Vision 2050
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IATA: Luftfahrt braucht dringend neue Entwicklungstrategie

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IATA-Präsident Giovanni Bisignani, © US Mission Geneva

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SINGAPUR - Unter Schirmherrschaft von Singapurs Alt-Premier und Minister-Mentor Lee Kuan Yew lud der Luftfahrtverband IATA 35 Experten aus Luftfahrt, Politik und Wissenschaft zu einem Symposium über Zukunftsfragen und Entwicklungsstrategien der Luftfahrt ein. Für 2050 sind jährlich 16 Milliarden Passagiere und 400 Millionen Tonnen Fracht prognostiziert, sechs Mal mehr als 2009. Bei gegenwärtig 205 Milliarden USD Altlasten, für die Industrie eine gewaltige Herausforderung.

'Vision 2050' ist ein kollektiver Versuch, aus der Erfahrung der letzten 40 Jahre neue Perspektiven für die nächsten 40 Jahre zu entwickeln. Die IST-Analyse fällt, aus wirtschaftlicher Sicht, eher düster aus. IATA-CEO Giovanni Bisignani verwies in seiner Panelrede auf die Besonderheiten der Schlüsselindustrie Verkehrsluftfahrt: "Wir rechnen für 2011 mit einer  Wirtschaftsleistung in Höhe von 600 Milliarden USD, trotz einer Bürde von 205 Milliarden an Altlasten." Diese Industrie sei in einem kritischen Zustand. Von ihr hängen 32 Millionen Jobs ab und weltweit wirtschaftliche Aktivitäten in Höhe von 3,5 Billionen Dollar (USD 3.500 Milliarden).

Die Luftfahrt stelle damit nicht nur das sicherste Verkehrsmittel, sie unternehme von allen Industrien auch die größten Anstrengungen, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Demgegenüber steht aus vierzig Jahren eine Gewinnmarge von gerade mal 0,1 Prozent. "Die Marge ist zum Heulen", so Bisignani wörtlich, das könne so nicht bleiben.

Panelthemen
Die so global wie interdisziplinär besetzte Denkrunde konzentrierte sich auf vier Grundthemen:
  •     Industrielle Strukturen für finanzielle Nachhaltigkeit
  •     Passagier der Zukunft
  •     Künftige Flugzeuge und Technologien
  •     Infrastruktur der Zukunft
Das hochkarätige Treffen war überfällig. Über die letzte Dekade akkumulierte die Luftfahrtindustrie Verluste in Höhe von 50 Milliarden Dollar, die tiefgreifend Wirkung zeigten. Unter dem Druck der Krise konnte die Produktivität um 63 Prozent verbessert, die Vertriebskosten um 19 Prozent gesenkt und die Energieeffizienz um 20 Prozent gesteigert werden.

Insgesamt haben die Verbesserungen bei den IATA-Airlines zu Einsparungen von 55 Milliarden Dollar geführt. Zwar konnte dadurch im Jahr 2010 eine Gewinnmarge von 2,7 Prozent erwirtschaftet werden, in Relation zu den künftig benötigten Entwicklungsressourcen sei dies aber immer noch unbefriedigend. Umso mehr als die Marge 2011 wieder auf 1,5 Prozent sinken dürfte.

Die Zeit dränge, macht Bisignani deutlich: "Wir müssen dieses 'Gewinnfenster' nützen, so klein es auch sein mag, um über das Tagesgeschäft hinaus Antworten auf die fundamentalen Zukunftsfragen zu finden: Wie soll die Zukunft der Luftfahrt aussehen, und wie kommen wir dorthin?"

Mit Blick auf den Passagier im Jahr 2050 schöpft Bisignani aus dem Erreichten. Über die letzten vier Jahrzehnte konnten die realen Reisekosten um 60 Prozent gesenkt und in Folge die Zahl der Fluggäste verzehnfacht werden. Das habe einen großen Wert, für den individuellen Kunden wie auch die Gesellschaft. "Um damit fortzufahren, brauchen wir die richtige Technologie und eine effiziente Infrastruktur. Und finanzielle Nachhaltigkeit. Keiner hat darauf alle Antworten, noch eine Kristallkugel, wo er die Industrie im Jahr 2050 sehen kann. Aber es gibt unter allen Anwesenden einen Konsens über den strategischen Wert, darüber gemeinsam nachzudenken."

Im Fokus: Neue Regeln für den Markt
Eine der großen Herausforderungen sei es, Auswege aus dem finanziellen Unheil zu finden, das die teilweise Deregulierung des Luftverkehrs angerichtet hat, die die Airlines in einen knallharten Wettbewerb drängte, ohne ihnen aber den für ihr Geschäft nötigen kommerziellen Freiraum zu geben. "Die Luftfahrtindustrie ist krank. Um ihren Wert für die Kunden, die Unternehmen, die Länder und die globale Wirtschaft zu erhalten, brauchen wir eine gemeinsame Vision für die nötigen Veränderungen", so Bisignani.

Die Initiative 'Vision 2050' wurde bei der letztjährigen Generalversammlung ins Leben gerufen. Während der nächsten Monate wird IATA alle Vorschläge in einem Dokument zusammenfassen, das auf der nächsten Generalversammlung vom 5. - 7. Juni 2011 präsentiert werden soll.

Prognose 2015: 800 Millionen neue Passagiere

Wie wichtig eine tragfähige Entwicklungsstrategie ist, zeigt auch die auf der Tagung präsentierte mittelfristige Marktprognose. Demnach erwartet die IATA für 2015 3,3 Milliarden Flugreisende, 800 Millionen mehr als 2009. Dazu kommen 38 Millionen Tonnen an Luftfracht, ein Zuwachs von 12,5 Millionen Tonnen. Der Großteil der zusätzlichen Fluggäste wird in oder nach China an Bord gehen. Insgesamt werden allein im asiatisch-pazifischen Raum 360 Millionen mehr Passagiere erwartet, 46 Prozent des globalen Zuwachses. Weltweit größter Einzelmarkt werden mit 876 Millionen Fluggästen die USA bleiben, 215 Millionen davon auf internationalen Routen.
© Bob Gedat, edition airside / aero.at | Abb.: Airbus | 16.02.2011 13:09


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