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Flydubai-Piloten: Stress in Cockpit und Kabine

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flydubai Boeing 737-800, © The Boeing Company

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DUBAI - Nach Absturz der Flydubai Boeing 737-800 in Rostov am 19. März 2016 beklagten Piloten der Billigairline eine zunehmend "gefährliche" Überlastung - Müdigkeit sei ein gravierendes Sicherheitsrisiko. Dem britischen "Guardian" liegen dazu nun vom Zeitraum März bis April 2016 417 interne Berichte vor.

"Air Safety Reports" sind Pflicht bei jeder Airline, sie betreffen sicherheitsrelevante Vorfälle aller Art und dienen der laufenden Verbesserung der Sicherheitsstandards. Alarmierend sei aber der hohe Anteil an Meldungen, wo Müdigkeit in Cockpit oder Kabine eine Rolle spielen.

Laut dem "Guardian" zugespielten Dokument führten Piloten in über 40 Fällen an, sie wären übermüdet gewesen, zum Teil nachdem sie "diskrete" Einsätze außerhalb ihrer festlegten Einsatzpläne übernommen hätten. Zuvor berichteten russische Medien bereits wenige Tage nach dem Rostov-Absturz, darunter die staatliche "Russia Today", Piloten der Airline hätten über unzumutbare Belastungen und Arbeitsbedingungen geklagt.

Schon vor dem Unfall in Rostov soll es auch betriebsintern Warnungen der Piloten gegeben haben, eine Überlastung der Piloten könne früher oder später zu Unfällen führen. Dass die Piloten mit ihrem Anliegen jetzt zunehmend in die Medien gehen, inklusive vertraulicher Sicherheitsberichte, sollte als Hinweis verstanden werden: Wir meinen es ernst.

Nach einem mehrstündigen, wetterbedingten Holding nahe der südrussischen Stadt Rostov-on-Don zerschellte am 19. März 2016 Flydubai-Flug FZ981 am frühen Morgen beim Landeversuch auf der Piste. Keiner der 62 Insassen überlebte.

In einem ersten Zwischenbericht der russischen Untersuchungsbehörde IAC befanden die Ermittler, Auslöser des Absturzes sei ein fehlerhaft gesetztes Höhenruder gewesen. Nach Abbruch eines weiteren Landeversuchs hatten die Piloten zunächst einen Steigflug eingeleitet. Kurz darauf ging das Flugzeug in einen 60°-Sturzflug über und beschleunigte dabei auf 600 Stundenkilometer.

Der Bericht enthält jedoch keine Erklärung, was zu der fehlerhaften Betätigung des Hohenruders geführt hat. Gegenüber Medien vermutete ein anonymer Kollege, zu dem Fehlverhalten könne auch eine Übermüdung der Crew beigetragen haben. So sei der Kapitän des Flugs in den 11 Tagen zuvor an 10 Tagen im Einsatz gewesen, zu wechselnden Tages und Nachtzeiten.

Auf die Vorwürfe der Piloten reagierte die Airline prompt, alle Flugpläne der Crews würden gemäß geltender Sicherheitsregeln penibel eingehalten. Dazu könne auch jeder Pilot, der sich nicht fit zum Fliegen fühle, jederzeit vom Dienst zurücktreten, ohne disziplinäre Folgen. Sicherheit habe oberste Priorität.

Piloten beklagen jedoch, trotz Einhaltung gesetzlicher Ruhezeiten führe unter anderem der häufige Wechsel zwischen Tages- und Nachtdienst zu ernsthafter Beeinträchtigung ihrer Fitness. Zudem befürchten sie Nachteile, wenn sie "diskrete" Planungsänderungen nicht annehmen. Der Druck sei enorm, betonen Piloten gegenüber dem "Guardian".
© aero.at | Abb.: Flydubai | 31.07.2016 13:10

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Beitrag vom 31.07.2016 - 21:12 Uhr
Bin mal gespannt, ob sich die Kollegen von Emirates mal melden...
 https://deutsch.rt.com/wirtschaft/37494-rt-exklusiv-interview-mit-emirates/
Beitrag vom 31.07.2016 - 14:14 Uhr
Bin mal gespannt, ob sich die Kollegen von Emirates mal melden...
Beitrag vom 31.07.2016 - 13:49 Uhr
Nur kurz angemerkt. Der Absturz war dieses Jahr am 19. März 2016.


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