Verimi
Älter als 7 Tage

Lufthansa greift nach Kundendaten

KÖLN – Die Lufthansa ist der Datenallianz Verimi beigetreten. Damit erleichtert sie ihren Passagieren die Abwicklung von Online-Buchungen und erhält Zugriff auf Daten tausender Kunden anderer Unternehmen. Verimi soll Vorbilder aus den Vereinigten Staaten mit europäischem Datenschutz in Einklang bringen.

Die Verimi GmbH wurde im Mai 2017 mit dem Arbeitstitel DIPP von Axel Springer, Daimler, der Deutschen Bank, der Allianz sowie den Technologie-Unternehmen Core und Here-Technologies ins Leben gerufen.

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Unter Lufthansa-Chef Carsten Spohr wird der Kranich digitaler, © Lufthansa

Erklärtes Ziel der Schwergewichte: Internet-User in Deutschland sollen sich einen digitalen "Generalschlüssel" anlegen, mit dem sie sich zentral in die Nutzerbereiche aller teilnehmenden Unternehmen einloggen können.

Vergleichbare Dienste gibt es bereits, etwa die Funktion "mit Facebook anmelden" oder "pay with amazon". Hier wandern Nutzerdaten allerdings direkt in die USA und entgleiten der Kontrolle europäischer Datenschützer.

Landesgrenzen für Daten

Die Lufthansa und andere Mitglieder der Datenallianz werben damit, dass sie an europäische Datenschutzrichtlinien gebunden seien und die Daten die EU nicht verlassen. Außerdem kann der Nutzer laut Verimi selbst entscheiden, welchem Unternehmen er welche Daten zur Verfügung stellen möchte.

Daher der Name, der sich an die englischen Wörtern "verify" und "me" anlehnt. "Verimi hat das Potenzial, höchste Standards bei Datenschutz und Sicherheit mit Nutzerfreundlichkeit zu kombinieren", sagte Lufthansa Vorstandsmitglied Harry Hohmeister.

Neben der Lufthansa sind Verimi auch die Telekom und die Bundesdruckerei beigetreten. Verimi könnte Bürgern also in unbestimmter Zukunft ermöglichen, auch Behördengänge via Internet zu erledigen.

Share-Economy mit Kundendaten

Mit ihrem Beitritt zu Verimi erhält die Lufthansa Zugriff auf Datensätze außerhalb ihres eigenen Kundenkreisen. Geteilte Informationen, die Gold wert sind. Besonders, sobald die neue europäische Datenschutzgrundverordnung und die sogenannte E-Privacy-Verordnung ab Mai 2018 in Kraft treten.

Dann wird es für die Unternehmen rechtlich schwieriger werden, das Verhalten ihrer Nutzer mit Werkzeugen wie Cookies oder Tracking nachzuverfolgen. Verimi soll zum Jahreswechsel 2017/2018 an den Start gehen.
© aero.de (boa) | Abb.: Deutsche Lufthansa AG | 02.09.2017 09:18

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Beitrag vom 04.09.2017 - 21:41 Uhr
@gpower schrieb
Das man bei Barzahlung möglicherweise irgendwo auf dem Schirm auftaucht, das ist ein grundsätzliches Thema, losgelöst von Airlines.
Ich wollte damit auch nur sagen, das man mit umgehen des einen Problems ein anderes heraufbeschwören kann.
Beitrag vom 04.09.2017 - 08:46 Uhr
@EricM
Danke, ging mir ja auch nur die Relativierung. Ob Bigdata gut oder schlecht ist ist ein eigenes Thema.

@FrequentC
Das sind zwei völlig verschiedene Schuhe.
Der Vorwurf war, das LH als böser Monopolist exklusiv als Datenkrake unterwegs ist und damit Schindluder betreibt. Dem ist so nicht. Zum einen sind sie nicht die einzigen, die mit Kundendaten arbeiten. Das ist mit allen Daten so, die man bei einer Transaktion hinterlässt. Zum anderen ist man ziemlich frei, welche Daten man bei seiner Buchung angibt. Sollten Daten zwingend notwendig sein, zB Passdaten, sind dies behördliche Vorgaben. Es gibt auch Verbindungen ohne Docs Check.
Was SSSS oder EU Version 2016/681 betrifft so sind dies behördliche Vorgaben die PNR Daten weiterzugeben und haben nichts mit dem Datenbedarf einer Airline zu tun. Das man bei Barzahlung möglicherweise irgendwo auf dem Schirm auftaucht, das ist ein grundsätzliches Thema, losgelöst von Airlines.
Beitrag vom 04.09.2017 - 06:48 Uhr
Zwingt Sie ja keiner, gehen Sie ins Reisebüro und kaufen Ihr Ticket und zahlen bar. Sonst alles andere auch im Tante Emma Laden um die Ecke.

Ich erkenne ja die Problematik, aber mir geht es um das Thema LH. Alle machen das mehr oder weniger intensiv oder öffentlich. Jetzt hat man mal drüber gesprochen und die bösen Monopolisten leiten den Untergang ein. Das ist doch Unsinn.

Ja, stimmt, nachdem ich mich bei Verimi etwas eingelesen habe, möchte ich meine Aussage von weiter oben ändern.
Bei Vermiri geht es wohl tatsächlich primär um SSO und vom Kunden hinterlegte Daten.
Gerade der geteilte Zugriff auf Kundendaten, die laut dem Artikel "Gold wert sein sollen" findet bei Verimi weitgehend unter der Kontrolle eben jenes Kunden statt, wenn man den Aussagen des Betreibers glaubt. Die AGBs habe ich aber noch nicht gelesen ...

Da die bekannten SSO Alternativen aber nur Google und Facebook heißen, kann es prinzipiell schon mal nicht schlimmer werden als der aktuelle Zustand schon ist.

Habe mich da wohl etwas zu sehr von dem Titel der Meldung und der Tatsache dass Springer auch mitmacht, triggern lassen und das Ganze als unseriös verworfen - Guilt by Association ... Sorry.

Dieser Beitrag wurde am 04.09.2017 06:50 Uhr bearbeitet.


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