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Beitrag vom 26.01.2021 - 09:57 Uhr
Usercontrail55
User (2277 Beiträge)
Dass Piloten Bashing - insbesondere von irgendwelchen Wannabees - immer gut geht, ist ja nichts neues. Endlich kann man den blöden Piloten mal eins drauf geben, sie sind ja so gemein und so gierig.

All das geht am Kern vorbei. Was Herr Jacobi uns allen aus vermutlich gutem Grund erspart hat, ist der Weg wie es zu dem Umstand gekommen ist, dass die Piloten sich seit Dezember nicht mehr an den Gehaltsreduzierungen beteiligen. dazu verdreht er wissentlich oder nicht ein paar wenige aber wesentliche Tatsachen: Jacobi sagt:

"Die Piloten aber haben gesagt: "Das kommt für uns nicht in Frage, wir beteiligen uns nicht an Kurzarbeit und verzichten mit Blick auf Kurzarbeit auf nichts"

Das ist glatt gelogen. Die VC hat für ihre Piloten einen 20% Gehaltscut vereinbart. Diese Vereinbarung ist bis November 2020 gültig gewesen. Auf Nachfrage von Tui, ob man den Vertrag verlängern könne, hat die VC darum gebeten, das mit weiteren Verhandlungen zur Restrukturierung zu verknüpfen. Ohne darauf zu Antworten hat sich die Tui GF dann drei Tage im Internen Mailing über die Piloten beschwert, dass sie ihren Anteil nicht beitragen wollen.

Außerdem hat die Personalvertretung - der Betriebsrat der Piloten - sich den Gesprächen nicht feige verweigert wie Jacobi behauptet, sondern musste die Verhandlungen an die Tarifkommission abgeben, da die Personalvertretung nicht über Tarifthemen verhandeln darf. Das hat mit den rechtlichen Besonderheiten zu tun, die beim fliegenden Volk anders als im Betriebsverfassungsrecht geregelt sind.
Das dürfte aber so nicht ganz richtig sein. Kurzarbeit ist ein BR, und damit PV, Thema, denn es ist kein Tarifthema. Es sei denn, man verknüpft Beides miteinander. Das dürfte das Kernproblem sein, siehe LH. Es wird versucht, aktuelle Sparmaßnahmen mit perspektivischen Maßnahmen zu verknüpfen. Das ist natürlich komplizierter und dauert somit länger. In der Zwischenzeit sind andere Bereiche schon im Spar/KA Modus und man schaut auf die Gruppe, die da noch nicht ist. Es ist natürlich deren gutes Recht, so zu verhandeln wie es in die eigne Bedürfnisslage passt, allerdings muss man dann auch aushlaten, wenn andere Gruppen oder deren Vertretungen da eine eigenen Blick drauf haben. Das immer gleich mit Piloten Bashing zu verknüpfen macht es nicht besser und man macht es sich damit zu leicht. Wenn man der Gegenseite vorwirft sie wäre pauschal und nicht differenziert genug, dann muss man diesen Ansprüchen auch selbst genügen. Völlig unabhängig davon, was hier jetzt von welcher Seite genau stimmt oder nicht.

Was ich persönlich nicht verstehe ist die Tatsache, dass die Presse unisono genau die gleichen Behauptungen voneinander abschreibt, ohne mal ein wenig Recherche zu betreiben. Aber wie schon geschrieben: Piloten Bashing geht immer und die neidischen Wannabees freuen sich, dass die Gierlappen aus den Cockpits ihre Arroganz endlich mal heimgezahlt bekommen...
Na ja, das ist eine Agenturmeldung, die man übernimmt. Investigativer Journalismus, hier?
Die Frage "Qui Bono" muss hier erlaubt sein.... Warum stichelt der oberste Mitarbeitervertreter gegen eine Berufsgruppe ohne sich selbst für die auch betroffenen Mitarbeiter am Boden oder in der Kabine einzusetzen?
Gute Frage! Könnte man auch der VC stellen wenn sie veröffentlicht Gehaltsverzicht von bis zu 50% und nicht im Schnitt von x% schreibt ;-) So ist das in der Politik.

Ein Schelm wer böses dabei denkt...
Eben
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