Flug EK521
Älter als 7 Tage

Eröffnungsbericht: Unfall bei spätem Durchstartversuch

DUBAI - Einen Monat nach dem Landeunfall des Emirates-Flugs EK521 in Dubai legen die Flugunfallermittler der VAE ihren ersten Bericht vor. Die Boeing 777-300 A6-EMW verunglückte bei einem fehlgeschlagenen Durchstarten unter anspruchsvollen Windbedingungen, erklärte die General Civil Aviation Authority (GCAA) am Dienstag.

Anfangs sei der Anflug der im indischen Trivandrum gestarteten Boeing bei Rückenwind von bis zu 16 Knoten normal verlaufen. Am Morgen des 03. August seien alle ankommenden Flüge auf mögliche Scherwinde an beiden Landebahnen des Dubai International Airport hingewiesen worden.

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Flug EK521 verunfallte am 03. August 2016 in Dubai, © GCAA

Der Eröffnungsbericht diskutiert den Unfallhergang relativ ausführlich: Die Piloten konfigurieren die Boeing auf Landung und nehmen Leistung aus den Triebwerken. Fünf Sekunden vor dem Aufsetzen "dreht die Windrichtung auf Gegenwind", heißt es im Bericht.

Sensoren der Fahrwerke registrieren 1.100 Meter nach Beginn der Landebahn ersten Bodenkontakt bei 162 Knoten, zwei Sekunden später warnt das Runway Awareness Advisory System (RAAS) im Cockpit akustisch vor einem "Long Landing".

Durchstartmanöver nach Bodenkontakt


Um 08:27:23 Uhr Ortszeit setzt die Boeing unter Gegenwind zum Durchstarten an: die Piloten ziehen die Nase hoch, fahren Fahrwerke und Klappen ein. Sie erreichen einen Höhe von 85 Fuß (26 Meter), verlieren aber zusehens Geschwindigkeit.

Erst jetzt, als sich das Flugzeug dem Boden annährt, geben die Piloten volle Leistung auf die Rolls-Royce-Triebwerke, heißt es im Bericht.

Der Eingriff erfolgt - "drei Sekunden vor dem Aufprall" - augenscheinlich zu spät. Die Boeing sackt durch und schlägt um 8:27:38 bei 125 Knoten mit dem Rumpf auf Landebahn 12L auf - sie rutscht jetzt noch 800 Meter über die Landebahn.

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Bruchlandung der Emirates Boeing 777-300 (Registrierung A6-EMW) in Dubai, © Dubai Airport WebCams

Heftige Winde pressen mehrere Notrutschen nach oben, dennoch gelingt der Crew eine zügige Evakuierung der 282 Passagiere.

Der Kapitän und ein Purser checken die Sitzreihen und verlassen als letzte die "nach Explosion des Mitteltanks" mit "dichtem Rauch" gefüllte Kabine, heißt es im Bericht. Beide können sich mit einem Sprung aus der Tür L1 auf eine am Boden liegende Notrutsche retten.

Unfallbilanz: 1 toter Feuerwehrmann, 24 Verletzte Insassen


Unter den 300 Insassen gibt es 23 Leichtverletzte und einen Schwerverletzten. "Ein Feuerwehrmann kommt bei den Löscharbeiten ums Leben, acht Einsatzkräfte werden mit leichten Verletzungen behandelt", hält die GCAA fest. Von der 2003 gebauten Boeing bleibt nur ein Feuerwrack übrig.

Widersprüche in Flughandbüchern?

Laut Untersuchungsbericht widersprechen sich die Flughandbücher der 777, ob nach einem Bodenkontakt noch ein automatisches Durchstartmanöver durchgeführt werden kann, da das Flugzeug mit diesem Kontakt in den Bodenmodus geht.

Normalerweise drücken die Piloten zum Durchstarten die "TOGA"-Knöpfe an den Schubhebeln, woraufhin diese auf Maximalleistung gehen. Gemäß Flughandbuch sind diese Knöpfe am Boden gesperrt, somit hätte der Pilot die Schubhebel zum Steigen von Hand nach vorne schieben müssen. Da dies jedoch erst in 85 Fuß geschah, ist davon auszugehen, dass die Boeing ohne Schub wieder abhob und durch den starken Geschwindigkeitsverlust auch an Höhe verlor.

Eröffnungsbericht der GCAA zum Landeunfall des Emirates-Flugs EK521 am 03. August 2016 in Dubai (Volltext / PDF)

© aero.de, FlugRevue (MK) | Abb.: DXB, GCAA | 06.09.2016 12:43

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Beitrag vom 10.09.2016 - 09:13 Uhr
hier steht auch nicht viel mehr drin:
 http://www.welt.de/wirtschaft/article158007308/Das-Raetsel-um-die-Bruchlandung-der-Emirates-Maschine.html
Beitrag vom 08.09.2016 - 13:47 Uhr
Hallo, nur ganz kurz: ich verfolge hier immer sehr gespannt die Diskussionen zu den verschiedensten Themen. Ich bin seit 27 Jahren am fliegenden Gerät tätig, aber sitze nie im Flugzeug vorn, wenn es dann fliegt. Genau deswegen liegt mir viel daran, dass auch in Zukunft fliegendes Personal hier Meinungen teilt! (Gerade bei so einem Thema.) Damit das so bleibt, geht Euch doch nicht immer so an, es kann nicht jeder immer Recht haben!
Danke sehr!

Da haben Sie Recht;-) Es gibt leider nicht immer die eine "Wahrheit".

Dieser Fall ist und bleibt interessant, gerade weil es ja nicht so eindeutig ist...

Meiner Ansicht nach, haben die zwei vorne zwei Fehler gemacht:

- den Anflug / die Landung nicht "richtig" abgebrochen
- das Fahrwerk zu früh eingefahren

Das kann man relativ schnell festhalten. Leider ist es aber nicht ganz so eindeutig, wie sie überhaupt in diese Situation gekommen sind.

Da gibt es ja noch ganz viele Fragen, die die Untersuchungskommission noch klären darf.

Ich frage mich z.B. wieso man bei reported WS überhaupt anfliegen darf?
Oder auch, wieso man bei einem G/A oder einer balked Landing/ oder wie auch immer man das jetzt nennen möchte beide Hände ans Steuerhorn nimmt und nicht am Schubhebel lässt?
Wie sind die beiden trainiert worden?
Auch 15kts Rückenwind bei 48(!)° Aussentemperatur erscheinen mir viel zu sein...

Vielleicht ist es auch der Fluch der heutigen Technik, dass man als Bediener viel zu oft zum routinierten Zuschauen verdammt ist (macht ja alles der Autopilot;-)), dann aber trotzdem innerhalb von Sekunden das komplette und vor allem richtige Bild der Gesamtsituation haben soll.

Da kann man gut sein wie man will, es wird trotzdem so etwas schief gehen, dass man eben echte Probleme hat es im Griff zu behalten...

Daher, selbst wenn es absolut klar sein sollte, dass die Piloten in diesem Flieger tatsächlich diese vorher genannten Fehler gemacht haben, sollte und muss weiter gesucht werden, ob nicht auch an anderen Stellen diese Fehler erst möglich gemacht, bzw. begünstigt haben (A/C-Design, Operationelle Prozesse, usw.)

Dieser Beitrag wurde am 08.09.2016 13:53 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 07.09.2016 - 17:13 Uhr
Hallo, nur ganz kurz: ich verfolge hier immer sehr gespannt die Diskussionen zu den verschiedensten Themen. Ich bin seit 27 Jahren am fliegenden Gerät tätig, aber sitze nie im Flugzeug vorn, wenn es dann fliegt. Genau deswegen liegt mir viel daran, dass auch in Zukunft fliegendes Personal hier Meinungen teilt! (Gerade bei so einem Thema.) Damit das so bleibt, geht Euch doch nicht immer so an, es kann nicht jeder immer Recht haben!
Danke sehr!


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