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Air Berlin ermuntert Piloten trotz Krankschreibung zur Arbeit

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Air Berlin Airbus A319, © Michael Lassbacher

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HAMBURG - Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat krankgeschriebene Piloten, die sich wieder fit fühlen, zur Rückkehr an den Arbeitsplatz aufgefordert.

Das geht aus einer internen Mitteilung aus dem Intranet des Unternehmens hervor, die der "ZEIT" vorliegt:

"Viele Arbeitnehmer denken, dass es verboten ist, während der Krankschreibung an den Arbeitsplatz zurückzukommen und zu arbeiten. Ein Mythos... Ein Mitarbeiter kann also auch vor Ablauf der Krankschreibung wieder arbeiten gehen - und er sollte das sogar, soweit mit seinem persönlichen Befinden vereinbar, wenn er vorzeitig wieder arbeitsfähig ist."

Unterschrieben ist das Schreiben mit: "Viele Grüße, Ihr Flugbetrieb."

Ein langjähriger Air-Berlin-Pilot kritisiert die Aufforderung scharf. "Diese Art, mit dem Personal umzugehen, ist neu", so der Air-Berlin-Pilot, dessen Name der "ZEIT" bekannt ist, der aber aus rechtlichen Gründen um Anonymität gebeten hat. "Das Motiv unseres Arbeitgebers war wohl, Mitarbeiter, die sich aus Frust krankschreiben lassen, zu ermuntern, schnellstmöglich wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Aber pauschal zu sagen: 'Leute kommt vorzeitig aus der Krankschreibung zurück, wenn Ihr Euch gut fühlt!', das halte ich für gefährlich. Der Arbeitgeber ist sogar haftbar, wenn dann etwas passiert."

In der vergangenen Woche hatten sich rund hundert Piloten überraschend krankschreiben lassen. Der hohe Krankenstand war als Protest gewertet worden. Air Berlin bestätigt den Inhalt der Mitteilung gegenüber der ZEIT. Das Unternehmen fordere "keinen auf, krank zur Arbeit zu kommen, sondern nur, wenn er wieder gesund ist".
© Die ZEIT, ots | 21.09.2017 08:30

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Beitrag vom 22.09.2017 - 12:21 Uhr
Damals hieß es direkt, "Wie konnte man nur?", "wieso wusste das keiner, dass der nen gelben Schein hat" usw.
Es wurde direkt die dicke Keule geschwungen, man wollte die ärztliche Schweigeplficht bei PIloten abschaffen, es sollte alles direkt ans LBA gehen, die Kankmeldung sollte nicht mehr über den Mitarbeiter selbst, sondern vom Arzt direkt an die Firma geschickt werden usw...
Jetzt, kaum 2,5 Jahre später fordert man öffentlich, für alle vernehmbar auf, trotz gelbem Schein wieder fliegen zu gehen.
Und alle damals Involvierten, die o.g. Konsequenzen (und noch mehr) forderten, schauen nun seelenruhig zu.

Wo ist der Ausfschrei der Politik? Wo ist der Aufschrei der Bevölkerung wie damals?
Ach, ich vergaß: Man möchte ja in Ruhe in den Urlaub, da macht das plötzlich nichts mehr aus, wenn man selbst von evtl. Streichungen betroffen ist. Damals waren es ja "nur" die Anderen.
Was eine Scheinheiligkeit.
Beitrag vom 22.09.2017 - 10:50 Uhr
Oops --- Wie geht denn das auf einmal?
Diese Konstellation hatten wir doch gerade, dass „ein Pilot, der sich gut gefühlt hat“ dann mit Krankschreibung trotzdem geflogen ist.
.
Wo ist denn jetzt die kritische Diskussion zu solchen Meldungen geblieben? Nur weil es um die Existenz einer Airline geht, schauen und hören alle weg, was hier gefordert wurde?
War nicht der Stand, dass hier härtere Gesetze und eine schärfere Überwachung her müssen, damit genau das nicht mehr passieren sollte, dass krankgeschriebene Piloten trotzdem weiter fliegen!?
.
Wo ist denn jetzt unser Verkehrsminister Dobrint und wo sind die Aufsichtsbehörden und die Medienvertreter, wenn dann so eine Meldung nach dem German Wings Crash noch einmal herauskommt
.
Das klingt eher nach der gelebten Praxis, dass das Verhalten von A. Lubitz von offizieller Seite eigentlich gewünscht wurde und gemäß dieser Meldung auch weiterhin so gewünscht wird!
Beitrag vom 21.09.2017 - 09:10 Uhr
Ist ja sehr interessant, dass die Piloten aufgefordert werden zu kommen, die Flüge dann aber teilweise nicht durchgeführt werden, obwohl die Crew an Board ist. Ein befreundeter Pilot hat sogar erzählt, dass Crews wieder aus den Fliegern zurückbeordert wurden, weil der Flug einfach gestrichen wurde. Die Vorbereitungen für den Flug liefen allerdings schon.

Meiner Meinung nach hat das den Anschein, als ob man versucht das ganze wieder auf die ach so bösen Piloten abzuälzen, um den eigenen Plan durchzudrücken. Nicht umsonst haben am Wochenende die Crews öffentlich am DUS Flugbereitschaft signalisiert, um zu zeigen, dass nicht wegen ihnen die Flüge gestrichen werden.


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