Dubai Air Show
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Golf Airlines: Der Kunde ist König

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Dubai International Airport bei Nacht, © Emirates

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DUBAI – Die Golfcarrier sind längst maßgebliche Mitgestalter der Weltluftfahrt, weit über ihre Marktanteile hinaus. Der fulminante Start des 777X Programms auf Dubai's Air Show setzte Zeichen. Mit 259 Aufträgen startet Boeing mit einem historischen Orderpolster - und einem für die Wüstenflieger maßgeschneiderten Design.

Die Spezifikation der neuen "Triple Seven" ist ein Zugeständnis an den Bedarf eines eigentlich überschaubaren Kundenkreises, der drauf und dran ist, die globale Luftfahrt von Grund auf zu erneuern.

Konzipiert als Nachfolger der in die Jahre gekommenen Drei- und Vierstrahler DC10, Tristar und 747 war die zweistrahlige "Triple Seven" vor allem auf die Märkte der US-Airlines zugeschnitten. Für ihren Start genügte Boeing 1990 ein Auftrag von United Airlines über gerade einmal 34 Einheiten. Knapp ein Vierteljahrhundert später bestellt Lufthansa als Erstkunde der 777X ebenfalls 34 Maschinen – für einen Programmstart war das Boeing nicht genug.

Bemerkenswert ist weniger die Relation der Lufthansa-Order zu den 225 Aufträgen der drei, offensichtlich konzertiert agierenden Golfairlines, sondern der wachsende Einfluss der Golfcarrier auf das Design der neuen Flugzeuge. Muss das, was ihnen recht ist, ab jetzt dem Rest der Welt billig sein? Kapazität, Reichweite und Triebwerksleistung der 777X sind auf das weltumspannende, hochfrequente Onestop-Konzept der Golfairlines ausgelegt und bürden nicht nur Europas Fluggesellschaften mehr Gewicht und Verbrauch auf. Kein Wunder also, dass sich in die Jubelrufe aus Dubai auch Unbehagen mischt.

Dabei sind die Marktanteile der Golfcarrier durchaus überschaubar. Trotz zweistelligem Wachstum fliegen mit Emirates & Co weltweit weniger als zwei Prozent aller Passagiere. Auch ihre Transportleistung liegt im unteren einstelligen Bereich. Und das wird auch länger noch so bleiben.

Begünstigt durch die Lage ihres Standorts nutzen die Golfairlines Wachstumschancen in Transitmärkten, die im Entstehen sind. Mit einem BIP-Zuwachs von jährlich über 7 Prozent brauchen vor allem die entwicklungshungrigen BRIC-Regionen interregional neue und leistungsfähige Verkehrswege, die über die Hubs der alten Industrieregionen gar nicht bedient werden können.

Wenn Etihads Chefplaner James Hogan vom Bau einer neuen Seidenstraße spricht, steht hinter seinen Worten die Kraft des Faktischen. Die Emirate stampfen derzeit Flughäfen für jährlich über 300 Millionen Passagiere aus dem Wüstensand und schöpfen damit vor allem neues Wachstum auf riesigen Flächenmärkten ab, die aus Europa oder den USA derzeit nur teuer und zeitaufwändig erreichbar sind. Ihr Bedarf an neuer Hardware ist gewaltig. Im Prinzip fungieren Emirates & Co als Pionierairlines für ein grundlegend restrukturiertes Modell der Weltluftfahrt. Hechte im Karpfenteich für die einen, Visionäre für die anderen.

Dass die Dubai Air Show in diesem Jahr erstmals am neuen Al Maktum Airport DWC stattfand, dem Kernprojekt eines Logistikzentrums für 150 Millionen Passagiere und 12 Millionen Tonnen Fracht, signalisiert wohin die Reise geht. Das Auftragsvolumen der Golfairlines über gigantische 200 Milliarden USD ist das Maß für die Kraft der neuen Märkte.

Hersteller wie Airbus oder Boeing sind längst darauf eingestellt. Airbus erwartet in den "Emerging Markets" (Asien, Pazifik, Nahost, Afrika und Lateinamerika) bis 2032 einen Anstieg der Verkehrsleistung (RPK) auf rund 57 Prozent der globalen Gesamtproduktion. Das ist auch eine Chance für die Airlines in Europa, Nordamerika und Fernost. Vorausgesetzt sie finden in den neuen Strukturen ihren Platz.
© Bob Gedat, aero.at | Abb.: Dubai Airport | 25.11.2013 16:43

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Beitrag vom 16.12.2013 - 03:23 Uhr
Bleib weiter weltoffen in deiner kleinen Welt, aber ich habe keine Lust weiter zu mit jemanden zu diskutieren, der noch nicht einmal richtig liest.
Na beim wem ist die Welt kleiner. Ich habe keine Probleme mit irgendwelchen Kulturen oder Ländern. Du aber. Klassisches Eigentor...
Beitrag vom 15.12.2013 - 15:26 Uhr
Liebe Diskussionsrunde,
das Thema des Beitrags ist der wachsende Einfluss der Golfcarrier auf das Design der Langstreckenflugzeuge.
Generell kann aber gesagt werden, reinen P2P-Verkehr gibt es auf der Langstrecke weder am Golf noch sonstwo, mindestens an einem Ende wartet immer ein leistungsfähiger Verteiler, von den Hadsch-Flügen mal abgesehen. Und da werden eben unterschiedliche Kapazitäten gebraucht, auf den Systemspangen mehr (Hubs an beiden Enden), aus lokalen Quellmärkten heraus weniger. Dafür bieten die Hersteller heute ein breites Spektrum von 250 bis 550 Sitzen an, mit Reichweiten für globale Nonstopverbindungen über praktisch jede Distanz.

Ein wichtiger Trend ist dabei aber die Konzentration auf immer weniger Hubs mit starker Verteilerkraft. Da wird es auch am Golf zu einer Marktbereinigung kommen, sowohl bei den Flughäfen als auch den Airlines. Die logische Konsequenz daraus wäre wohl eine "United Arabian", früher oder später, mit einer Flotte in einer Größenordnung, die dem Rest der Welt dann wirklich Furcht und Schrecken einjagen wird. Nicht nur auf ihren Märkten, auch in der Technik.

Ein wichtiges Kriterium für die künftige Entwicklung wird allerdings die Fähigkeit der Allianzairlines sein, durch neue, strategisch ausgerichtete Bündnisse ihre Marktanteile zumindest zu halten. M.E. führt da kein Weg an dezentralen Hubs vorbei. Beispiel Heathrow T2-Neu als dezentraler Transatlantikknoten für die Star-Airlines. Absehbar ist eine ähnliche Entwicklung am neuen DWC-Airport am Golf (Dubai). Die Golfer wissen was sie tun, Al Maktoum ist ein Angebot, an dem früher oder später keine Allianz vorbei kommt. Die Staralliance dürfte sich dabei allerdings schwer tun, weil ihr die regionalen Partner fehlen. Die wichtigsten Player haben sich Etihad, Emirates und Qatar längst "reserviert" (Jet Airways, Qantas, Virgin AUS, demnächst Spice Jet....).

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2013 15:52 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 15.12.2013 - 15:15 Uhr
@saftfrucht: Wollen wir den Account gleich wieder sperren lassen, oder wie wollen wir verfahren? Ist alles schon vorbereitet.


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