Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Red Wings wird mit 60 Superjets rund...

Beitrag 1 - 6 von 6
Beitrag vom 15.09.2020 - 08:28 Uhr
UserGroße Krügerkl..
User (107 Beiträge)
Also kurz: Schrottjet nicht wettbewerbsfähig, also wird er auf staatliche anordnung durchgesetzt.
Passt.

Was nicht passt:
"Weitere 199 Millionen Rubel (2,22 Millionen Euro) sollen die Leasingraten für mehr als ein Jahr abdecken."

Das Leasing für 7 die dieses Jahr in Dienst gestellt werden soll 2,22 Mio. € sein für 1 Jahr?
314k € pro FLugzeug pro Jahr?
Das wäre eine Rate von 26k € pro Monat, das klingt schon sehr günstig.
Oder wie ist das zu verstehen?
A320/ B737 sind im Leasing beim 10 fachen.
Der günstigste A320 steht trocken für 160.000$ + Maintance drin, aber der ist von 96/97 und kein Neuflugzeug.
 https://www.avibroker.com/leaseavailability.asp

Sollte das so sein, wäre der Flieger quasi umsonst.
Beitrag vom 15.09.2020 - 15:42 Uhr
Userichglaubdasnicht
User (423 Beiträge)
@ Große Krügerkl..
Das ist günstig.

Da ist sicher schon eingepreist, dass aufgrund der (dauerhaften) Stilllegung von Flugzeugen und anschließender Insolvenz von Leasingkunden sehr viele A320 und B737 auf den Markt kommen werden.

Die Raten werden massiv verfallen, falls es überhaupt Interessenten gibt für Gebrauchtgerät. Andererseits werden die Rabatte für Neugerät, insbesondere solche Flieger, die schon gebaut sind, die 50 % übersteigen.
Beitrag vom 16.09.2020 - 08:54 Uhr
UserNicci72
User (386 Beiträge)
Also kurz: Schrottjet nicht wettbewerbsfähig, also wird er auf staatliche anordnung durchgesetzt.
Passt.

Was nicht passt:
"Weitere 199 Millionen Rubel (2,22 Millionen Euro) sollen die Leasingraten für mehr als ein Jahr abdecken."

Das Leasing für 7 die dieses Jahr in Dienst gestellt werden soll 2,22 Mio. € sein für 1 Jahr?
314k € pro FLugzeug pro Jahr?
Das wäre eine Rate von 26k € pro Monat, das klingt schon sehr günstig.
Oder wie ist das zu verstehen?
A320/ B737 sind im Leasing beim 10 fachen.
Der günstigste A320 steht trocken für 160.000$ + Maintance drin, aber der ist von 96/97 und kein Neuflugzeug.
 https://www.avibroker.com/leaseavailability.asp

Sollte das so sein, wäre der Flieger quasi umsonst.

Faktisch: wohl ja. Auch wenn man die Entwicklung seit der Corona-Pandemie wahrscheinlich noch einpreisen muss. Das ist keine rein wirtschaftliche Angelegenheit, dahinter steht die erklärte Politik Putins, die hier von der russischen Regierung umgesetzt wird:

- Förderung der nach dem Ende der Sowjetunion weitgehend zusammengebrochenen russischen Flugzeugbau-Industrie durch staatlich verordnete Übernahmen von Flugzeugen aus russischer Produktion durch russische Airlines.
- Dadurch gleichzeitig insbesondere Förderung der beiden Prestige-Projekte, des 'Superjets' und der 'Irkut'.
- Dadurch gleichzeitig Reduktion der Abhängigkeit der russischen Luftverkehrswirtschaft, vor allem der den Inlandsverkehr in dem Riesenreich bedienenden Airlines von 'westlichen' Herstellern (vor allem Airbus und Boeing, aber in geringerem Umfang auch ATR) und damit Reduktion der Wirksamkeit potentieller westlicher Sanktionen - der Iran mit seiner Abhängigkeit von 'westlichen' Herstellern und damit vor allem von der US-Politik mit seiner in der Folge hoffnungslos überalternden Luftflotte als warnendes Beispiel.

Entsprechend werden dann von der russischen Regierung auch alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, die vor fünf Jahren für eine Red Wings noch unüberwindbar waren:
- Leasingraten zu teuer? Kein Problem, sie werden auf ein bezahlbares Niveau gesenkt.
- Finanzielle Probleme der Airline? Macht nichts, es gibt sehr günstige Kredite und Zuschüsse.
- Schulungskosten und Ersatzteilmangel? Kein Problem. Die Regierung bezahlt die Schulungskosten und stellt entsprechende Ersatzteildepots samt Technikern zur Verfügung.
- Die (vor allem Inlands-)Flugrouten der Airline sind mit dem verordneten russischen Fluggerät wirtschaftlich nicht zu betreiben? Kein Problem. Die Regierung subventioniert die entstehenden Defizite.

So hat das bereits zu Zeiten der Sowjetunion funktioniert und so soll es nun auch wieder funktionieren. Die Umstrukturierung der Aeroflot-Gruppe mit der Umrüstung der für den russischen Inlandsflugverkehr zentral vorgesehenen 'Rossiya' auf rein russisches Fluggerät machte den Anfang. Es folgte die Ankündigung entsprechender Flottenumrüstungen und Neustrukturierungen bei drei ostsibirischen Regionalairlines (Ostsibirien ist vor allem durch seine reichen Bodenschätze von volkswirtschaftlicher Bedeutung für Russland), die in diesem Teil Russlands von zentraler infrastruktureller Bedeutung sind (Yakutia, Polar, Aurora). Jetzt folgt Red Wings, bei der die Regierung durch die seit ein paar Jahren neue Eigentümerstruktur einen einfachen Zugriff hatte und die in Russland die wichtigste Charterfluggesellschaft ist.

Es kann damit gerechnet werden, dass als nächstes die drei weiteren großen russischen Linienfluggesellschaften 'in Angriff' genommen und im Sinne des 'Systems Putin' neu ausgerichtet werden. Also S7, Ural und Utair.


Dieser Beitrag wurde am 16.09.2020 09:25 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 16.09.2020 - 11:35 Uhr
UserRunway
User (2671 Beiträge)
So hat das bereits zu Zeiten der Sowjetunion funktioniert und so soll es nun auch wieder funktionieren.

Sehr treffender Artikel.

Russland hat die Umstellung auf Marktwirtschaft noch nicht wirklich vollzogen. Die Bodenschätze reichen gerade so um alles in etwa am laufen zu halten. Dabei wird viel vom Staat viel Geld uneffektiv verschleudert. Siehe besonders auch Luftfahrt.

Der Staat kann es nicht richtig und an Wirtschaftsfachleuten auf breiter Front fehlt es durch die lange Sowjetwirtschaft. Wenn es sie doch gibt werden sie oft eher ausgebremst. Die wenigen superreichen Oligarchen sind dafür kein Ersatz.
Beitrag vom 16.09.2020 - 12:23 Uhr
UserNicci72
User (386 Beiträge)
So hat das bereits zu Zeiten der Sowjetunion funktioniert und so soll es nun auch wieder funktionieren.

Sehr treffender Artikel.

Russland hat die Umstellung auf Marktwirtschaft noch nicht wirklich vollzogen. Die Bodenschätze reichen gerade so um alles in etwa am laufen zu halten. Dabei wird viel vom Staat viel Geld uneffektiv verschleudert. Siehe besonders auch Luftfahrt.

Der Staat kann es nicht richtig und an Wirtschaftsfachleuten auf breiter Front fehlt es durch die lange Sowjetwirtschaft. Wenn es sie doch gibt werden sie oft eher ausgebremst. Die wenigen superreichen Oligarchen sind dafür kein Ersatz.

Oligarchen ist ein gutes Stichwort. Red Wings gehörte zum Imperium des Oligarchen Alexander Lebedew, der zeitweise auch Bürgermeister von Moskau war. Als Lebedew an höchster Stelle in Ungnade fiel, weil er Nawalny unterstützte (genau den) und zusammen mit Gorbatschow die Gründung einer neuen Partei ventilierte (zu der es dann nicht gekommen ist), wurde er, wie üblich in solchen Fällen, auch seines in Russland befindlichen Vermögens entledigt, zu dem eben auch Red Wings gehörte. Die Airline wurde dann von der Finanzbeteiligungsgesellschaft von Ilyushin übernommen, die zum staatlichen Cluster an russischen Flugzeugherstellern zählen. Seither ist Red Wings, wenn auch mittelbar, Staatsairline. Zu Lebedews Zeiten hatte Red Wings zunächst die TU-204 in ihrer Flotte und wechselte dann zu Airbus. Die zwischenzeitlich daneben geleasten Superjets mussten nach nur einem Jahr an die Leasinggeber zurückgegeben werden, weil in der Endphase von Lebedew die Leasingraten nicht mehr bezahlt werden konnten. Über etwa 15 Maschinen ist die Flotte von Red Wings unter Lebedew denn auch nie hinausgekommen (womit sie aber trotzdem wie erwähnt der größte Charter-Carrier Russlands sind, mit wichtigen Urlaubsdestinationen im Portfolio wie z.B. nach Sotchi, aber seit 2015 auch auf die annektierte Krim und mit einer Reihe von anderen russischen Inlandsverbindungen, dann auch in die Türkei, etwa nach Antalya). Nun, da Red Wings erfolgreich in das "System Putin" eingegliedert wurde, soll die Airline also mit 60 (!) Superjets aufgepumpt werden (seinerzeit hatte die Airline gerade einmal fünf!).
Mit rein wirtschaftlichen Erwägungen im Zeitalter von Corona hat das natürlich auch nicht viel zu tun.

Mehr noch: Mit Marktwirtschaft hat das alles insgesamt natürlich nicht viel zu tun und nach "westlichen" Maßstäben wird hier natürlich uneffektiv Geld verschleudert. Allerdings galten in Russland schon immer andere Maßstäbe und nach diesen wird das Geld sehr effektiv angelegt - nämlich in den Machterhalt des "Natschalniks" an der Staatsspitze (ein schwer ins Deutsche zu übersetzender Begriff) und des ihn tragenden Systems.

Dieser Beitrag wurde am 16.09.2020 12:37 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 16.09.2020 - 21:54 Uhr
UserPLANEtruth
FQTV ex SEN CC-Lover
User (507 Beiträge)
Auch Azimuth Airlines baut komplett auf eine Fotte aus Superjets!
Damit wurde bereits 2019 als einziger nonstop Flug zwischen Muenchen und Krasnodar (einer der wichtigsten Staedte in Suedrussland) und diese Airline ist super zufrieden mit deren Flotte wie man lesen konnte.
Inlandsfluege in Russland werden ja vom Staat subventioniert wenn es sich um Einzelstrecken handelt somit bekommen diese Gesellschaften bestimmt auch gute Preise fuer Russische Flieger!
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