#FIA16
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Fernandes und AirAsia geben in Asien wieder den Takt vor

FARNBOROUGH - Bei iranischem Essen brachten Tony Fernandes und Topleute von Airbus vor ein paar Monaten in London den bisher kühnsten Flugzeugkauf von AirAsia auf den Weg. Die Runde ging auf Fernandes - als der Kellner mit der Rechnung kam, hatten die Airbus-Manager nicht genug Bargeld zur Hand.

Jetzt, auf der Farnborough Airshow, konnten sich John Leahy und Co. sicher revanchieren. Auf der FIA16 schrieben AirAsia und Airbus das nächste Kapitel einer Erfolgsgeschichte, die Airline und Hersteller seit 15 Jahren teilen: AirAsia kauft Airbus 100 A321neo im Gegenwert von 12,6 Milliarden US-Dollar ab!

AirAsia hat in Asien das erreicht, was Ryanair in Europa und Southwest Airlines in den Vereinigten Staaten geschafft haben, ordnet Brendan Sobie vom CAPA Centre for Aviation die Leistung des 52-jährigen Fernandes ein. Günstigairlines machten Flugreisen für Millionen von Menschen erstmals erschwinglich.

"Sein Werk, AirAsia, hat die Branche fundamental verändert", attestiert Sobie. "Wegen AirAsia erlebte der südostasiatische Airlinesektor einen strukturellen Wandel."

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Sichtlich zufrieden - Tony Fernandes und Fabrice Brégier, © Airbus

Fernandes steht heute in einer Reihe mit seinem früheren Arbeitgeber und Virgin-Group-Gründer Richard Branson und Stelios Haji-Ioannou, dem Kopf hinter Easyjet - Unternehmerpersönlichkeiten, die mit Underdog-Airlines erfolgreich gegen staatliche Flugkonzerne antraten.

Vergangenes Jahr beförderte AirAsia 50,7 Millionen Passagiere, elf Prozent mehr als noch 2014. Die Airline setzt derzeit rund 170 A320 ein, ihr 2007 nachgeschobener Langstrecken-Ableger AirAsia X steht für 29 Großraumjets. Zusammen führen sie 987 Flüge pro Tag durch und sind an 123 Flughäfen vertreten.

Den Grundstein für sein Airline-Imperium legte Fernandes Ende 2001 als er die heruntergewirtschaftete AirAsia mit Partnern für einen symbolischen Riggit (etwa 25 US-Cent) übernahm und sich für den Neuanfang 10 Millionen US-Dollar von der Bank lieh. Bei allem Erfolg, der sich schnell einstellte, sind Fernandes bittere Rückschläge nicht fremd.

Im Dezember 2014 stürzte AirAsia-Flug 8501 von Surabaya nach Singapur ins Meer. Alle 162 Menschen an Bord des Airbus A320 PK-AXC starben bei dem Unfall, den Ermittler später mit einer beschädigten Lötstelle in der Rudersteuerung und Handlungsfehlern der Piloten erklärten.

Vergangenes Jahr belasteten Überkapazitäten AirAsia, AirAsia X flog 2015 zum dritten Mal in Folge Verluste ein. Zwischenzeitlich stand es gar nicht gut um Fernandes Konzern, doch in diesem Jahr hat sich der Aktienkurs bereits mehr als verdoppelt. Im ersten Quartal konnte AirAsia ihre Gewinne versechsfachen.

"Letztes Jahr hatte uns schon jeder abgeschrieben, aber wir haben weitergemacht und gekämpft", sagte Fernandes.

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AirAsia bestellte auf der FIA16 erstmals die A321, © Airbus

"AirAsia hat anspruchsvolle Zeiten hinter sich, aber ihre Joint-Venture-Strategie in verschiedenen Ländern zahlt sich mittlerweile aus", pflichtete Domhnal Slattery, Chef des Leasingunternehmens Avolon, am Dienstag im Interview mit "Bloomberg Television" bei.

Die A321neo mit bis zu 240 Sitzen an Bord plane AirAsia für Strecken nach Hongkong, China und Indonesien ein, sagte Fernandes im Gespräch mit "Bloomberg Television" am Rande der Farnborough Airshow. Auch auf Indien blicke AirAsia "sehr, sehr optimistisch".

Gerne hätte er die 100 A321neo schon jetzt, erklärte Fernandes in einem anderen Interview am Dienstag. "Die Menschen wollen eben fliegen, der Markt ist riesig."

Die reinrassige A320-Flotte von AirAsia unterstreicht die enge Bindung, die Fernandes über die Jahre zu Airbus aufbaute. Auch auf der Farnborough Airshow 2014 platzierte Fernandes mit 50 A330-900 für AirAsia X einen der größten Messedeals.

Statt protokollkonformer Business-Etikette gab es auf der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der 100 A321neo seltene Emotionen: Fernandes und die Topmannschaft von Airbus lagen sich in den Armen. In Farnborough wurden an diesem Tag viele Schultern geklopft.

"Ich hätte selbst nie geglaubt, dass wir einmal so groß werden", sagte Fernandes. "Ich habe Airbus gesagt, dass sie auf mich setzen sollen - denn wenn ich die Sache richtig angehe, ist der Markt verdammt groß."

Ausbildung in England

In den späten 1970er Jahren besuchte Fernandes als Zwölfjähriger das Epsom College, ein englisches Eliteinternat. Zu den ersten Weihnachtsferien wäre er gerne zurück nach Malaysia geflogen, was ihm seine Eltern aber versagten - der Flug wäre zu teuer gewesen.

Mit einem betriebswirtschaftlichen Abschluss von der London School of Economics in der Tasche begann Fernandes sein Berufsleben 1987 in der Finanzabteilung von Virgin Media in London. Fünf Jahre später kehrte er nach Kuala Lumpur zurück, um für Warner Music zu arbeiten. Ab 1996 leitete Fernandes Warners Südostasien-Geschäfte.

Im Juli 2000 reiste Fernandes nach New York, um an den Beratungen über die Fusion von Time Warner und AOL teilzunehmen. Weil er im Pakt mit dem Internetdino AOL keine Chance sah, verließ Fernandes den Konzern, verkaufte seine Aktienoptionen und wandte sich der Luftfahrt zu. Seit 2009 gehen Time Warner und AOL nach Rekordverlusten wieder getrennte Wege.

"Ob man ihn nun mag oder nicht ausstehen kann, Tony Fernandes und seine Partner haben mit AirAsia den Günstigreisemarkt revolutioniert", sagt Shukor Yusof von der Beratungsfirma Endau Analytics. "AirAsia ist die erste und heute größte Günstigairline in Asien, Fernandes der Spielmacher für billiges Fliegen."
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: Airbus | 16.07.2016 14:30


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