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Beitrag vom 21.01.2020 - 22:53 Uhr
UserReal Dreamliner
"Konstrukteur"
User (289 Beiträge)
M. E. nach wird das auch im Juni nicht mehr stattfinden. Anfangs war ich ja der Meinung, dass Boeing sich nur eine "Nachlässigkeit" zu Schulden hat kommen lassen.

Mittlerweile sind mir zu viel Missstände über die Qualität und Architektur der MAX, das getriebene Engineering und die Zulassungsbedingungen bekannt geworden um an eine schnelle und günstige Aufhebung des Flugverbots zu glauben.

Ich sehe für Boeing nur noch eine Neuzertifizierung samt umfänglicher Nach- oder Umrüstung als den einzig möglichen Weg, um die 800 bereits produzierten Flugzeuge glaubwürdig und gewinnbringend wieder in die Luft zu bekommen.

- Eine Rücknahme der 400 bisher ausgelieferten und die Verschrottung aller 800 produzierten MAX wird Boeing ohne Chapter 11 nicht bewältigen, zumal ein Nachfolger weder in Sicht, geschweige denn entwickelt ist.

- Eine Neuauflage der NG Serie ist zwar technisch möglich, der Kundenkreis dürte aber eher überschaubar bleiben. Wer kauft schon die "zweitbeste" Lösung, es sei denn, die Preisnachlässe wären signifikant.

So oder so: Boeing hat einen langen und schmerzhaften Weg vor sich.

Ich hoffe, daß Airbus aus dem Boeing-Drama proaktiv lernt und nicht die Boeing Fehler wiederholt.

Prio 1: Baue ein gutes, sicheres und zuverlässiges Flugzeug.
Prio 2: Achte auf deinen Mitarbieterstamm, halte qualifizierte Leute und sorge dafür, das sie ihr Bestes geben wollen - und auch können.
Prio 3: Sorge bei deinen Führungskräften für einen Ausgleich zwischen Wirtschaftlichkeit und technischem Anspruch.

Der Shareholder Value sollte bei Beherzigung dieser einfachen Grundsätze von alleine gegeben sein.


Dieser Beitrag wurde am 21.01.2020 22:58 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.01.2020 - 23:11 Uhr
Userein_thueringer
User (36 Beiträge)
... "Grund sei auch die "rigorosen Prüfung" der Aufsichtsbehörden. ..."

Ach nee! Diese Aufsichtsbehörden aber auch ... ! Reine Schikane, vermute ich mal. Diese Aufsichtsbehörden haben sich gegen den ach so seriösen und gewissenhaft agierenden Flugzeugbauer Boeing verschworen.
Beitrag vom 21.01.2020 - 23:19 Uhr
Userein_thueringer
User (36 Beiträge)
@ Real Dreamliner

" - Eine Neuauflage der NG Serie ist zwar technisch möglich, der Kundenkreis dürte aber eher überschaubar bleiben. Wer kauft schon die "zweitbeste" Lösung, es sei denn, die Preisnachlässe wären signifikant."

Sie möchten damit aber nicht zum Ausdruck bringen, dass die MAX die "erstbeste" Lösung sei?


Dieser Beitrag wurde am 21.01.2020 23:21 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.01.2020 - 23:49 Uhr
UserMHalblaub
User (625 Beiträge)
Der Shareholder Value sollte bei Beherzigung dieser einfachen Grundsätze von alleine gegeben sein.

Das Problem ist nicht ein ominöser "Shareholder Value" sondern wie die Chefs bezahlt werden. Steigt der Aktionskurs bekommen sie mehr Geld. Das Problem sitzt hierbei nicht bei Boeing alleine sondern auch bei den Aktionären, die zum großen Teilen auch Gesellschaften sind, wo die Chefs nach ähnlichen Kriterien bezahlt werden. Es ist ein ziemlicher Sarkasmus an allen sonstigen Angestellten bei Boeing, dass das meist Pensionsfonds sind. Die Eltern beuten ihre Kinder aus.

Das Problem ist nicht, dass Chefs nach der Aktienentwicklung bezahlt werden sondern wie der Zeithorizont ist. Was in vielen Branchen funktioniert, geht nicht in einer Branche mit so langen Zyklen. 737 - Erstflug 1967. A320 - Erstflug 1987. Wieviele Modellvarianten eines Golfs haben wir da seit 1974 gesehen? Außer 4 Rädern hat der Golf 1 kaum noch etwas mit dem Golf 3 zu tun. Der A330neo hat immer noch den Rumpf des A300 von 1972.

Bei Boeing und den Hauptaktionären haben einige Chefs die Zitrone ausgequetscht und "Hasta la vista!".

Mit realistischen Zeitvorgaben und einer FAA mit politischer Unterstützung, wäre die MAX OK geworden. Die Politiker haben aber die FAA aufgrund von Boeings Lobbyarbeit kastriert und Boeing hat dann Monkeys ans Steuer gesetzt und Clowns anstatt Ingenieure angeheuert. Oh, ich vergaß. Wir haben ja auch nur noch Bacheles anstatt Ingenieure. Hauptsache einen schnellen Abschluss.

Beitrag vom 22.01.2020 - 03:51 Uhr
UserDavid Webb
User (228 Beiträge)
M. E. nach wird das auch im Juni nicht mehr stattfinden. Anfangs war ich ja der Meinung, dass Boeing sich nur eine "Nachlässigkeit" zu Schulden hat kommen lassen.

Eine Nachlässigkeit? Die zu 2 Abstürzen und 346 Toten führte...habe sie sich überhaupt mit der sache beschäftigt?
Wenn ihr Chef das liesst, sind sie ihren Job los;)
Ich empfehle die Boeing Brille abzusetzen.

Mittlerweile sind mir zu viel Missstände über die Qualität und Architektur der MAX, das getriebene Engineering und die Zulassungsbedingungen bekannt geworden um an eine schnelle und günstige Aufhebung des Flugverbots zu glauben.

Wirklich? Es ist viel bekannt geworden, doch auch vieles was einfach von Beginn an solide hätte ausgelegt werden müssen.

Ich sehe für Boeing nur noch eine Neuzertifizierung samt umfänglicher Nach- oder Umrüstung als den einzig möglichen Weg, um die 800 bereits produzierten Flugzeuge glaubwürdig und gewinnbringend wieder in die Luft zu bekommen.

Jetzt fallen sie ins andere extrem. Neuzertifizierung? Damit wäre die Max erledigt, Zertifizierung ist aufwendig und dauert. Gewinnbringend ist keine Messgröße aktuell, es geht v.a. um die Company selbst.

- Eine Rücknahme der 400 bisher ausgelieferten und die Verschrottung aller 800 produzierten MAX wird Boeing ohne Chapter 11 nicht bewältigen, zumal ein Nachfolger weder in Sicht, geschweige denn entwickelt ist.

Genau, alle brandneuen Flieger wandern auf den Schrott....wissen sie was sie da schreiben, haben sie sich wenigstens etwas mit der Sache beschäftigt?
- Eine Neuauflage der NG Serie ist zwar technisch möglich, der Kundenkreis dürte aber eher überschaubar bleiben. Wer kauft schon die "zweitbeste" Lösung, es sei denn, die Preisnachlässe wären signifikant.

Die Max ist eine Neuauflage der NG, was soll darüber hinaus passieren?
Boeing muss und wird die Max sicher zugelassen bekommen, es gibt keine andere Lösung.
Ansonsten ist Boeing einfach am Ende, wenn man im SA Markt nichts mehr zu melden hat.

Eine Neukonstruktion wird 6-7 Jahre dauern, die Airbus alleine verkauft, und das NG Upgrage ist die Max. Da kann man mit heutiger Technologie etc. nicht mehr rausholen.
Es ist die Max oder nix, anders geht es nicht für Boeing.

So oder so: Boeing hat einen langen und schmerzhaften Weg vor sich.

Ich hoffe, daß Airbus aus dem Boeing-Drama proaktiv lernt und nicht die Boeing Fehler wiederholt.

Prio 1: Baue ein gutes, sicheres und zuverlässiges Flugzeug.
Prio 2: Achte auf deinen Mitarbieterstamm, halte qualifizierte Leute und sorge dafür, das sie ihr Bestes geben wollen - und auch können.
Prio 3: Sorge bei deinen Führungskräften für einen Ausgleich zwischen Wirtschaftlichkeit und technischem Anspruch.

Der Shareholder Value sollte bei Beherzigung dieser einfachen Grundsätze von alleine gegeben sein.
Beitrag vom 22.01.2020 - 06:04 Uhr
Userdlehmann66
User (318 Beiträge)
Ich denke auch, dass die MAX wieder fliegen wird. Jetzt heisst es nur nach jeden Finding zurück auf Start und das sind sie wahrscheinlich nicht mehr gewohnt von der FAA.
Die Findings beim Aufarbeiten der ursprünglichen Zulassung der MAX haut da wahrscheinlich auch immer wieder neue Knüppel rein.
ABER wenn es kein Weg mehr für die MAX geben würde, denn auch die FAA bereit ist mit zu gehen, dann wüsten wir das schon und dann würde man sicher nicht mehr an einem toten Pferd rum schrauen. Dann würde Boeing in Chapter 11 gehen und anfangen am Nachfolger zu designen. Dann haben sie auch Ressourcen dazu.
Beitrag vom 22.01.2020 - 08:26 Uhr
Usercontrail55
User (1709 Beiträge)
Ui ui ui, steile Ideen hier.
Chapter 11 ist kein Wunschkonzert, genaus so wie eine Insolvenz. Dafür müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Boeing hatte 2019 138Mrd $ an Vermögen und die Schulden müssen das übersteigen um für C11 qualifiziert zu sein. Da ist noch Luft bei 20Mrd Kosten + X. Sie verdienen ja auch weiterhin Geld, haben nur bei EINEM Modell Ausfälle.

Auch wenn es länger dauert oder teurer wird, die werden die MAX zum Laufen bringen und dann läuft der Laden wieder, betriebswirtschaftlich. Unabhängig davon, wie sie sich sonst organisieren.
Beitrag vom 22.01.2020 - 09:02 Uhr
Userdlehmann66
User (318 Beiträge)
Wenn die MAX nie wieder fliegen wird, dann könnten die Kosten in den nächsten 7 Jahren weit über die Einnahmen gehen,da ja die gesamte Zeit die Cashflow fehlt und irgendwann Chapter 11 nötig sein. Die 10 Mrd Kredite gehen ja jetzt schon gegen die 138 Mrd.
Beitrag vom 22.01.2020 - 09:14 Uhr
UserYankeeZulu1
User (210 Beiträge)
@Real Dreamliner
erlauben Sie mir zwei kleine Anmerkungen:
Der von Boeing genannte Termin ist der frühest mögliche, den man argumentativ irgendwie noch unterlegen kann. Im Hause Boeing kämpft man vielfach "ums Überleben".
Bei Ihren drei Prios sollte bei Nr 1aus meiner Sicht ergänzt werden: sage nichts zu, was Du nicht sicher halten kannst, und erkläre dem Kunden sachlich, welche seiner Vorstellungen bzw Forderungen eben NICHT umgesetzt werden können, dies mit Begündung.
Hoffnungen wecken, die unerfüllt bleiben, erzeugen für sich gesehen schon genügend Trouble und verzögern oder verhindern eine künftig positive Entwicklung (das ist nicht Boeing-spezifisch, das sehe ich aus eigener Erfahrung für viele, wennnicht gar alle Branchen).
Beitrag vom 22.01.2020 - 09:32 Uhr
UserDavid Webb
User (228 Beiträge)
DIe Diskussion ist einfach unsinn.

In erster Linie geht es bei Boeing darum MCAS zu fixen, das vernünftig auszulegen und ohne ihre Kunden zu vergrätzen wieder in die Luft zu bekommen. Zuviel SIM und 2. Pool würden für Boeing eine Katastrophe sein, denn sie haben es ihren Kunden anders verkauft.

In zweiter Linie muss man den Laden aufräumen, damit sie wieder mit vernünftiger Planung sichere Flugzeuge bauen können. Das ist tief im Kern in der Kultur, etc. - alle Prozesse, Sicherheitseinstufungen, etc muss alles überprüft werden und neu aufgebaut werden.
Das ist ein Mamutprojekt.
Wahrscheinlich muss man wie VW eine komplette Generation an Managern ob ihrer Rolle in der MAX Entwicklung rauswerfen, dann die Company umbauen.

Das ist der eigentliche Job. Unter dem laufenden Betrieb die Firma von innen Abreißen und neu aufbauen.

Beitrag vom 22.01.2020 - 09:39 Uhr
UserReal Dreamliner
"Konstrukteur"
User (289 Beiträge)
@ Real Dreamliner

" - Eine Neuauflage der NG Serie ist zwar technisch möglich, der Kundenkreis dürte aber eher überschaubar bleiben. Wer kauft schon die "zweitbeste" Lösung, es sei denn, die Preisnachlässe wären signifikant."

Sie möchten damit aber nicht zum Ausdruck bringen, dass die MAX die "erstbeste" Lösung sei?


Naja, die MAX war als solche gedacht und wurde als solche verkauft. Aus Sicht der Kunden wäre die NG schon aus wirtschaftlicher Sicht ganz sicher die zweitbeste Lösung.
Beitrag vom 22.01.2020 - 10:09 Uhr
UserNicci72
User (336 Beiträge)
DIe Diskussion ist einfach unsinn.

In erster Linie geht es bei Boeing darum MCAS zu fixen, das vernünftig auszulegen und ohne ihre Kunden zu vergrätzen wieder in die Luft zu bekommen. Zuviel SIM und 2. Pool würden für Boeing eine Katastrophe sein, denn sie haben es ihren Kunden anders verkauft.

In zweiter Linie muss man den Laden aufräumen, damit sie wieder mit vernünftiger Planung sichere Flugzeuge bauen können. Das ist tief im Kern in der Kultur, etc. - alle Prozesse, Sicherheitseinstufungen, etc muss alles überprüft werden und neu aufgebaut werden.
Das ist ein Mamutprojekt.
Wahrscheinlich muss man wie VW eine komplette Generation an Managern ob ihrer Rolle in der MAX Entwicklung rauswerfen, dann die Company umbauen.

Das ist der eigentliche Job. Unter dem laufenden Betrieb die Firma von innen Abreißen und neu aufbauen.


Naja, ob es da noch "in erster Linie darum geht MCAS zu fixen" weiß hier wohl niemand, weil der technische Stand der Dinge hinter den Kulissen bisher nirgendwo publiziert wurde. Man darf es inzwischen aber mit Gründen bezweifeln:

1.) "MCAS zu fixen", daran arbeitet man bei Boeing nun seit Ende Oktober 2018 - ja, 2018! Ich habe noch die ganzen Pressemeldungen vor Augen, die von Boeing rausgeschickt wurden seit dem Lion-Air-Absturz und dann auch nach dem Ethiopian-Absturz und bei denen es immer hieß, die Software sei jetzt so gut wie upgedated und die Wiederzulassung stehe damit unmittelbar bevor. Bis dann das Thema "MCAS-fixing by a software-update" irgendwann im Sommer 2019 stillschweigend aus den Pressemitteilungen von Boeing verschwand und seither auch nicht wieder aufgetaucht ist.

2.) Was so im Laufe des vergangenen Jahres Stück für Stück über die Konstruktionsprobleme und -mängel des Modells und den Umgang des Top-Managements von Boeing mit internen Warnungen von Testpiloten und Ingenieuren ans Tageslicht kam, hat sich über weite Strecken nach wesentlich mehr und wesentlich schwierigeren "Fixing"-Bedarfen als "nur" "fixing the MCAS" gelesen. Das Nähere können Sie relativ leicht unter "Seattle Times/ Boeing" und "Mark Forkner" googeln. Es ist für jede(n), die oder der die Luftfahrt liebt, keine schöne Lektüre. Der Inhalt dieses Artikels hier schließt sich daran nahtlos an.

3.) Alles, was man im Laufe des Jahres 2019 von FAA und EASA zum Thema zu hören und zu lesen bekam, lässt nicht darauf schließen, dass dort das Problem mit dem MCAS als einzige "Baustelle" der Wiederzulassung angesehen wird. Die öffentliche Kritik der FAA an Boeing vom November 2019 war derart harsch wie ich das von einer US-amerikanischen Behörde gegenüber Boeing noch nie zuvor gehört oder gelesen habe - und nur wenige Wochen später, quasi als Weihnachtsgeschenk, wurde dann der Boeing-CEO Muilenburg vorzeitig verabschiedet und auch sonst öffentlich zurückgerudert. So empfiehlt jetzt auch Boeing eine eigene Schulung von MAX-Piloten im Simulator, was sie zuvor unbedingt vermeiden wollten und was eines der Haupt-Verkaufsargumente war.

Wie Sie ja auch so schön schreiben: "Das ist der eigentliche Job. Unter dem laufenden Betrieb die Firma von innen abreißen und neu aufbauen." Das ist aber extrem viel mehr als nur "fixing the MCAS".

Und deshalb ist die Diskussion hier in diesem Forum auch kein Unsinn.
Beitrag vom 22.01.2020 - 10:17 Uhr
UserReal Dreamliner
"Konstrukteur"
User (289 Beiträge)
M. E. nach wird das auch im Juni nicht mehr stattfinden. Anfangs war ich ja der Meinung, dass Boeing sich nur eine "Nachlässigkeit" zu Schulden hat kommen lassen.

Eine Nachlässigkeit? Die zu 2 Abstürzen und 346 Toten führte...habe sie sich überhaupt mit der sache beschäftigt?
Wenn ihr Chef das liesst, sind sie ihren Job los;)
Ich empfehle die Boeing Brille abzusetzen.
>
Ich hatte die Brille zwar nie auf, aber danke für den Tipp. Wie geschrieben, Anfangs war ich noch der Meinung, dass hier eine "Nachlässigkeit" vorliegen könnte. Da kannten wir alle nicht im Ansatz das, was heute an Betrügereien bekannt ist. Ich gehe heute von schwerem Betrug mit vielfacher Todesfolge aus.

Mittlerweile sind mir zu viel Missstände über die Qualität und Architektur der MAX, das getriebene Engineering und die Zulassungsbedingungen bekannt geworden um an eine schnelle und günstige Aufhebung des Flugverbots zu glauben.

Wirklich? Es ist viel bekannt geworden, doch auch vieles was einfach von Beginn an solide hätte ausgelegt werden müssen.
Richtig.


Ich sehe für Boeing nur noch eine Neuzertifizierung samt umfänglicher Nach- oder Umrüstung als den einzig möglichen Weg, um die 800 bereits produzierten Flugzeuge glaubwürdig und gewinnbringend wieder in die Luft zu bekommen.

Jetzt fallen sie ins andere extrem. Neuzertifizierung? Damit wäre die Max erledigt, Zertifizierung ist aufwendig und dauert. Gewinnbringend ist keine Messgröße aktuell, es geht v.a. um die Company selbst.

Das wissen wir nicht. Wir wissen noch nicht einmal, ob Boeing schon alles weiß oder wissen will ;)
Wir kennen keine Lösung, wir kennen auch nicht mögliche Einschränkungen was die Bordrechner betrifft.
Eines erscheint mir aber als gegeben: Ein kleines Software Update oder ein pures Abschalten von MCAS sind ganz offensichtlich nicht ausreichend, sonst wäre die Kiste schon wieder in der Luft.

- Eine Rücknahme der 400 bisher ausgelieferten und die Verschrottung aller 800 produzierten MAX wird Boeing ohne Chapter 11 nicht bewältigen, zumal ein Nachfolger weder in Sicht, geschweige denn entwickelt ist.

Genau, alle brandneuen Flieger wandern auf den Schrott....wissen sie was sie da schreiben, haben sie sich wenigstens etwas mit der Sache beschäftigt?

Ja, ich weiß, wovon ich schreibe. Mir ist klar, dass das horrende Kosten verursachen wird. Das kann für Boeing eine existenzielle Bedrohung darstellen. Deswegen mein Eingangspost...

- Eine Neuauflage der NG Serie ist zwar technisch möglich, der Kundenkreis dürte aber eher überschaubar bleiben. Wer kauft schon die "zweitbeste" Lösung, es sei denn, die Preisnachlässe wären signifikant.

Die Max ist eine Neuauflage der NG, was soll darüber hinaus passieren?
Boeing muss und wird die Max sicher zugelassen bekommen, es gibt keine andere Lösung.
Ansonsten ist Boeing einfach am Ende, wenn man im SA Markt nichts mehr zu melden hat.

Die MAX ist die Weiterentwicklung der NG. Eine Neuauflage wäre, die NG wieder in Produktion zu nehmen um überhaupt einen Narrowbody verkaufen zu können (siehe zweitbeste Lösung).
Ob Boeing die MAX nochmal zugelassen bekommt wird sich zeigen. Wir wissen zu wenige Details, wir kennen keinen Zwischenstand der Rezertifizierung.
Über den für Boeing entstehenden Schaden bei einer Nichtzulassung brauchen wir nicht zu streiten.

Eine Neukonstruktion wird 6-7 Jahre dauern, die Airbus alleine verkauft, und das NG Upgrage ist die Max. Da kann man mit heutiger Technologie etc. nicht mehr rausholen.
Es ist die Max oder nix, anders geht es nicht für Boeing.

Das mag sein, für Boeing und die Zulassungsbehörden steht bei der 737 aber jetzt MAXimale sicherheit auf dem Programm. Das Wohl Boeings ist auf der Prioritätenliste der FAA etwas nach hinten gerutscht.


So oder so: Boeing hat einen langen und schmerzhaften Weg vor sich.

Ich hoffe, daß Airbus aus dem Boeing-Drama proaktiv lernt und nicht die Boeing Fehler wiederholt.

Prio 1: Baue ein gutes, sicheres und zuverlässiges Flugzeug.
Prio 2: Achte auf deinen Mitarbieterstamm, halte qualifizierte Leute und sorge dafür, das sie ihr Bestes geben wollen - und auch können.
Prio 3: Sorge bei deinen Führungskräften für einen Ausgleich zwischen Wirtschaftlichkeit und technischem Anspruch.

Der Shareholder Value sollte bei Beherzigung dieser einfachen Grundsätze von alleine gegeben sein.


Dieser Beitrag wurde am 22.01.2020 10:24 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 22.01.2020 - 10:38 Uhr
UserNicci72
User (336 Beiträge)
Ui ui ui, steile Ideen hier.
Chapter 11 ist kein Wunschkonzert, genaus so wie eine Insolvenz. Dafür müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Boeing hatte 2019 138Mrd $ an Vermögen und die Schulden müssen das übersteigen um für C11 qualifiziert zu sein. Da ist noch Luft bei 20Mrd Kosten + X. Sie verdienen ja auch weiterhin Geld, haben nur bei EINEM Modell Ausfälle.

Auch wenn es länger dauert oder teurer wird, die werden die MAX zum Laufen bringen und dann läuft der Laden wieder, betriebswirtschaftlich. Unabhängig davon, wie sie sich sonst organisieren.

Nun ja, die 737 ist für Boeing nicht EIN Modell, es ist DAS "Brot- und Butter"-Modell von Boeing. Die NG-Serie ist 2019 ausgelaufen (von einigen wenigen Maschinen für das Militär abgesehen), die Nachfolge-Serie MAX gegroundet. Man stelle sich die A 320-Familie von Airbus mit einer ausgelaufenen CEO-Serie und auf noch unabsehbare Zeit gegroundeten NEOs vor - da würde dann auch niemand, der ernst genommen werden will, sagen: Was soll´s, ist ja bloß EIN Modell.

Zu den weiteren Modellen von Boeing: Bei der "Triple Seven" hat Boeing derzeit auch nicht unerhebliche Probleme, der "Dreamliner" läuft inzwischen zwar sehr gut und verkauft sich hervorragend, ist aber noch weit davon entfernt, sich amortisiert zu haben, von der 767 wird jedenfalls im Augenblick nur noch die Frachter-Version verkauft und von der 747 durchschnittlich sechs Exemplare pro Jahr. Auch bei den Militärfrachtern gab es erhebliche Unstimmigkeiten mit der US Air Force. Zu seinem Glück hat Boeing die brasilianische Embraer gekauft, mit deren Regionaljets läuft es derzeit wirklich gut, wenn auch nicht so gut wie die C-Series, die jetzt unter dem Markennamen A 220 fliegen

Ich will Boeing wirklich nichts Böses, aber in der Zusammenschau liest sich das insgesamt sehr unbefriedigend für Boeing. Boeing ist derzeit ernsthaft in der Krise. Inzwischen bestreitet auch Boeing selbst das nicht mehr.

So von außen gesehen würde ich angesichts der bekannten Vermögenswerte - Stand heute - natürlich auch sagen, dass Boeing eines der wenigen Unternehmen weltweit ist, die finanzielle Verluste in der zu avisierenden Größenordnung ohne Insolvenzgefahr tragen können. Allerdings habe ich weder Einblick in den aktuellen Cash-Flow von Boeing noch in die Summe seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten und kenne auch die laufende GuV-Rechnung nicht - also Kennzahlen und Daten, die wichtig sind, um wirklich valide etwas über die aktuelle Liquidität des Unternehmens sagen zu können.


Dieser Beitrag wurde am 22.01.2020 11:07 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 22.01.2020 - 11:02 Uhr
UserNicci72
User (336 Beiträge)
M. E. nach wird das auch im Juni nicht mehr stattfinden. Anfangs war ich ja der Meinung, dass Boeing sich nur eine "Nachlässigkeit" zu Schulden hat kommen lassen.

Eine Nachlässigkeit? Die zu 2 Abstürzen und 346 Toten führte...habe sie sich überhaupt mit der sache beschäftigt?
Wenn ihr Chef das liesst, sind sie ihren Job los;)
Ich empfehle die Boeing Brille abzusetzen.
>
Ich hatte die Brille zwar nie auf, aber danke für den Tipp. Wie geschrieben, Anfangs war ich noch der Meinung, dass hier eine "Nachlässigkeit" vorliegen könnte. Da kannten wir alle nicht im Ansatz das, was heute an Betrügereien bekannt ist. Ich gehe heute von schwerem Betrug mit vielfacher Todesfolge aus.

Mittlerweile sind mir zu viel Missstände über die Qualität und Architektur der MAX, das getriebene Engineering und die Zulassungsbedingungen bekannt geworden um an eine schnelle und günstige Aufhebung des Flugverbots zu glauben.

Wirklich? Es ist viel bekannt geworden, doch auch vieles was einfach von Beginn an solide hätte ausgelegt werden müssen.
Richtig.


Ich sehe für Boeing nur noch eine Neuzertifizierung samt umfänglicher Nach- oder Umrüstung als den einzig möglichen Weg, um die 800 bereits produzierten Flugzeuge glaubwürdig und gewinnbringend wieder in die Luft zu bekommen.

Jetzt fallen sie ins andere extrem. Neuzertifizierung? Damit wäre die Max erledigt, Zertifizierung ist aufwendig und dauert. Gewinnbringend ist keine Messgröße aktuell, es geht v.a. um die Company selbst.

Das wissen wir nicht. Wir wissen noch nicht einmal, ob Boeing schon alles weiß oder wissen will ;)
Wir kennen keine Lösung, wir kennen auch nicht mögliche Einschränkungen was die Bordrechner betrifft.
Eines erscheint mir aber als gegeben: Ein kleines Software Update oder ein pures Abschalten von MCAS sind ganz offensichtlich nicht ausreichend, sonst wäre die Kiste schon wieder in der Luft.

- Eine Rücknahme der 400 bisher ausgelieferten und die Verschrottung aller 800 produzierten MAX wird Boeing ohne Chapter 11 nicht bewältigen, zumal ein Nachfolger weder in Sicht, geschweige denn entwickelt ist.

Genau, alle brandneuen Flieger wandern auf den Schrott....wissen sie was sie da schreiben, haben sie sich wenigstens etwas mit der Sache beschäftigt?

Ja, ich weiß, wovon ich schreibe. Mir ist klar, dass das horrende Kosten verursachen wird. Das kann für Boeing eine existenzielle Bedrohung darstellen. Deswegen mein Eingangspost...

- Eine Neuauflage der NG Serie ist zwar technisch möglich, der Kundenkreis dürte aber eher überschaubar bleiben. Wer kauft schon die "zweitbeste" Lösung, es sei denn, die Preisnachlässe wären signifikant.

Die Max ist eine Neuauflage der NG, was soll darüber hinaus passieren?
Boeing muss und wird die Max sicher zugelassen bekommen, es gibt keine andere Lösung.
Ansonsten ist Boeing einfach am Ende, wenn man im SA Markt nichts mehr zu melden hat.

Die MAX ist die Weiterentwicklung der NG. Eine Neuauflage wäre, die NG wieder in Produktion zu nehmen um überhaupt einen Narrowbody verkaufen zu können (siehe zweitbeste Lösung).
Ob Boeing die MAX nochmal zugelassen bekommt wird sich zeigen. Wir wissen zu wenige Details, wir kennen keinen Zwischenstand der Rezertifizierung.
Über den für Boeing entstehenden Schaden bei einer Nichtzulassung brauchen wir nicht zu streiten.

Eine Neukonstruktion wird 6-7 Jahre dauern, die Airbus alleine verkauft, und das NG Upgrage ist die Max. Da kann man mit heutiger Technologie etc. nicht mehr rausholen.
Es ist die Max oder nix, anders geht es nicht für Boeing.

Das mag sein, für Boeing und die Zulassungsbehörden steht bei der 737 aber jetzt MAXimale sicherheit auf dem Programm. Das Wohl Boeings ist auf der Prioritätenliste der FAA etwas nach hinten gerutscht.


So oder so: Boeing hat einen langen und schmerzhaften Weg vor sich.

Ich hoffe, daß Airbus aus dem Boeing-Drama proaktiv lernt und nicht die Boeing Fehler wiederholt.

Prio 1: Baue ein gutes, sicheres und zuverlässiges Flugzeug.
Prio 2: Achte auf deinen Mitarbieterstamm, halte qualifizierte Leute und sorge dafür, das sie ihr Bestes geben wollen - und auch können.
Prio 3: Sorge bei deinen Führungskräften für einen Ausgleich zwischen Wirtschaftlichkeit und technischem Anspruch.

Der Shareholder Value sollte bei Beherzigung dieser einfachen Grundsätze von alleine gegeben sein.


Danke für Ihre ausführliche Antwort, ich kann mich dem nur anschließen. Ich muss gestehen, ich ärgere mich im Nachhinein über mich: Ich habe Boeing mit seiner Philosophie, den Piloten etwas zuzutrauen, Airbus mit seiner Fly-by-Wire-Technologie immer vorgezogen, auch wenn ich hier in Hamburg Airbus sozusagen vor der Haustür habe; bei den Widebodies war Boeing Airbus immer voraus und bei den Frachtflugzeugen hat Airbus bis heute nichts wirklich Nennenswertes zustande gebracht und kann nicht einmal mit Antonow mithalten. Nach dem Lion-Air-Absturz habe ich Boeing das mit dem problemlosen Software-Update, das bereits in Arbeit sei und in Kürze installiert werde, deshalb so in aller Naivität abgekauft und mich lediglich etwas über die vermeintliche Schludrigkeit gewundert, das MCAS offenbar nicht im Handbuch zu erwähnen. Ich habe auch immer noch den alten Slogan im Ohr: "If it´s not Boeing, I ain´t going." Das war noch 2018. Aber man macht halt seine Lebenserfahrungen - auch wenn es Lebenserfahrungen sind, auf die man sehr gerne verzichten würde.
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