Buenos Aires International Airlines
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Geister der Vergangenheit

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Auszug aus der Begründung der Argentinischen Luftfahrtbehörde zur Anerkennung von 178 Routen für BAIA, © ANAC

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BUENOS AIRES - Zwei umstrittene Brüder nähren die mysteriöse Aura der Buenos Aires International Airlines (BAIA). Die tut alles, um eine Verbindung mit ihnen zu bestreiten - mit mäßigem Erfolg. Über ein Luftfahrtphantom, das die Erlaubnis hat, den argentinischen Luftraum auf 178 Strecken zu erobern.

Ihre Routen will Buenos Aires International Airlines (BAIA) eher sporadisch bedienen, manche nur zwei Mal pro Monat. Sie verspricht, Touristen nach Argentinien zu holen - aus den USA, aus Europa und aus Urlaubsorten wie den Kapverden und den Karibischen Inseln. Eine Billigairline möchte sie dabei nicht sein.

Bewerkstelligen möchte die BAIA das zunächst mit zwanzig Boeing 737 Max und 737-800 sowie 14 Airbus A350. Das berichtete der Chef der Airline, Diego García Laborde, im September 2017 auf der öffentlichen Anhörung vor der Argentinischen Luftfahrtbehörde ANAC, bei der alle interessierten Airlines Routen beantragen und ihr Konzept vorstellen konnten.

"Wir fangen mit sechs oder sieben Flugzeugen an und fügen dann monatlich eines hinzu", ergänzte er im Interview mit dem Nachrichtenportal "Todo Noticias". 134,6 Millionen US-Dollar will BAIA demnach investieren und kündigt an, bis zu eine Milliarde US-Dollar an Devisen zu generieren.

Startkapital der Airline: 100.000 US-Dollar. Wem gelingt es, einer Regierungsbehörde ein solches Konzept zu verkaufen? Die BAIA wird am 30. Januar 2017 ins Firmenregister eingetragen. Als Präsident steht dort Eduardo Adolfo Loioco, sein Stellvertreter ist sein Sohn Francisco.

Männerfreundschaft fürs Firmenregister

Die beiden betreiben eine Anwaltskanzlei, deren Auftritt im Zusammenhang mit einer Airline in der argentinischen Branche Verwunderung auslöst: niemand kennt sie.

"Ich kenne Eduardo aus dem Rennsport. Er ist ein sehr renommierter Anwalt und ein feiner Kerl. Seine Familie fuhr Tourenwagen Masters und Motorboot. Wir haben uns angefreundet", erzählt BAIA-Chef Laborde freimütig gegenüber "Todo Noticias". Eine hemdsärmelige Männerkooperation?

Am 15. Februar 2017 wird das Firmenregister ergänzt. Oscar José Queimadelos ist seither Vizepräsident der Airline, Horacio Ricardo Statuto ihr Direktor, Francisco Loioco bleibt stellvertretender Direktor.

Neue Namen, unverbrauchte Gesichter. Dennoch hält sich in der Branche ein Verdacht hartnäckig: hinter der Airline könnten die Maggio-Brüder stecken. Wer sind sie und falls sie tatsächlich mit BAIA verquickt sind - warum engagieren sie sich nicht öffentlich?

Southern Winds

Die Juristen Juan und Christian Maggio waren die Besitzer von Southern Winds. Jene Airline folgte der staatlichen Aerolíneas Argentinas Ende der neunziger Jahre dicht auf den Fersen.

Inmitten der Wirtschaftskrise trafen die Maggios eine Vereinbarung mit der Regierung Fernando de la Rúas, dass sie mit Staatshilfe die Mitarbeiter der bankrotten Airlines Dinar und Lapa übernehmen würden. Den Brüdern gelang es auch, den milliardenschweren Magnaten Eduardo Eurnikan an Bord zu holen.

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Das Logo von Southern Winds, die inzwischen zum Verkauf steht., © Wikipedia

Dennoch geriet auch Southern Winds ins Straucheln und verkleinerte nach und nach ihre Flotte. Die Ankunft des Flugs 6420 am 14. September 2004 am Madrider Flughafen Barajas bedeutete für die Airline schließlich den Todesstoß: darin fand die Polizei zwei Koffer, die mit insgesamt 60 Kilogramm Kokain beladen waren.

Zwar zeigte Christian Maggio den Fund bei den argentinischen Behörden an - jedoch anonym und zehn Tage zu spät. Das machte ihn vom Zeugen zum Verdächtigen. Seither versucht das argentinische Journalistenportal "periodicotribuna.com.ar" Verbindungen der Maggios und der späteren Präsidentenfamilie Kirchner zur Drogenszene nachzuweisen.

Im Jahr 2013 wurde das Verfahren gegen Juan und Christian Maggio wegen der beiden Drogenkoffer eingestellt. Verurteilt wurden die Brüder zwischendurch wegen Steuerhinterziehung.

Schon vor 2013 flackerten wiederholt Meldungen auf, das Juan Maggio versucht, die Flotte von Southern Winds wieder aufzubauen. "Er nimmt das persönlich, wie eine Art Kreuzzug in Don Quijote-Manier”" zitierte der "Cronista" 2009 eine Quelle aus dem argentinischen Planungsministerium in diesem Zusammenhang.

Ein Jahr zuvor hat das argentinische Transportministerium Juan Maggio die Flugerlaubnis entzogen. Der Staat war der Ansicht, dass Southern Winds weder die technischen noch die finanziellen Möglichkeiten hat, den Betrieb wieder aufzunehmen. Und selbst, wenn er die Erlaubnis zurückbekäme, schreibt der "Cronista“ 2009, würden ihm die Routen fehlen.

BAIA-Chef mit Southern Winds-Vergangenheit

Nun präsentiert sich mit BAIA 2017 eine neue Airline vor der argentinischen Luftfahrtbehörde ANAC, die sich über einen Mangel an Routen nicht beklagen kann. Ist es der versteckte Versuch der Maggios, wieder aufzusteigen?

"Ich habe keine Ahnung, woher sie (die Medien, Red.) diese Information verdammt nochmal haben. Maggio habe ich seit Jahren nicht gesehen", sagt BAIA-Chef Laborde, der früher in den Diensten von Southern Winds stand. "Ich bin ein Ex-Southern-Winds, viele, die dort gearbeitet haben, lieben das Unternehmen und sein Ende hat sie sehr geschmerzt. Juan hat keinen Cent, aber er hat Ahnung, also ziehen sie ihn manchmal zu Rate."

Wer ist "sie"?

Seabury Solutions, ein internationales Flugzeugsoftware- und Finanzunternehmen, ist laut Laborde auf der Suche nach Investoren für BAIA. Seabury Solutions hat die Betreuung der BAIA auf aero.de-Anfrage bisher nicht bestätigt.

Ein Manager namens Maggio

Das Unternehmen kaufte 2015 das in Córdoba ansässige Unternehmen für Flugzeugsoftware Volartec. Der Besitzer von Volartec: Christian Maggio. Der heutige Managementdirektor von Seabury Solutions: Christian Maggio. Seit November 2017 steht Southern Winds zum Verkauf, zu einem Preis von 60.000 US-Dollar.

Die Airlines, die sich im September 2017 vor der ANAC präsentierten, haben 180 Tage Zeit, mit der Umsetzung ihrer Pläne zu beginnen. "Nehmen Sie schon Mitarbeiter unter Vertrag?", fragt der Journalist von "Todo Noticias" BAIA-Chef Laborde im September 2017.

"Anstellen tun wir niemanden, aber wir haben einige Leute in Córdoba und Buenos Aires und wir rufen einige an. Wir werden anfangen zu suchen. Es wird auf den letzten Drücker geschehen, wie immer. Piloten anstellen, Zeitpläne aufstellen und den Betrieb aufnehmen. Man muss auch Geduld haben. Aber wenn das weitergeht, wird es ein vorher und ein nachher geben. Das wird Passagiere nach Argentinien bringen", antwortet der.
© aero.de (boa) | Abb.: aero.de | 25.12.2017 10:03


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