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Austrian: «Scored» by Lufthansa

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Austrian Airlines ist seit September 2009 Teil des Lufthansa-Konzerns, © Deutsche Lufthansa AG

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WIEN - Keine Frage, bei der AUA kriselt es, und das gewaltig. Dass die Lufthansatochter jetzt in ihr Tiroler Exil flüchtet hat gute Gründe, nicht alle sind aber hausgemacht. Tatsächlich steckt Österreichs prominentester Fahnenträger in einer (strategischen) Zwickmühle, für die er im Prinzip nichts kann. Sein offensives Ostgeschäft am Airport Wien nagt bei den Hanseaten zusehends am Konzern-Geschäft zu Hause: Was in München Bares bringen könnte, kostet in Wien gutes Geld, und das nicht wenig.

Als der Österreicher Wolfgang Mayrhuber sich vor drei Jahren die (bankrotte) AUA gegen eine Milliardenspende an die Brust nahm herrschte bei der Lufthansa rege Aufbruchsstimmung. Trotz oder gerade wegen der weltweiten Finanzkrise standen die Zeichen auf Expansion. Durch Zukauf der BMI, Brussels (zum Teil) und Austrian wollte Europas grösste Airline ihren Heimatmarkt massiv vergrössern, dank Krise zu Schnäppchenpreisen.

Drei Jahre und einen Vorstandswechsel später ist alle Euphorie verflogen, gefragt ist jetzt ein starker, nachhaltig profitabler Kern. "Score" ist weit mehr als ein Kostensenkungsprogramm. Getrieben von den Lowcost-Airlines hechelt die Hansa in ihrem Europageschäft dem Ertrag hinterher, zu Kosten wo Ryanair, Easyjet & Co nur lächeln können.

Aber auch wo derzeit noch gutes Geld verdient wird, droht zunehmend Ungemach. Die Konkurrenz aus Asien und Nahost hat schnell gelernt, wie man aus Hoffungsmärkten dank günstiger Einstandskosten verlässlich Kapital herausschlägt. Score ist ein vitales Effizienzprogramm, das nicht weniger als eine komplette Neugestaltung des Konzerns einfordert.

Das Score-Projekt "Direct4You" ist keine neue Lowcost-Airline mit dem Kranich am Heck, sondern ein konzernweiter Ressourcensammler für das dezentrale Europageschäft, ein neues Geschäftsmodell, mit dem der Traditionskonzern künftig den Lowcost-Airlines Stirn und Paroli bieten will. Wer zuletzt lacht, lacht am Besten, in der Kostenfrage ist auch für Ryanair & Co noch lange nicht das Ende aller Tage.

Gut möglich, dass aber die Tage der Heimatmarken gezählt sind, eine AUA-Neu muss in ihrem Stammrevier nicht nur nach Wien fliegen. Ob Wien ihr einziger (oder überhaupt ein) Hub bleibt, wird maßgeblich davon abhängen, was wo geleistet und verdient wird. Die 'Neutralisierung' ihres Flugbetriebs in einer ausgelagerten Betriebsgesellschaft (der dann ehemaligen Tyrolean) ist ein erster Schritt, die Ressourcen der Airline auch konzernweit einzusetzen.

Die im Tarifkonflikt von den AUA-Piloten geforderte 'Verhandlungslösung' mag zwar beim EU-GH noch eingeklagt werden, entschieden wird das Thema aber weder in Brüssel noch in Wien, sondern in Frankfurt. Und dort ist eine reformierte AUA-Alt schon längst nicht mehr auf der Agenda. Wenn AUA-Chef Jaan Albrecht an 'seine' Piloten dringlich appelliert, beim Umbau mitzumachen, weiß er, wovon er spricht, an 'Score' führt schlicht kein Weg vorbei.
© Bob Gedat, aero.at Wien | Abb.: Ingo Lang | 26.05.2012 17:14


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