Weltpremiere bei Delta
Vor 6 Tagen

Business-Abteil mit Schiebetür in der A350

ATLANTA - Die letzte wirkliche Weltpremiere in Sachen Bordprodukt liegt bei Delta Air Lines schon gut zwei Jahrzehnte zurück: 1996 gab es in der Boeing 767-200 "Spirit of Delta" zum ersten Mal TV-Liveempfang im Reiseflug. Im gleichen Flugzeug fanden sich erstmals auch Stromsteckdosen an den Sitzen, um Laptop-Akkus zu laden.

Im Herbst 2017 steht die nächste Weltpremiere an: Die erste Business Class-Kabine mit Abteilen, die Schiebetüren aufweisen, bisher ein Merkmal mancher First Class-Suiten, etwa bei Emirates oder Singapore Airlines.

Weil Qatar Airways mit der neuen Business Class "QSuite" gerade Ähnliches vorhat, wird die erste Schiebetür in einer Business Class zum Wettrennen zwischen Atlanta und Doha.

Nach 9/11 verfiel die amerikanische Luftfahrt durch große Verluste in eine Art Koma-Zustand, was Produktinnovation betraf. Derzeit gehören die US-Riesen dank Konsolidierung und günstiger Spritpreise wieder zu den weltweiten Spitzenverdienern.

"Und vieles dieses vorhandenen Kapitals geht ins Produkt, daher macht es derzeit wirklich Spaß in diesem Bereich zu arbeiten", sagt Joe Kiely, Produktchef von Delta Air Lines, im exklusiven Interview mit aero.de in Atlanta.

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Delta One Suite, © Delta

Bereits 2008 hat Delta mit ihrem Business-Produkt Delta One vorgelegt, das jedem Passagier direkten Zugang zum Gang gewährt und seit 2014 auf allen Delta-Langstrecken verfügbar ist in 150 Flugzeugen. Es umfasst im nach außen gewandten Heringsgräten-Muster angeordnete Business-Abteile, deren Sitze sich in flache Betten von gut zwei Meter Länge verwandeln lassen.

"Wir haben auf unsere Kunden gehört, und die haben sich vor allem mehr Privatsphäre und mehr Stauraum gewünscht", sagt Kiely. In der Tat gehört das Fehlen von Ablagen etwa für Laptops (solange sie noch in die Kabine dürfen) oder Wasserflaschen zu den Schwachpunkten des derzeitigen Delta One-Produkts.

Dem will die zweitgrößte Airline der Welt jetzt mit ihren neuen "Delta One Suites" abhelfen, die mit den ersten von 25 bestellten Airbus A350 Premiere feiern, die bereits im Herbst dieses Jahres abgeliefert werden. Erst kürzlich hatte Delta die Auslieferung von zehn A350 um zwei bis drei Jahre nach hinten verschoben.

Trotzdem wird die Airline noch 2017 insgesamt sechs A350 aus Toulouse erhalten. Das erste Flugzeug (MSN115, intern "Ship 3501" genannt) wird ab November erstmals Liniendienste vom Delta-Hub in Detroit nach Asien, möglicherweise nach Tokio fliegen.

A350-900 lösen Boeing 747-400 ab

Die A350 sollen die letzten sieben Boeing 747-400 ersetzen, die zum Teil noch 1989 gebaut wurden und bis Jahresende außer Dienst gestellt werden. Delta wird die A350 zunächst exklusiv auf ihren langen Pazifik-Routen betreiben.

"Unsere Schlagzeile ist die Schiebetür", sagt Joe Kiely über das neue Premium-Produkt, das von der Londoner Agentur factorydesign in über zweijähriger Arbeit entwickelt wurde. Bei der Hardware handelt es sich um eine stark individualisierte Variante des Modells Vantage XL von Thomson Aero Seating, das etwa auch die Grundlage der Qantas-Suiten in der A330 bildet.

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Delta One Suite - Einführung mit der ersten A350, © Delta

"Wir haben den Designprozess mit der Schiebetür gestartet, und das war eine riesige Herausforderung", berichtet Kiely. "Anfangs experimentierten wir mit noch höheren Türen, jetzt ist sie im Stehen etwa auf Brusthöhe, aber gibt Passagieren immer noch hundert Prozent Privatsphäre."

Solche Sichtblenden in der Kabine sind eine Gratwanderung, weil die Kabinenbesatzung aus Sicherheitsgründen die Passagiere noch sehen können muss und alle entsprechenden Designs von den Zulassungsbehörden FAA und EASA für jeden einzelnen Flugzeugtyp genehmigt werden müssen. Für die A350 liegt die Zulassung als erste Schiebetür überhaupt bereits vor, für die Boeing 777 wird sie bald erwartet.

Zwischen den beiden Mittelsitzen in der Anordnung 1-2-1 pro Reihe lässt sich ebenfalls eine Trennwand auf gleiche Höhe wie die Tür zum Gang hin ausfahren, etwas das bisher völlig fehlt. Neu sind auch die größten Bildschirme unter den US-Airlines, die jetzt 18 Zoll Diagonale aufweisen.

In der A350 wird Delta 32 Suiten anbieten, 48 Sitze in Premium Select (Premium Economy) sowie 226 in Economy. In den 18 Boeing 777-200, die bis 2020 umgerüstet werden, sinkt mit dem neuen Produkt die Zahl der Plätze in Business von heute 37 auf 28, was nach Angaben von Joe Kiely aber nicht an erheblich größerem Platzbedarf für das neue Produkt liegt.

"Der Sitzabstand bzw. die Bettlänge von 80 Zoll (2,03m) ändert sich nicht gegenüber dem heutigen Delta One-Produkt", sagt der Produktchef, auch viele andere Details von den "Westin Heavenly"-Bettdecken bis zu den neu von Alessi gestalteten Geschirren, Gläsern und Tabletts bleiben erhalten. Dafür werden die Sitze breiter als die heutigen 21 Zoll (53cm), die neue Breite verrät Delta noch nicht.

Eine wichtige Innovation ist die Beleuchtung, "da setzen wir mehr auf Stimmungsbeleuchtung mit einigen Akzenten wie einem horizontalen LED-Lichtband oberhalb der Vorderkante der Suiten", so Kiely. Eine auffällige und entscheidende Verbesserung sind die Ablageflächen, vergrößert auch durch eine Art Regalbrett oberhalb der eigentlichen Ablagefläche neben dem Sitz.

Mit ihrer Mischung von Elementen aus First und Business Class, ähnlich wie es in den 1990er Jahren die damalige Continental Airlines mit ihrer Innovation der "BusinessFirst" versuchte, hat Delta in Branchenkreisen und unter Geschäftsreisenden mit ihrer Suite bereits für Aufmerksamkeit gesorgt.

A330neo folgen ab 2019


Beim Crystal Cabin Award, jährlich verliehen während der Aircraft Interiors Expo in Hamburg, konnte sich Delta als Preisträger gegen das stärkste Konkurrenzprodukt, die neue "Polaris"-Business Class von United, im April durchsetzen.

Ab 2019 wird Delta die ersten von 25 A330neo empfangen, "doch deren Produkt planen wir derzeit noch", so Joe Kiely. Vorher, ab dem kommenden Jahr, erhält Delta auch die ersten Bombardier CS100 ihrer Order von 75 der kanadischen Jets. So oder so wird es dem Produktmanagement in Atlanta nicht langweilig.
© Andreas Spaeth | Abb.: Delta | 19.05.2017 19:38

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Beitrag vom 22.05.2017 - 00:21 Uhr
Was bietet die Konkurrenz z. Z. an?
4 Sitze pro Reihe ist schon ordentlich, wenn man es mit BA's 8 Sitzen pro Reihe in der 777 vergleicht! EK bietet 7 Sitze pro Reihe in der 777. Dabei muss man ggf. über die Beine des Sitznachbarn steigen!
Ausserdem kann man die Tür auch offen lassen - man wäre dann allerdings im Ami lower management!

Dieser Beitrag wurde am 22.05.2017 11:22 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.05.2017 - 20:17 Uhr
Looks like a callcenter or lower management multi user office....Please!
Genau meine Idee. Das soll "privacy" sein? Eher eine Einzelzelle mit Arbeitsplatz, da kommt das middle Management erst gar nicht auf dummen Gedanken!
Beitrag vom 20.05.2017 - 21:57 Uhr
Heringsgräten

Weil die Gräten von Heringen ganz anders angeordnet sind als die anderer Fische. ;)

PS: Haben nicht manche Sitze bei jetblue mint eine Tür? Oder gilt das nicht, weil es eine Inlands-First Class ist?


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