Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Boeing will den Dreamliner in South ...

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Beitrag vom 02.10.2020 - 17:26 Uhr
UserRunway
User (2673 Beiträge)
Gut geschultes Personal kostet in aller Regel mehr. Zudem wird man schwerer ersetzbar, was dazu führt, dass man mehr Selbstvertrauen gegenüber dem Arbeitgeber zeigen kann und/oder weniger anfällig für Erpressungen - wie bspw. "wenn du der Gewerkschaft beitrittst, bist du draußen" - wird.
Gut geschultes Personal besonders in handwerklicher Hinsicht ist in den USA ziemlich rar. Dort studiert man oder macht learning by doing. Das geht beim Hamburger braten noch gut aber je technisch anspruchsvoller umso länger dauert es oder klappt evtl. überhaupt nicht. Es fehlt dort eine gute mittlere Ausbildungsschiene mit Theorie und Praxis wie eine deutsche Lehre. Deutsche Firmen sind deswegen dort sogar dazu übergegangen die Ausbildung selbst in die Hand zu nehmen.

Ein japanischer Automanager mit Produktion in USA hat die Fähigkeit seiner Ami-Mitarbeiter vor Jahren mal drastisch in der Öffentlichkeit runtergemacht. Ungefähr so: sind zu blöd den Schraubenschlüssel zu halten. Musste offiziell schwer zurückrudern aber so ganz ohne Grund kam er wohl nicht zu dieser Überzeugung.
Beitrag vom 02.10.2020 - 19:20 Uhr
UserAngros
User (426 Beiträge)
In den USA gibt es kein Ausbildungssystem wie hierzulande. Das Gros der Arbeiter dort in einfach angelernt, nicht umsonst hat Boeing wesentlich höhere Fertigungstoleranzen als etwa Airbus. Der Einbau einer Flugzeugtür ist auf die Art bei den Amerikanern quasi eine Einzelanfertigung...
Beitrag vom 02.10.2020 - 20:37 Uhr
UserEricM
User (2369 Beiträge)
Nach all den Qualitätsproblemem aus diesem Werk definitiv nicht der richtige Schritt. Damit werden weitere wichtige Kunden bei der 787 abspringen. Anscheinend hat man aus der 737Max Krise nichts gelernt. Schade.

Auch wenn ich Boeing Qualität aktuell ebenfalls maximal kritisch sehe: Die Qualität eines Produkts hängt nur sehr mittelbar mit dem Produktionsort zusammen.
Auch in Charleston könnte man Mitarbeiter ordentlich schulen, Überstunden begrenzen, Qualitätssicherung in ausreichendem Umfang betreiben, etc.
Für den bisherigen Murks waren ja keine ortsgebundenen Faktoren ausschlaggebend sondern aktive Management-Entscheidungen, Profit höher als Qualität zu gewichten.
Korrekturen würden natürlich auf die Kosten durchschlagen.
Und hier muss man dann sehen, welche Prioritäten Boeing in Zukunft setzt.

In diesem Falle aber schon.
Die Arbeiter und Prozesse in Charleston sind halt einfach nicht auf dem Level wie in Everett, dort hat man halt erfahrene, fähige und gut bezahlte MAs während in Carolina wohl nur Kostendruck herrscht.

Da will ich gar nicht widersprechen.
Was ich meinte: Natürlich konnte man, was in Charleston im Argen liegt, dort auch korrigieren.
Ausbildung, QA, gut bezahlte MA ist am Standort Charleston nicht physikalisch unmöglich.

Man kriegt was man zahlt, das ist meistens so.

Das ist der Punkt. Wenn aus Charleston weiter Mist ausgeliefert wird, dann weil Boeing aktiv die Entscheidung getroffen hat, die bekannten, massiven Probleme zu ignorieren statt zu korrigieren.
Beitrag vom 03.10.2020 - 13:32 Uhr
UserVJ 101
User (704 Beiträge)
Der Haken bei dem ganzen ist, gute, fundierte Ausbildung kostet nicht nur Geld, auch der Faktor Zeit spielt eine große Rolle.
Die Zeit, in der die künftigen Fachleute nicht zur direkten Wertschöpfung beitragen, aber bezahlt werden, um zur zukünftigen Wertschöpfung qualitativ und eigeninitiativ beizutragen, eine Investition in Human Kapital, die erst später Früchte trägt.
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