Kommentar zu Air Berlin
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Riskanter Anflug auf Frankfurt

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Air Berlin Airbus A319, © Michael Lassbacher

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WIEN - Als der Poker um Air Berlin in die entscheidende Runde ging, hat kein Mitbieter gepasst. Dennoch verhandelt Air Berlin ausschließlich mit Lufthansa. Der unterlegene Interessent Hans Rudolf Wöhrl reagierte empört auf die Vorentscheidung zugunsten der Frankfurter. Jetzt drohen Klagen.

Man habe "zu keinem Zeitpunkt ernsthaft eine andere Lösung als die Zerschlagung und die Zuteilung der Fragmente an Lufthansa und einige weitere Bieter" verfolgt, kritisierte Wöhrl am Freitag. Das von seiner Intro-Verwaltung erarbeitete Konzept einer Komplettübernahme sei nie ernsthaft geprüft und gezielt diffamiert worden.

Der wichtigste Faktor ist inzwischen die Zeit. Sollte Brüssel Air Berlin in die Warteschleife schicken, könnte den Berlinern auf ihrem finalen Flug nach Frankfurt noch vor der Landung der "Sprit" ausgehen. Spätestens Ende Oktober sei der Notkredit von 150 Millionen Euro verbraucht, heißt es im Umfeld der Airline. Entsprechend knapp ist der Zeitraum für Verhandlungen. Am 12. Oktober soll der Handel unter Dach und Fach sein.

Wie Mitbieter Niki Lauda am Freitag andeutete, könnte Air Berlin auf dem Weg zu Lufthansa sogar noch einen Umweg über Wien nehmen. Lauda vermutet, dass bis zu 90 Air-Berlin-Flieger erst unter den Mantel von NIKI schlüpfen, bevor Lufthansa die noch solvente Air Berlin-Tochter übernimmt.

Am Donnerstag beschloss die Gläubigerversammmlung, mit Lufthansa exklusive Verhandlungen zu führen. Damit bleiben Angebote von Lauda und Wöhrl erstmal außen vor, ebenso die Offerte der IAG. Easyjet und Condor dürften hingegen noch im Rennen sein.

Abgewiesene Bieter könnten nun versuchen, den Zusammenschluss von Lufthansa und Air Berlin mit Kartellklagen zu verzögern, und manche - etwa Utz Claassen - wollen das auch tun. Auch wenn Lufthansa-Chef Carsten Spohr kalmiert, der Markt bliebe auch nach einer Übernahme weit offen.

Allerdings summieren sich allein am Standort Wien die Marktanteile der Alrlines von Lufthansa und Air Berlin bereits jetzt auf 70 Prozent. Neuer Wettbewerb wäre nicht nur durch desaströse Überkapazitäten gehemmt, es fehlt auch an Kapazitäten in der Infrastruktur, am Boden wie in der Luft. Zum Fliegen braucht es attraktive Slots, und um die geht es hier - in erster Linie.

Ähnlich wie bei der Übernahme der britischen Lufthansa-Tochter BMI durch British Airways könnte Lufthansa daher gezwungen werden, Start- und Landerechte an Konkurrenten aufzulassen. Bundesregierung und Lufthansa mögen sich längst einig sein, entschieden wird die Übernahme aber letztlich in Brüssel.
© Bob Gedat/aero.at | Abb.: Ingo Lang | 23.09.2017 19:58


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