeing beim FCC schwerwiegende SW-Probleme hat und Boeing und FCC jetzt viel Zeit darauf verwenden, einen Kompromiss Lösung zu finden, um eine größere Systemänderung seitens Boeing inkl. nötiger Neuzertifizierung zu vermeiden. Und daher müssen hier andere Aufsichtsbehörden wie die EASA involviert sein. Denn sonst wäre das der absolute Mega-Super-GAU, wo spätestens dann die Politik ausgehend vom Weißen Haus dann einschreiten würde, um andere Länder mit politischem Druck zum Einlenken zu bewegen.

Ein solcher Sachverhalt wird dann gerne auf einen „einfachen SW-Fehler“ reduziert, weil dies einen einfachen schnellen Fix suggeriert und keine weiteren Verzögerungen impliziert. Denn letzteres wird an Kunden, Zulieferer und Aktionären nur im Worst Case kommuniziert, wenn es 1000% sicher und alternativlos ist und die Verzögerung auch wirklich signifikant ist. Das ist Boeing wohl noch nicht, kann aber ggf. noch werden. Haben wir ja in dem letzten 3/4 Jahr bei der MAX schon mehrfach erlebt.

Solange keine verbindlichen Aussagen von der FAA über Modalitäten und Fristen einer Wiederzulassung kommen, kann man die Terminierung "Juni 2020" von Boeing in der Tat getrost als Weiterführung der Taktik von Dennis Muilenburg sehen, durch nassforsche Ankündigungen die Zulassungsbehörden unter Druck setzen zu wollen. Eine derartige Ankündigung sollte man daher eher so lesen: Vor Juni 2020 wird es mit Sicherheit keine Wiederzulassung geben. Nach dem Juni 2020 sehen wir weiter. Klar ist dabei natürlich, dass - je mehr Zeit ohne eine Wiederzulassung vergeht - dies zumindest für die Zivilluftfahrzeugsparte von Boeing immer mehr zur Existenzfrage wird. Den Gesamtkonzern wird aber wohl selbst im Worstcase seine riesige Rüstungssparte retten - und die Tatsache, dass Boeing für die Supermacht USA militärisch "too big to let them fail" ist, zumindest im Wahljahr 2020.

Dieser Beitrag wurde am 12.02.2020 09:53 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 12.02.2020 - 10:17 Uhr
UserVJ 101
User (673 Beiträge)
Im allerkrassesten Fall würde Boeing wohl zerschlagen werden und die einzelnen Geschäftsbereiche eingegliedert werden bei Northrop-Grumman, Lockheed-Martin und Raytheon-Hughes, so dass es weitergehen würde ohne Störfall-MAX.
Beitrag vom 12.02.2020 - 10:57 Uhr
Userfbwlaie
User (4379 Beiträge)
@vj 101,

so einfach ist das nicht: Das System Boeing macht sich auch ausserhalb von BCA bemerkbar,
weil die MA gelegentlich die Sparten wechseln.
Mit der B777X geht es in diesem Sinne weiter.
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