SAATM
Älter als 7 Tage

Afrika arbeitet an einem gemeinsamen Luftraum

ADDIS ABEBA - Wer von Nigerias Hauptstadt Abuja nach Nairobi fliegen will, muss womöglich einen Zwischenstopp in Dubai einlegen. Die Reise von Algerien nach Kamerun führt wahrscheinlich über Istanbul. Fliegen in Afrika ist umständlich, langwierig, nervenaufreibend und teuer. Das soll sich ändern.

Und von Marokkos Hauptstadt Rabat in die ghanaische Hauptstadt Accra sind bei günstigen Verbindungen nicht eine, sondern zwei Flugzeugwechsel in europäischen Städten nötig. Das liegt vor allem an den geschlossenen nationalen Märkten: Bei der Planung von Flügen in Afrika kann man Protektionismus hautnah erleben.

Jeder will seinen Markt schützen - am Schluss verlieren nach Ansicht von Experten alle. "Der Kontinent kann nicht abheben, während die Startbahn noch unvollständig ist", schreibt der Afrika-Vize des internationalen Airline-Verbands IATA, Raphael Kuuchi.

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Ethiopian Airlines Airbus A350-900, © Airbus

Anders als in Europa gibt es keinen einheitlichen afrikanischen Luftraum. Daher kann eine Airline ein Land in Afrika nur anfliegen, wenn die jeweiligen Regierungen ein bilaterales Abkommen haben. Unvorstellbar ist es etwa, dass afrikanische Fluggesellschaften Verbindungen zwischen einem Zweit- und Drittland anbieten, wie etwa die irische Ryanair mit Flügen von Deutschland nach Griechenland.

"Wir könnten nicht diese Art von bezahlbarem Fliegen anbieten, wie es Ryanair und Easyjet in Europa machen", sagte der Chef der Ethiopian Airlines, Tewolde Gebremariam.

Von Yamoussoukro zu SAATM

Das soll sich nun ändern. Mit der Initiative "Single African Air Transport Market" (SAATM), die am Sonntag in Addis Abeba gestartet werden soll, wollen die Staaten der Afrikanischen Union (AU) einen gemeinsamen Luftraum bilden. Doch die Skepsis ist groß, ob die Länder das Abkommen dann auch wirklich umsetzen werden.

Bereits vor knapp 20 Jahren haben sich 44 afrikanische Länder mit dem sogenannten Yamoussoukro-Abkommen erstmals zur Liberalisierung ihrer Märkte verpflichtet. Dies wurde aber nur schleppend praktiziert. Auch heute fehlen der AU noch die Mittel, um ein solches Abkommen durchzusetzen.

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South African Airbus A330-200, © Airbus S.A.S.

Dabei ist das Potenzial für den Luftverkehr in Afrika groß. Viele Länder haben ein relativ hohes Wirtschaftswachstum, die Städte boomen, die Mittelschicht wächst. Nach Schätzungen der IATA werden bis 2036 etwa 274 Millionen zusätzliche Menschen in Afrika fliegen.

Doch ausschöpfen konnten afrikanische Fluggesellschaften dies bislang nicht. Nur rund 20 Prozent aller Passagiere, die von oder nach Afrika reisen, würden mit Airlines des Kontinents fliegen, sagt Gebremariam. Der Rest nutzt demnach nicht-afrikanische Fluggesellschaften.

Airlines zahlen bei jedem Passagier drauf

Ein einheitlicher Luftraum würde das Fliegen auf dem Kontinent schlagartig erleichtern. Wenn nur 12 wichtige afrikanische Länder ihre Märkte öffneten, könnten die Ticketpreise um 35 Prozent sinken, und fünf Millionen Afrikaner könnten sich das Fliegen leisten, wie eine Studie der Beratungsfirma InterVistas im Auftrag der IATA ergab.

Derzeit sind afrikanische Fluggesellschaften schlecht aufgestellt. Die Airlines machten 2016 nach IATA-Angaben pro Passagier einen Verlust von 1,61 Dollar. Im Vergleich dazu verbuchten europäische und nordamerikanische Airlines Gewinne von 8,86 beziehungsweise 18,10 Dollar je Fluggast.

Eine der wenigen afrikanischen Gesellschaften, die sich international behaupten können, ist das staatliche Star-Alliance-Mitglied Ethiopian Airlines. Äthiopien habe sehr liberale Abkommen mit einzelnen Ländern abgeschlossen, die etwa auf gegenseitige Flugverbindungen setzten, heißt es in der InterVistas-Analyse.

"Dies hat dazu beigetragen, dass Ethiopian Airlines eine der größten und profitabelsten Fluggesellschaften in Afrika geworden ist." Ein weiterer wichtiger Player auf dem Markt, Südafrikas staatliche Linie South African Airways, fliegt indes von einem Rettungskredit zum nächsten.

Bereits 23 Länder haben dem gemeinsamen Luftraum zugestimmt. Die AU hofft, dass dieser Handel, Investitionen und Tourismus ankurbeln wird. 300 000 Jobs sollen direkt, zwei Millionen indirekt entstehen. Gebremariam sieht die Verantwortung vor allem bei den Regierungen. "Hier in Afrika gibt es den Irrglauben, dass Fliegen das Reisemittel des reichen Mannes ist", sagt er. Diese Einstellung müsse sich ändern. "So kann das Fliegen nie richtig der Öffentlichkeit dienen."

Der Luftfahrtindustrie in Afrika stehen aber noch mehr Hindernisse im Weg: hohe Steuern, politische Instabilität, komplizierte Visaregeln und mangelnde Investitionen in die Flughäfen. In Juba, der Hauptstadt des Bürgerkriegslands Südsudan, dienen zwei Zelte als Terminal. Und selbst in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, musste der Airport der Hauptstadt Abuja im vergangenen Jahr für sechs Wochen geschlossen werden: Es waren zu viele Schlaglöcher in der Landebahn.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Airbus | 26.01.2018 08:29

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Beitrag vom 26.01.2018 - 19:39 Uhr
[...] durch den Westen. [...] Aber dass es auch anders geht zeigen die Chinesen in Afrika und anderswo. [...]

Meine Güte! Geballte Naivität gepaart mit der bei uns schon länger schicken Selbstkasteiung.

Dieses "der Westen ist Schuld" ist zudem ziemlich anmaßend, da es den Leuten vor Ort eine gewissen Handlungsfähigkeit abspricht und unseren Heimatländern einen abstrus weitreichenden Einfluss andichtet.

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2018 19:42 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 26.01.2018 - 15:56 Uhr
China ist so fair in Afrika wie die Belgier in Belgisch Kongo.
China unterstütz dort nur die eigenen Intersssen - nur härter als im eigenen Land.

Die Afrikaner sind im Fingerhakel genauso gut wie die europäischen Politiker. Sie betuppen sich bzw. die Schwächeren auch nach Strich und Faden.
Beitrag vom 26.01.2018 - 15:07 Uhr
Man muß eher sagen Versagen bei der wirtschaftlichen Förderung durch den Westen. Sicher sind all die genannten Probleme richtig. Aber dass es auch anders geht zeigen die Chinesen in Afrika und anderswo.

Die Chinesen sind ja so fair. Respektieren immer das geistige Eigentum von anderen und sind auf der Welt nur als Samariter unterwegs. Tibet, Südchinesisches Meer und weltweit Bauprojekte, die aber nur von chinesischen Firmen ausgeführt werden.

Wenn der Westen mal anfinge sich fair mit den Afrikanern zusammenzufinden, ohne nur auf die eigenen Vorteile zu schielen, dann könnte es in Afrika auch besser laufen. Dies wird aber so oder so ein langer Weg werden, bis Afrika seine Probleme überwindet. Hierbei kann ein liberalisierter Luftverkehr durchaus die Grundlage bilden, ausgehend von den Ländern denen es bereits besser geht.

Die Probleme der afrikanischen Airlines sind hausgemacht. Da würde nichts besser laufen, wie auch immer wir uns verhalten.


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