Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Lufthansa geht offensiv an Pilotenau...

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Beitrag vom 22.05.2018 - 11:55 Uhr
UserMeadowlands
User (335 Beiträge)
Ja, man kann die Zeit des Studiums mit der Zeit der Schulung des Piloten vergleichen.
Studium ist auch nichts anderes als eine Schulung auf einen bestimmten Beruf hin. Von 12 Monaten im Jahr sitzt der Student genau 7 an der Uni, hat also 5 Monate frei. Ich weiß, es kommt gleich der Aufschrei "Vorlesungsfreie Zeit". Kenne ich, ich habe Studierte in der Familie. Und dort war die "vorlesungsfreie Zeit" immer frei. Bei einem Familienmitglied fanden allerdings die Prüfungen in den ersten zwei Wochen der freien Zeit statt. Dann war Ruhe für 1,5 bzw. 2,5 Monate.
Also, was bleibt effektiv über? 8 Monate (incl. Rüfungen) p.a. an der Uni, 4 Jahre lang. 32 Monate effektive Studienzeit bevor man eingesetzt werden kann. Dagegen 24 Monate effektive Ausbildung (ohne Freizeit, weil durchgehende Ausbuldung) zzgl. 6 Monate Typerating und Linetraining, bevor man eingesetzt werden kann, in Summe 30 Monate und, je nach dem, etwa 60-80k Schulden.
Ich maße mir an, das recht gut vergleichen zu können, da ich selbst die zweite Variante gewählt habe, und meine Frau und andere Familienmitglieder die Erste.
Ich sehe schon, dass es sehr wohl vergleichbar ist, hat auch nichts mit Selbstwertgefühl zu tun.
Beitrag vom 22.05.2018 - 12:38 Uhr
UserRunway
User (2526 Beiträge)
Ja das alles auf ein Vergleichslevel zu bringen ist nicht so einfach. In der Disskussion hier ist m. E. die eingeschränkte Lebensführung vom (gesamten) fliegenden Personal noch gar nicht ausreichnd beleuchtet. Anfangs mag es ja toll sein in der Welt umeinander zu fliegen. Auf Sicht hätte ich das beruflich nicht ständig tun wollen obwohl privat begeisterter Weltreisender. Die besondere Verantwortung am Steuerknüppel bzw. Stick wäre da auch noch zu erwähnen. Jeder bewertet das eben anders.
Beitrag vom 22.05.2018 - 12:42 Uhr
UserA320Fam
User (465 Beiträge)
@Meadowlands
...

Also meine Ausbildung ging auch am Stück weg ohne vorlesungsfreie Zeit und auch ich musste danach noch verschiedenste Lizenzen erwerben bis ich allein aufs Flugzeug losgelassen werden konnte. Insofern könnt ich mich ja auch mit nem Ingenieur vergleichen ... mach ich aber nicht 😉
Beitrag vom 22.05.2018 - 12:50 Uhr
UserA320Fam
User (465 Beiträge)
@Runway
...

Volle Zustimmung.

Geht auch gar nicht um einen 1zu1 Vergleich. Es sollte nur ein gewisser Rahmen eingehalten werden.

Und da komme ich auf diesen Artikel hier zurück. So wie es im da und auch in meinem zitierten FliegerRevue Artikel dargestellt wird, unter Voraussetzung der Einhaltung des versprochenen Rahmens, ist das nach meiner Ansicht ein faires Angebot für einen Berufseinsteiger. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ins Schlaraffenland kann man nur reingeboren werden.

Beitrag vom 22.05.2018 - 21:17 Uhr
Userfbwlaie
User (3788 Beiträge)
@Meadowlands,
ein "Linetraining" benötigt jeder Berufsanfänger....
Auch mit Diplom der Promotion - vgl. z. B. die Hiwis der Berater!
Falls man Wert auf gute Noten legt, muss man sich während der vorlesungsfreien Zeit schon mit seinen Studienfächern auseinandersetzen...
Beitrag vom 24.05.2018 - 11:00 Uhr
UserDigiflieger
User (833 Beiträge)
Geht auch gar nicht um einen 1zu1 Vergleich. Es sollte nur ein gewisser Rahmen eingehalten werden.

Und da komme ich auf diesen Artikel hier zurück. So wie es im da und auch in meinem zitierten FliegerRevue Artikel dargestellt wird, unter Voraussetzung der Einhaltung des versprochenen Rahmens, ist das nach meiner Ansicht ein faires Angebot für einen Berufseinsteiger. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ins Schlaraffenland kann man nur reingeboren werden.


Der Haken war in den jüngeren, vergangenen Jahren, dass man die erwähnte Schulung gemacht hat, in dem Glauben(!), dass man dann zeitnah in eine relativ vorhersehbare Einkommensentwicklung kommen würde.
Da mag man vor Jahren noch über den Realitätsverlust geschmunzelt haben, so ist es später zu einem handfesten Politikum geworden.
Ich mag den angehenden Piloten kaum vor die Augen treten, angesichts dessen, was ein renommierter Konzern aus tarifpolitischem Taktieren mit denen gemacht hat.
Die Schulden sind tatsächlich relativ lächerlich, wenn das darauf folgende Einkommen passt. Das aktuelle Risiko, dieses NICHT zu bekommen oder nur nach sehr langer Zeit, verschiebt aber das Verhältnis eklatant!
Beispielsweise kommen aktuell Kollegen ins Cockpit, die von Schulungsbeginn bis zum ersten Mal Arbeiten (Geldverdienen) unverschuldet über 6 Jahre gebraucht haben. Da erscheint dann ein Studium (ohne 60-80.000 Schulden) wieder sehr attraktiv, selbst wenn das Einstiegsgehalt dann geringer ist.
Man darf ja eben nicht vergessen, dass es den Flugschülern während dieser ganzen Zeit auch nicht leicht gemacht wurde, selbst für Alternativen zu sorgen. So konnte weder ein Studium, noch eine Ausbildungsstelle aufgenommen werden, da man immer wieder für den kurzfristigen Abruf für die LH zur Verfügung stehen musste, wenn man nicht das Risiko des "Rausschmiss" eingehen wollte...
Wer heute einen solchen Schulungsvertrag unterschreibt, muss eben auch damit rechnen, dass er vielleicht erst nach 5-6 Jahren im Cockpit sitzt, mit entsprechenden Schulden, aber eventuell ohne das gute Gehalt einer LH, sondern vielleicht das einer EWE...
Und so glaubt der Konzern doch tatsächlich seinen gesamten Bedarf von 3-400 Piloten pro Jahr für die gesamte Group ab 2020 zu decken.
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