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Beitrag vom 21.02.2020 - 09:43 Uhr
UserNicci72
User (296 Beiträge)
Also, ich denke, jede/r, die/ der sich mit europäischer Luftfahrt etwas beschäftigt hat, weiß, dass die PGL mit ihren zukünftig zwei Airlines nicht mit den "Großen Drei" Verbünden - Lufthansa Group, IAG und Air France/ KLM in einer Liga spielt, auch nicht dieselbe Größenordnung hat wie die beiden größten europäischen LCC Ryanair und Easyjet. Wenn man europäische Luftfahrt kontinentaleuropäisch definiert und nicht nur begrenzt auf die EU, dann ware die PGL nicht einmal mit Aeroflot auf Augenhöhe. Allerdings schon mit SAS, TAP Air Portugal und den TUI-Airlines. Es ist also gewissermaßen ein Aufstieg von der Regionalliga mit Airlines wie Ukraine International, Alitalia und Tarom in die Zweite Liga. Allerdings ist die PGL in Mittelosteuropa mit seinen wachsenden Märkten dann neben der Wizz Air (die allerdings gerade dabei ist, ebenfalls aus der Regionalliga kommend von der Zweiten in die Erste Liga durchzumarschieren) die einzige Airline, die dort dann in der Zweiten Liga spielt.

Dass das Prüfverfahren des Kartellamtes unproblematisch sein würde war von vornherein klar. LOT und Condor zusammen dominieren auf keinem Markt irgendetwas, im Gegenteil, der Zusammenschluss stärkt den Wettbewerb und schwächt ihn nicht. Die Gläubigerversammlung im März wird dagegen eine reale Hürde sein, die zu nehmen ist. Wenn ein wichtiger Gläubiger gegen den Sanierungsplan stimmt, ist das zumindest ein Problem, das die Übernahme eventuell unter den Vorbehalt eines jahrelangen Rechtsstreites stellt. Jedenfalls wird auf der Gläubigerversammlung zumindest eine Mehrheit zusammenkommen müssen. Ob die EU-Kommission dann von Wizzair und/ oder Lufthansa mit der Angelegenheit befasst wird - also ganz offiziell Beschwerden eingelegt werden - wird man dann sehen müssen. Das wird dann von der am Ende tatsächlichen Finanzierung der Übernahme durch die PGL abhängen. Hier ist ja schon in den letzten Wochen ein bemerkenswerter "Shift" vor sich gegangen: Bei der Pressekonferenz am 24. Januar hatte Milczarski noch von einer direkten Finanzierung durch den polnischen Staat gesprochen. Zwischenzeitlich ist man wohl zur Überzeugung gekommen, dass das nach EU-Recht doch problematisch werden könnte und favorisiert jetzt offenbar eine Konsortium-Lösung unter Federführung einer Versicherungsgesellschaft, an der der polnische Staat zwar Anteile hält aber nicht die Mehrheit. Ich vermute, dass bei der Lufthansa und bei der Wizzair hinter den Kulissen gerade die Juristen dabei sind, den Deal auf juristische Schwachstellen hin abzuklopfen, und die Lobbyisten in Brüssel vorfühlen, wie die beiden gegebenenfalls zuständigen EU-Kommissarinnen in der Frage LOT/ Condor "ticken". Das bleibt also zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach abzuwarten. Übrigens hat @FloCo in diesem Punkt natürlich Recht: Die Lufthansa würde die Condor am liebsten gegroundet sehen und die Wizzair die LOT dito - einfach weil der Zusammenschluss der beiden Airlines die PGL zum Konkurrenten machen würde - zwar zu einem Konkurrenten, der nach wie vor deutlich geringere Marktanteile hätte, aber eben doch zum Konkurrenten. In Brüssel wären im Falle eines Falles dann wohl übrigens wieder die gute alte Lufthansa-Freundin, Frau Vestager, zuständig und die Verkehrskommissarin, die, soweit ich mich erinnere (ich kann mich irren), aus Italien kommt.

Weil es hier in den Kommentaren angesprochen wurde noch ein Wort zum Thema Condor und Insolvenz. Die bisherige Eigentümerin der Condor, der britische Thomas-Cook-Konzern, ist im September 2019 in die Insolvenz gegangen. Dies konnte auf die insgesamt fünf Airlines, die zu diesem Konzern gehörten und von denen die Condor eine ist, natürlich nicht ohne Auswirkungen bleiben. Die britische Thomas Cook UK wurde sofort gegroundet und befindet sich inzwischen in der Liquidation. Die dänische Thomas Cook Scandinavia wurde für einen Tag gegroundet, dann hat sich allerdings noch Ende September eine skandinavische Lösung gefunden. Die vormalige Thomas Cook Scandinavia fliegt inzwischen unter neuer Eigentümerschaft als "Sunclass Airlines". Die spanische Thomas Cook Balearics hat - allerdings erst im Dezember - gleichfalls Insolvenz anmelden müssen, wurde allerdings bis jetzt nicht gegroundet und fliegt nach wie vor für Condor. Die Thomas Cook Aviation, vormals Air Berlin Aviation und 2018 aus der Insolvenzmasse der insolventen Air Berlin übernommen, ist Eigentum der Condor und war daher nur mittelbar auch Eigentum der Thomas Cook. Sie ist daher im derzeitigen Schutzschirmverfahren der Condor einbegriffen. Dieses ist nun ein Instrument des deutschen Insolvenzrechts, mit dem hier konkret das deutsche Unternehmen Condor vor Zahlungsansprüchen der Gläubiger des insolventen nicht-deutschen (und inzwischen auch nicht mehr EU-zugehörigen) Mutterkonzerns "abgeschirmt" wird. Nach dem Gesetz ist es Ziel eines solchen Schutzschirmverfahrens, eine eigenständige Marktfähigkeit des unter dem Schirm befindlichen Unternehmens herzustellen bei gleichzeitiger Befriedigung der Forderungen, die an dieses Unternehmen selbst gestellt sind. Dazu wird vom zuständigen Gericht (hier: das Amtsgericht Frankfurt am Main) ein sogenannter Sachwalter bestimmt (hier: Herr Flöther, zuvor schon öffentlich bekannt durch seine Funktion als Insolvenzverwalter - ! - im Air-Berlin-Verfahren). Condor war bisher zu keinem Zeitpunkt zahlungsunfähig sondern hat 2019 einen Reingewinn von 57 Millionen Euro erwirtschaftet - was zwar nach Luftfahrtmaßstäben keine große Summe ist - aber trotzdem ein Gewinn und kein Verlust. Allerdings hat Condor für die Zeit des Schutzschirmverfahrens einen unter Auflagen von der EU-Kommission genehmigten Kredit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Anspruch genommen, der zum 15. April mit Zinsen zurückzuzahlen ist. Nach den Informationen, die ich gelesen habe, hat Condor dabei bisher von den bewilligten 380 Millionen Euro rund 250 Millionen tatsächlich in Anspruch genommen.

P.S.: Die im Falle einer offiziellien Beschwerde gegebenenfalls zuständige EU-Verkehrskommissarin ist seit November 2019 Frau Adina Valean aus Rumänien von der Nationalliberalen Partei des rumänischen Staatspräsidenten Klaus Johannis, zuvor Mitglied der EVP-Fraktion des Europaparlaments.


Dieser Beitrag wurde am 21.02.2020 09:58 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.02.2020 - 10:04 Uhr
UserFloCo
Vielflieger
User (404 Beiträge)
Condor war bisher zu keinem Zeitpunkt zahlungsunfähig sondern hat 2019 einen Reingewinn von 57 Millionen Euro erwirtschaftet - was zwar nach Luftfahrtmaßstäben keine große Summe ist - aber trotzdem ein Gewinn und kein Verlust. Allerdings hat Condor für die Zeit des Schutzschirmverfahrens einen unter Auflagen von der EU-Kommission genehmigten Kredit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Anspruch genommen, der zum 15. April mit Zinsen zurückzuzahlen ist. Nach den Informationen, die ich gelesen habe, hat Condor dabei bisher von den bewilligten 380 Millionen Euro rund 250 Millionen tatsächlich in Anspruch genommen.

Hier liegt doch genau das Problem: Natürlich klingt es gut oder sagen wir lieber nur positiv, wenn man 57 Mio. € Gewinn gemacht hat. Wenn man aber trotzdem 250 Millionen € als Kredit quasi vom Staat aufnehmen musste, dann heißt es doch letztendlich, dass man sich nicht selbst über Wasser halten kann. Das ist dann das, was @contrail55 angesprochen hat: Langfristig ist die Condor nicht selbst überlebensfähig. Ohne den Kredit wäre man also auch in die Insolvenz gerutscht und es gibt derzeit keine Anzeichen, dass sich das dieses Jahr ändern würde. Von daher ist der Mythos: Condor ist nur pleite, weil TC pleite gegangen ist, doch nur eine Schönrederei.
Beitrag vom 21.02.2020 - 10:29 Uhr
UserNicci72
User (296 Beiträge)
Condor war bisher zu keinem Zeitpunkt zahlungsunfähig sondern hat 2019 einen Reingewinn von 57 Millionen Euro erwirtschaftet - was zwar nach Luftfahrtmaßstäben keine große Summe ist - aber trotzdem ein Gewinn und kein Verlust. Allerdings hat Condor für die Zeit des Schutzschirmverfahrens einen unter Auflagen von der EU-Kommission genehmigten Kredit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Anspruch genommen, der zum 15. April mit Zinsen zurückzuzahlen ist. Nach den Informationen, die ich gelesen habe, hat Condor dabei bisher von den bewilligten 380 Millionen Euro rund 250 Millionen tatsächlich in Anspruch genommen.


Hier liegt doch genau das Problem: Natürlich klingt es gut oder sagen wir lieber nur positiv, wenn man 57 Mio. € Gewinn gemacht hat. Wenn man aber trotzdem 250 Millionen € als Kredit quasi vom Staat aufnehmen musste, dann heißt es doch letztendlich, dass man sich nicht selbst über Wasser halten kann. Das ist dann das, was @contrail55 angesprochen hat: Langfristig ist die Condor nicht selbst überlebensfähig. Ohne den Kredit wäre man also auch in die Insolvenz gerutscht und es gibt derzeit keine Anzeichen, dass sich das dieses Jahr ändern würde. Von daher ist der Mythos: Condor ist nur pleite, weil TC pleite gegangen ist, doch nur eine Schönrederei.

Da sind wir im Bereich des Fiktionalen: Was wäre gewesen, wenn Thomas Cook nicht insolvent geworden wäre? Thomas Cook ist aber insolvent. Und das aktuelle Schutzschirmverfahren der Condor samt Kredit ist eine direkte - auch rechtlich gesehen direkte - Folge der Insolvenz des Mutterkonzerns. Dass es bei dem aktuellen Verfahren noch Imponderabilien gibt und die Zukunft der Condor noch nicht "in trockenen Tüchern" ist habe ich ausführlich benannt. Ob das Geschäftsmodell der PGL trägt wird die Zukunft zeigen - wie bei jedem anderen Geschäftsmodell. Dass die Condor in Ihren Augen und denen von @contrail55 vom Markt geschafft gehört und die LOT am besten gleich dazu kann ich nachvollziehen. Ich habe wie erwähnt schon bemerkt, dass Sie hier im Forum die Interessen dieses Unternehmens kompromisslos und unnachgiebig verteidigen, wenn irgendwo das Stichwort Lufthansa auftaucht, und ich bin mir wie erwähnt auch bewusst, dass es in der Tat im Interesse der Lufthansa liegt, dass die Condor vom Markt verschwindet. Genau deshalb liegt es allerdings im Marktinteresse, dass die Condor nicht verschwindet - das Wesentliche zu diesem Thema hat der Präsident des Bundeskartellamtes in der Begründung der Entscheidung seiner Behörde ausgeführt. Und ich denke, damit ist das, was man, Stand: heute, zu diesem Thema von beiden Seiten sagen kann, gesagt.


Dieser Beitrag wurde am 21.02.2020 10:29 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.02.2020 - 11:41 Uhr
UserFloCo
Vielflieger
User (404 Beiträge)
Dass die Condor in Ihren Augen und denen von @contrail55 vom Markt geschafft gehört und die LOT am besten gleich dazu kann ich nachvollziehen. Ich habe wie erwähnt schon bemerkt, dass Sie hier im Forum die Interessen dieses Unternehmens kompromisslos und unnachgiebig verteidigen, wenn irgendwo das Stichwort Lufthansa auftaucht, und ich bin mir wie erwähnt auch bewusst, dass es in der Tat im Interesse der Lufthansa liegt, dass die Condor vom Markt verschwindet. Genau deshalb liegt es allerdings im Marktinteresse, dass die Condor nicht verschwindet - das Wesentliche zu diesem Thema hat der Präsident des Bundeskartellamtes in der Begründung der Entscheidung seiner Behörde ausgeführt. Und ich denke, damit ist das, was man, Stand: heute, zu diesem Thema von beiden Seiten sagen kann, gesagt.

Ich glaube, da sind Sie auf dem Holzweg (für mich kann ich es definitiv sagen, für @contrail55 kann ich es nur vermuten): Ich finde nicht alles gut, was der Lufthansa gut tut; ich finde auch nicht alles gut, was die LH macht. Ich habe hier auch die LH schon kritisiert. Was ich aber eben nicht gut heiße sind Firmen, die auf Staatskosten, also mit Hilfe von Steuergeldern künstlich am Leben erhalten werden. Wenn eine Firma sich nicht von sich aus tragen kann, sorry to say, dann gehört sie eben weg vom Markt. Wenn also der polnische Staat oder auch der Italienische Staat Millionen oder Milliarden von € Steuergeld in eine Airline steckt, die nach derzeitigem Stand oder in absehbarer Zukunft keine Chance hat sich selbst zu tragen, dann läuft da etwas schief.

Das Sie uns aus diesem Grund gleich wieder in Ihre "LH Fanboy" Schublade stecken, gut, das sei Ihnen überlassen. Mir ist es egal. Wenn es Ihnen damit besser geht, machen Sie ruhig.


Edit: Satzbau korrigiert

Dieser Beitrag wurde am 21.02.2020 11:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.02.2020 - 12:07 Uhr
UserFraBay83
User (28 Beiträge)
Das die LH da noch meckert überrascht wenig. Diese Fluggesellschaft fürchtet jegliche Form von Konkurrenz und schluckt gerne diese. Doch leider sind Gesellschaften wie LOT, KLM, BA oder AF zu mächtig. LOT lehnte auch einen Beitritt in die LH-Gruppe dankend ab. Die Gesellschaft wird ihren eigenen Weg gehen und ist nicht auf Fusionen, wo dann die eigene Marke verschwindet, angewiesen!

Gehen Sie lieber wieder bei dem rechten Idioten von Epochtimes kommentieren! Sie verstehen eh nix von den wirtschaftlichen Zusammenhängen.
Beitrag vom 21.02.2020 - 12:24 Uhr
Usercontrail55
User (1322 Beiträge)
Dass die Condor in Ihren Augen und denen von @contrail55 vom Markt geschafft gehört und die LOT am besten gleich dazu kann ich nachvollziehen. Ich habe wie erwähnt schon bemerkt, dass Sie hier im Forum die Interessen dieses Unternehmens kompromisslos und unnachgiebig verteidigen, wenn irgendwo das Stichwort Lufthansa auftaucht, und ich bin mir wie erwähnt auch bewusst, dass es in der Tat im Interesse der Lufthansa liegt, dass die Condor vom Markt verschwindet.
Das ist so nicht korrekt. Mir ist es persönlich völlig gleichgültig ob die Condor am Markt ist oder nicht. Aber es wird hier immer wieder von der ehemaligen Cashcow der TC und profitablen Condor gesprochen. Das ist und war sie nie. Ich orientiere mich da an der in der Branche als notwendig angesehene Marge von mindestens 8%. Danke an Herrn Teckendrup, der dies genau so vor kurzem bestätigt hat. Eine Airline mit einer Marge unter 8%? Keine Chance ohne Hilfe von außen.
Was die LHG betrifft erwarte ich in der Diskussion eine Behandlung mit gleicher Elle. Auch wieder hier im Thread "Das die LH da noch meckert überrascht wenig. Diese Fluggesellschaft fürchtet jegliche Form von Konkurrenz" aber der LOT wird gestattet mit genau den gleichen Gedanken wie ein Phoenix aus der Asche zu steigen. Auch Sie haben die Welchselspiele der EW gescholten, aber gleichzeitig die der Condor, rein/raus Münchenusw. als cleveres Management gelobt. Oder das Altalia Interesse. Es steht ja immer noch die Antwort auf die Alternativen aus auf die Possen im Markt zu reagieren, da LHG unter Spohr keine Ahnung hat. Da kam ja nix über das man diskutieren könnte. EW ist unbestritten kein Ruhmesblatt in der Geschichte der LHG und es gäbe noch einiges andere zu erwähnen. Aber diese ständige zweierlei Maß ist, sagen wir mal, unfair.
Genau deshalb liegt es allerdings im Marktinteresse, dass die Condor nicht verschwindet - das Wesentliche zu diesem Thema hat der Präsident des Bundeskartellamtes in der Begründung der Entscheidung seiner Behörde ausgeführt. Und ich denke, damit ist das, was man, Stand: heute, zu diesem Thema von beiden Seiten sagen kann, gesagt.
Das ist auch völlig ok. Nur der Condor (oder andere Player) gestattet man den vollen Rahmen des Möglichen auszuschöpfen, aber der LHG nicht.

Ob LH Fanboy oder LH Basher ist völlig egal, wenn man sich sachlich austauscht. Aber wenn Sie das früher oder später jedes mal auf den Führungstil von Herrn Spohr reduzieren wird das nix.

Edit Korrekturen und Typos

Dieser Beitrag wurde am 21.02.2020 12:33 Uhr bearbeitet.
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