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Aus für MUC-3: Gibt sich Deutschland auf?

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Am Flughafen München, © Werner Hennies, Flughafen München GmbH

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MÜNCHEN - In den zweihundert Jahren industrieller Entwicklung war Deutschland eine treibende Kraft, technologisch wie wirtschaftlich, und auf dramatische Weise auch politisch. Und mit dem Lehrgeld zweier furchtbarer Kriege ist Deutschland auch demokratisch gewachsen. Das Ergebnis: Ein historischer Wohlstand, der heute globale Maßstäbe setzt. Die Münchner haben jetzt aber eine Entscheidung getroffen, die dem ganzen Land eine neue Richtung vorgibt: "Mehr brauchen wir nicht".

Zur Wahl stand nicht nur statt mehr Luftverkehr mehr Kindestagesstätten und soziale Lebensqualität, sondern welche Rolle das Land künftig in der globalen Entwicklung spielen möchte.

Das Besondere an diesem Volksentscheid ist weniger sein Ausgang als die Tatsache, dass eine volkswirtschaftlich relevante und in ihren Effekten hochkomplizierte Sachentscheidung erstmalig mit den Mitteln direkter Demokratie getroffen wurde. Entschieden hat nicht rationale Sachkomptenz, sondern das emotionale Empfinden der Münchener Bevölkerung. Ob Stuttgart 21 oder MUC-3, die Botschaft ist dieselbe: "Wir wollen über unsere Wirtschaft (mit)entscheiden, vor allem aber wollen wir nicht mehr, dass die Wirtschaft über uns entscheidet."

Der Ausgang des Volksentscheids gegen MUC-3 ist auch deshalb bemerkenswert, weil in diesem Fall ja nur die Nutznießer des Ausbaus eine Stimme hatten und nicht die Betroffenen im Umland. Entschieden hat ein statistisch relevanter Mix aller Bürgerschichten der Isarstadt (Siehe auch die SZ-Umfrage). Die Ablehnung war klar und deutlich. Trotz der offensichtlichen Vorteile für den Wirtschaftsstandort.

"Gegen MUC-3" ist ein gesellschaftliches Signal, an dem keine politische Gruppierung vorbeikommt, weder die Stadt noch das Maximilianeum und auch nicht Berlin. Zurück zu MUC-2 ist eine soziologische Herausforderung für die globale Strategie des Standorts Deutschland. Auch wenn die Bedeutung dieses Volksentscheids in der Wirtschaft noch nicht ankam.

Lufthansas erste Reaktion in einer Aussendung: LH-Passage Vorstand Thomas Klühr "schließt nicht aus, dass in letzter Konsequenz Wachstum künftig auf andere Flughäfen verlagert werden müsse".

Das wird nicht reichen, auch Lufthansa wird ihre Strategie neu durchdenken müssen, unter Anderem auch, ob ihr globaler Führungsanspruch denn überhaupt eine Notwendigkeit und damit auch eine echte Zukunft hat. Gut möglich, dass ihr Strategiemodell noch ganz andere, vielleicht viel nachhaltigere Entwicklungspotentiale hat, als in München gegen Dubai anzuhalten.
© Bob Gedat, aero.at | Abb.: FMG | 18.06.2012 13:27

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Beitrag vom 22.06.2012 - 16:55 Uhr
...sind sie z.B. von einer Besteuerung des Flugbenzins befreit. Das wurde im Chicagoer Abkommen festgelegt....

kannst du die convention mal benennen?
ich kenn nur das kraftstoffsteuerbefreiungsformular vom deutschen zoll, und da sind mitnichten irgendwelche gerüchte von "flugbenzin" oder sonstigen gebrüder wright aufgeführt.
im gegenteil, es spielt keine rolle ob ein internationales fuhrunternehmen nun fliegt, schifft, oder fährt. abe rüber die brummis lästert keiner ...
Beitrag vom 20.06.2012 - 16:17 Uhr
>
Und noch was: Was ich wirklich gar nicht leiden kann, ist der Satz eines Vorposters, "wir haben über unsere Verhältnisse gelebt". Ich habe bestimmt nicht über meine Verhältnisse gelebt... und viele andere Deutsche auch nicht. Der Reallohn ist - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in der EU - in den vergangenen 10 Jahren in Deutschland kein bisschen gestiegen. Mit ein Grund, wieso wir jetzt die Ungleichgewichte in Europa haben. Vielleicht haben die Banken über ihre Verhältnisse gelebt und das tragen wir nun - traurigerweise- als Staat als Ganzes. Aber ich verbitte mir diese Verallgemeinerungen.

kann schon sein, dass du verallgemeinerungen nicht leiden kannst. die tatsache bleibt aber dennoch, dass die staatsverschuldung (und dieses geld fressen wir wohl alle miteinander auf für infrastruktur, wohlstandsstaat, etcetera, etcetera)ein ungeheueres ausmass im verhältnis zu unserem BSP erreicht hat. dieses ist hier gemeint und nicht dein luxuriösser lebenswandel (entschuldigung für den kleinen persönlichen scherz). das hat mit deinem reaallohn wwenig zu tun, vielleicht mit deiner gestiegenen steuerbelastung...dazu gäbe es off-topic eine menge mehr zu sagen.
zurück zu deiner eingangsaufforderung: cool bleiben und ball flach halten!

saludos a todos
charlie.f.kohn.@sixpence-pictures.com
fine art photography // design // madrid
Beitrag vom 20.06.2012 - 11:36 Uhr
Als Gegenzug dazu sind sie z.B. von einer Besteuerung des Flugbenzins befreit. Das wurde im Chicagoer Abkommen festgelegt.

Das nicht zahlen von Steuern auf diese Spritform, ist als Subvention zuwerten, womit es also Haushaltpolitsich doch den Steuerzahler trifft.

...NCC1701


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