"Der Spiegel"
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Zoff um steigende Gehälter für Lufthansa-Vorstände

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Lufthansa Airbus A350-900, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa entlohnt Vorstände mit 2,1 Millionen Euro Jahressalär und legt bei Konzernchef Carsten Spohr noch eine Million oben drauf. Jetzt hob der Aufsichtsrat die Erfolgsbeteiligung für das Gremium an - nach Informationen des "Spiegel" gegen Stimmen der Arbeitnehmervertreter.

Mitte März schloss Lufthansa nach fünf Jahren mit ihren Piloten Tariffrieden bis Juni 2022. Die meisten Piloten werden dann noch für Lufthansa arbeiten, während sich einige Vorstände in der Zwischenzeit beruflich neu orientieren dürften. Das fürchtet zumindest die Konzernseite.

Sie klagt laut "Spiegel" über eine "relativ hohe" Fluktuation im Vorstand. Das ganz offenbar "unzureichende Vergütungsniveau" erschwere zudem die Nachbesetzung vakanter Vorstandsposten.

Spohr-Vorgänger Christoph Franz und Finanzvorständin Simone Menne machten den Abflug in die Pharmabranche, in der höhere Gehälter zu erzielen sind. Die variable Vergütung der Vorstände liege "weit unterhalb des DAX-Maßstabs", schlug Lufthansa im letzten Geschäftsbericht Alarm.

Im Branchenvergleich sind die Gehälter der Lufthansa Chefetage hingegen gar nicht so mickrig, wie es Lufthansa ihren Aktionären verkauft. So kann Air-France-KLM Vorstandschef Jean-Marc Janaillac sein jährliches Grundgehalt von 600.000 Euro mit erfolgsabhängigen Sonderzahlung maximal verdoppeln.

Willie Walsh bezog 2016 mit 1,3 Millionen Euro ein ähnliches Grundgehalt wie Spohr, der langjährige IAG-Chef darf allerdings noch mit bis zu 4,2 Millionen Euro Bonus rechnen. Eine Ebene unter Walsh entlohnt IAG Vorstandsmitglieder laut aktuellem Vergütungsbericht mit maximal 2,9 Millionen Euro.

Verzögerte Auszahlung

Die im Konzern umstrittene Änderung der variablen Vergütungsregeln wird Lufthansa-Vorständen ein Gehaltsplus von bis zu 20 Prozent auf die Konten spülen. Da der Bonus zeitverzögert ausgezahlt werde, würde die Änderung aber frühestens im Jahr 2020 wirksam, hält Lufthansa fest.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 15.05.2017 10:40

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Beitrag vom 16.05.2017 - 09:43 Uhr
@Digiflieger: Guter Beitrag!

Zu der Vergleichsbasis, besonders zum Vergleich mit AF: In Frankreich gibt es ein Gesetz, dass die Vorstandsfixgehälter auf 450.000 Euro deckelt (eingeführt von einem sozialistischen Präsidenten in einem Land mit durchgehender 35h-Woche).

Der Vergleich mit anderen Vorständen hinkt auch (noch) gewaltig, da bspw. Willie Walsh (IAG) zwar 2016 "nur" 2,8 Mio. Euro erhalten hat, dafür aber im Jahr davor 8,8 Mio. Bei Carolyn McCall von Easy Jet sieht es ähnlich aus, letztes Jahr "nur" ca. 1,8 Mio, davor aber 7,3 Mio.

Leider findet man auch auf die Schnelle keine Vergleiche für diese Länder, wie die Airline-Vorstände ggü. den anderen Vorständen verdienen.

Naja, wenn sie in Frankreich gedeckelt sind, dann sollte das zumindest dort wohl für alle gelten, oder nicht;-)

Ich finde es sehr OK, wenn die Gehälter in schlechten Zeiten vernünftig "gering" sind und in guten Zeiten meinetwegen auch exorbitant hoch sind.

Allerdings scheint es in D und vielleicht generell bei AG-Unternehmen mehr und mehr eine Entkoppelung von diesem Prinzip zu geben, da gerade die Vorstände, zusammen mit den Aufsichtsräten, selbst definieren, wann gute und wann schlechte Zeiten sind. Auch scheinen dort andere Definitionen von Arbeitsplatzsicherheit zu gelten... (Stichwort: Bankbürgschaften für Geschäftsführer (AB) und Garantieres Einkommen über die Vertragslaufzeit ohne Gegenleistung (VW)...) Das ist letztendlich doch nichts anderes als eine Arbeitsplatzgarantie für Führungspersonal, oder nicht?
Daher kann ich den Ärger jedes Arbeitnehmers verstehen, der in Zeiten der Personalkosteneinsparung (schlechte Zeiten) gleichzeitig eine Erhöhung für die Chefs (gute Zeiten) mittragen und ja auch mit erarbeiten soll.

Die Diskrepanz entsteht eben, wenn viele MA eines Unternehmens den Gürtel enger schnallen sollen, dies aber nicht für das Führungspersonal gilt, weil man ja die MA-Kosten gesenkt hat!?!?
Da braucht man sich über revolutionäre Auswüchse (siehe Airfrance) auch nicht wirklich mehr wundern... Da frage ich mich eher, wann die Revolution auf andere Unternehmen, in denen diese Diskrepanzen noch viel deutlicher zu Tage treten, überschwappt;-)

Sehr gut kommentiert !!!
Beitrag vom 16.05.2017 - 08:43 Uhr
Ich frage mich warum ich immer wieder und öfters mit dem Jahr 2020 konfrontiert werde??
Kann es sein das bis dahin der Manteltarifvertrag Boden ausläuft bzw. Schon einseitig gekündigt wird?Kann es sein das bis dahin einige große Projekte umgesetzt werden? (Verkauf der LSG und evtl. Anderer Töchter?)
Schwirrt mir immer wieder im Kopf herum aber wie es auch sei, daß Timing der Gehaltserhöhung und wie es im Aufsichtsrat durchgeboxt wurde wirkt für mich oder den anderen Mitarbeitern wie ne Ohrfeige

Ja, das ist eben der Eindruck, der entsteht... Ob gewollt oder ungewollt, steht auf einem anderen Blatt. Als kleine Beruhigungspille: Soweit mir bekannt, wird und wurde in aller Regel(!) in den meisten Unternehmen nicht viel weiter, als drei Jahre in die Zukunft geschaut. Z.B.: Projekte müssen/sollen sich in spätestens drei Jahren amortisieren...

Ausnahmen sind natürlich immer drin, müssen aber gut begründet sein!
Beitrag vom 16.05.2017 - 08:27 Uhr
Ich frage mich warum ich immer wieder und öfters mit dem Jahr 2020 konfrontiert werde??
Kann es sein das bis dahin der Manteltarifvertrag Boden ausläuft bzw. Schon einseitig gekündigt wird?Kann es sein das bis dahin einige große Projekte umgesetzt werden? (Verkauf der LSG und evtl. Anderer Töchter?)
Schwirrt mir immer wieder im Kopf herum aber wie es auch sei, daß Timing der Gehaltserhöhung und wie es im Aufsichtsrat durchgeboxt wurde wirkt für mich oder den anderen Mitarbeitern wie ne Ohrfeige


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