Verkehrsrechte
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Hahnenkampf: Austrian versus Emirates

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Austrian 767 with Winglets, © Gerhard Vysocan, Edition Airside
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Emirates Boeing 777-300ER, © Ingo Lang, edition airside

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WIEN -  Nächste Woche geht es in Dubai in die nächste Verhandlungsrunde um die Verkehrsrechte zwischen den Vereinigten Emiraten und Österreich. Im Vorfeld bringen sich die Parteien in Stellung, allen voran die betroffenen Airlines. Während sich Emirates per Studie mit einer enormen Wertschöpfung für Österreich ins Spiel bringt, machte der Betriebsrat der AUA im Wiener Café Landtmann vor Journalisten Stimmung gegen den Verlust von AUA-Passagieren via Dubai und damit von Arbeitsplätzen in Wien.

Wie berichtet hält Emirates für ihren zweiten Wien-Dubai Flug nur temporäre Verkehrsrechte bis zum Ende des Sommerflugplans. Austrian besteht auf Wahrung adäquater Wettbewerbsbedingungen, die in den Landerechten verbindlich geregelt sein müssen. Dies sei gegenwärtig nicht der Fall, klagte der AUA-Vorstand zuletzt gestern auf der Präsentation der Halbjahresbilanz.

Die Wahl der 'Kampfmittel' könnte kaum ungleicher sein. So argumentiert Emirates, ihre derzeit 13 wöchentlichen Flüge nach Wien würden in Österreich rund 5.000 Arbeitsplätze und Wirtschaftaktivitäten von jährlich 104 Mio Euro generieren. Imposant auch die Effekte für den heimischen Tourismus: Gäste aus den Emiraten würden rund 337 Mio Euro in Österreich lassen, und damit einen Steuerbeitrag von 35 Mio Euro leisten.

Im Gegensatz dazu erbarmt sich der AUA-Betriebsrat der Emirates-Mitarbeiter. Auf einer Pressekonferenz am Freitag prangert Bodenbetriebsrat Alfred Junghans die Arbeitsbedingungen in Dubai an: Gehälter für das Bodenpersonal rund um die 60  Euro, und kaum Arbeitnehmer- und Mitspracherechte würden dort Arbeitsverhältnisse schaffen, die europäischen Standards Hohn sprechen. Dazu kämen staatliche Subventionen in Form billiger Kredite beim Ankauf von Flugzeugen, billiger Sprit und ein konzertiertes Management zwischen Staat und Airline, die der Airline 'unfaire' Wettbewerbsvorteile verschaffen.

So befürchtet die AUA, dass ihr Emirates durch beharrlichen Ausbau ihrer Transferkapazität über den Preis mehr und mehr Langstreckenpassagiere nach Asien absaugt und ihr so diesen vitalen Zukunftsmarkt ruiniert.

Diese Befürchtung sei völlig unbegründet, reagiert die Golfairline. Emirates bediene 53 Ziele, die nicht direkt von Austrian oder einem anderen Carrier angeboten werden. Fast 80 Prozent des Emirates Anschlussverkehrs entstamme Märkten, die nicht direkt von Austrian Airlines angeflogen werden. Austrian Airlines bietet ab Wien einzig sechs Destinationen an, die auch mit Emirates via Dubai zu erreichen sind. Auf diesen Strecken hält Austrian Airlines bzw. die Lufthansa Gruppe eine dominante Marktposition mit einem Marktanteil von 64 Prozent, Emirates hingegen nur 6 Prozent.

Emirates Österreich-Chef Martin Gross nannte Medien gegenüber auch konkrete Zahlen. Demnach bietet Austrian auf ihrem täglichen Boeing 777 Flug nach Bangkok jährlich rund 110.000 Sitze an. Mit Emirates seien letztes Jahr ab Wien genau 1.707 Passagiere über Dubai nach Bangkok geflogen. Nach Mumbai bietet Austrian rund 65.000 Sitze im Jahr an, dagegen flogen dorthin im Vorjahr ab Österreich gerade mal 271 Fluggäste mit Emirates.

Im Vergleich zum Nutzen für die heimische Wirtschaft stünde der Wettbewerb auf den Asienstrecken in keinem Verhältnis. "Das Ergebnis der Studie ist eindeutig", erklärt Dr. Martin Schumacher, Geschäftsführer der con.os tourismus.consulting GmbH (Linz), die diese Studie mit Daten der Austria Statistik, Emirates und dem österreichischen Fremdenverkehrsamt erstellt hat. "Das Engagement von Emirates wirkt sich sehr positiv auf die Wirtschaft in Österreich aus. Nicht nur die Schaffung von 5.100 Vollzeit-Arbeitsplätzen, auch die Investitionen von Emirates in die Destination Österreich zeigen, welch wichtigen Beitrag die Fluglinie für die heimische Wirtschaft leistet. So rückt Wien dank des weltweiten Emirates-Netzwerkes und der guten Anschlüsse mehr in den Mittelpunkt. Emirates kurbelt damit die lokale sowie internationale Wirtschaft an und wertet den Standort Österreich enorm auf," so Schumacher.

Aufgewertet wird durch die expansive Standortpolitik der Emirate freilich vor allem das Weltdrehkreuz Dubai. So will Dubai bis 2030 zum größten Transitzentrum der Welt werden, mit über 150 Millionen Fluggästen im Jahr. Das sind so viele wie heute das Aufkommen auf den beiden weltgrößten Airports Atlanta und Chicago O'Hare zusammen.
© Bob Gedat, edition airside / aero.at | Abb.: Emirates | 29.07.2011 20:03

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Beitrag vom 01.08.2011 - 23:42 Uhr
Ist Hahnenkampf bei Austrian und Lufthansa Tradition?
Beitrag vom 30.07.2011 - 11:13 Uhr
Wie sollen wir das anpacken? Wenn wir den EMIRATES nicht mehr Flüge zugestehen, werden wir ab sofort mit einer Visumspflicht, wenn nicht sogar mit einer allfälligen Flugplanänderung (aus speziell-organisatorischen Gründen) belegt. Und dann . . .


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