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Ab-Initio-Programm
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JetBlue bildet als erste US-Airline eigene Piloten aus

NEW YORK - JetBlue Airways wagt ein Experiment: den Aufbau einer eigenen Pilotenausbildung für ihre Embraer-E190-Cockpits. Die fliegerische Ausbildung bei einer Airline ist in Europa und Asien schon lange Alltag. Zuhause betritt JetBlue damit Neuland und muss erstmal viel Überzeugungsarbeit leisten.

"Wir sind dagegen", sagte Kapitän Jim Bigham, Vorstand der Pilotenvertretung ALPA bei JetBlue. "Es sind tausende Piloten verfügbar, die jetzt schon höher qualifiziert sind, als jeder Pilot aus einem Ab-Initio-Programm." In den Cockpits hat man also noch Vorbehalte.

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JetBlue Embraer E190, © Embraer

Tatsächlich wäre das JetBlue-Programm das erste seiner Art in den Vereinigten Staaten. Im Regelfall rekrutieren US-Airlines ihr Cockpitpersonal aus dem Militär oder der Bedarfsfliegerei. Dort sammeln junge Piloten ihre ersten 1.500 Flugstunden - seit 2010 die Untergrenze für den Wechsel in ein amerikanisches Airlinecockpit als Erster Offizier.

JetBlue habe das Konzept entwickelt, um die gesamte Ausbildung ihrer späteren Piloten zu koordinieren und sie von Anfang an als Teammitglied aufzubauen, verteidigt Airlinesprecher Jim McGraw das "Gateway 7" getaufte Programm. Auch spreche man so ein breiteres Bewerberspektrum an.

"Das Programm ist offen für Bewerber mit geringer oder überhaupt keiner Erfahrung in der Luftfahrt, sie müssen aber erst ein rigoroses Auswahlverfahren bestehen", sagte McGraw. Die eigene Ausbildung sei als Ergänzung der bisherigen Bereederungsstrategie zu verstehen.

In vielerlei Hinsicht orientiert sich JetBlue mit "Gateway 7" an der Multicrew Pilot License (MPL). Nach dem vor mehreren Jahren von der ICAO eingeführten MPL-Standard formen sich in Europa zum Beispiel Lufthansa, Condor und Easyjet ihren Cockpitnachwuchs.

Im Simulator werden junge MPL-Piloten an das Arbeitsumfeld eines Zwei-Personen-Cockpits herangeführt. "So können wir früh feststellen, ob jemand ein guter JetBlue-Pilot sein wird", sagte McGraw. Für die selbst zu finanzierende Ausbildung werde JetBlue im ersten Quartal 2016 ein Bewerbungsfenster öffnen.

Vorher muss die US-Luftfahrtbehörde FAA noch ihr OK geben. JetBlue plant den ersten Kursbeginn Mitte nächsten Jahres, der erste Absolventenjahrgang wird aber frühestens 2020 in die Embraer-Cockpits einziehen. Erst müssen die jungen Piloten ihr Stundenminimum bei einer Partnerfirma erfliegen.

Die 1.500-Stunden-Regel wurde in den Vereinigten Staaten nach dem Absturz des Colgan-Air-Flugs 3407 im Jahr 2009 eingeführt. Mehrere Regionalairlines würden die starre Untergrenze derzeit gerne wieder aufbrechen. "Wir stimmen dem zu, dass Erste Offiziere Erfahrung brauchen", sagte Faye Malarkey Black von der Regional Airline Association. Flugstunden seien dafür aber "nicht der richtige Maßstab".

Anders als die Regionalairlines sorgt sich JetBlue derzeit noch nicht um einen möglichen Mangel an Piloten. Trotzdem will man mit "Gateway 7" ein Stück weit unabhängiger von der bisherigen Rekrutierungspraxis werden. Ist das Experiment erfolgreich kann sich JetBlue daher auch eine Ausweitung des Programms auf ihre A320-Flotte vorstellen.
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: JetBlue Airways | 04.12.2015 10:30


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