Nach Wirbelschleppenvorfall
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Das zweite Leben der Challenger 604

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Die Nase der Challenger 604., © aero.de (boa)

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NÜRNBERG - Flugtauglich ist die Challenger 604 nicht mehr, seitdem sie Anfang 2017 in die Wirbelschleppen einer A380 geriet und die Crew einen Absturz knapp verhindern konnte. Doch die Maschine hat eine neue Verwendung gefunden. Die FAI Aviation Group nutzt einzelne Teile für ihre Flotte. Ein Besuch.

Die Passagiere der Bombardier Challenger 604 (CL-600-2B16) hatten möglicherweise mit ihrem Leben bereits abgeschlossen. Nur eine Minute, nachdem ein Airbus A380 den Business-Jet überflogen hatte, verlor der Jet laut Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) 8.700 Fuß Höhe und drehte sich mehrmals um seine Längsachse.

Es gelang den Piloten, die Maschine zu stabiliseren und zwei Stunden später auf dem Flughafen Muscat im Oman sicher notzulanden.

Bombardier hat nach dem Vorfall festgestellt, dass die Flugzeugstruktur nicht mehr in einen lufttüchtigen Zustand gebracht werden kann, da sie bei dem Ereignis Beschleunigungswerte erreicht hat, die jenseits des konstruktiven Limits lagen.

Nach Wirbelschleppenvofall: Das zweite Leben der Challenger 604
Die Nase der Challenger 604. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Einige Armlehnen sind nach dem Incident verbogen. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Zwei der Sitze kann die FAI in andere Maschinen ihrer Challenger-Flotte einbauen, wenn dort Sitze zur Wartung müssen. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Der Innenraum der Challenger 604. Die Zelle ist nicht mehr flugtauglich. Die FAI wird sie als Mockup für ihr medizinisches Personal aufstellen. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Das Cockpit der gebeutelten Challenger 604. Die elktronischen Geräte sind größtenteils nicht mehr verwendbar. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Das Fahrwerk kann FAI für ihre Flotte noch verwenden. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Für den Transport schnitt das FAI-Techniker-Team die Tragflächen der Challenger 604 ab. Zehn Zentimeter Platz blieb auf diese Weise auf beiden Seiten zum Rumpf der Antonov. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Das Seitenruder haben die Techniker vor dem Transport ebenfalls entfernt. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Ein Triebwerk der Challenger 604 kann die FAI noch verwenden. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Ein Triebwerk der Challenger 604 kann die FAI noch verwenden. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Ein Triebwerk ist bei dem Incident mit der A380 heiß geworden. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Der Innenraum einer intakten Challenger der FAI-Flotte, die für Ambulanztransporte genutzt wird. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Der Innenraum einer intakten Challenger der FAI-Flotte, die für Ambulanztransporte genutzt wird. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Das Cockpit der intakten Challenger der FAI-Flotte. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604
Siegfried Axtmann, Chef der FAI, vor der Challenger 604. (© aero.de (boa))
FAI Challenger 604


Inzwischen ist die Challenger 604 in Nürnberg. Wie kam es dazu? "Die Versicherung ist an uns herangetreten und hat uns die Maschine angeboten", erzählt Siegfried Axtmann, Chef und Inhaber der FAI Aviation Group. "Wir haben ein Gebot abgegeben und die Maschine inspiziert."

Dabei ging es den FAI-Technikern darum, abzuschätzen, ob sich der Aufwand lohnen würde, die Challenger aus dem Oman nach Deutschland zu holen. Sie befanden: es lohnt sich.

Ende November 2017 flog ein vierköpfiges Team in den Oman und bearbeitete die Challenger derart, dass sie in die Antonow 124 passte, die sie schließlich nach Nürnberg transportierte. Dafür mussten die Techniker die Tragflächen abschneiden. "Auf jeder Seite blieben so noch zehn Zentimeter Abstand zum Bauch der Antonow", erinnert sich Axtmann.

Organspender

Trotz des strukturellen Schadens kann die FAI einige Komponenten für ihre Challenger-Flotte verwenden, so eines der Triebwerke etwa und das Fahrwerk. Die Sitze wird die Fluggesellschaft in andere Flugzeuge einbauen, während deren Sitze gewartet werden.

Der Wiederverwertung steht nichts entgegen, die FAI muss lediglich angeben, dass die Teile aus einem Flugzeug stammen, das in einen Incident verwickelt war. Bestimmte Komponenten werden zum Überholen samt Rezertifizierung zum Hersteller geschickt.

Ein Flugzeug zu kaufen, um es auszuschlachten und die Teile an andere weiterzuverkaufen - für Axtmann im Fall der Challenger keine gewinnbringende Idee. "Für uns war diese Geschichte lohnenswert, weil die Teile in unsere Flotte passen."

Und selbst für die fluguntaugliche Zelle gibt es bei der FAI Verwendung: sie wird dem medizinischen Personal der FAI Aviation Group als Mock-up zum Üben für zukünftige Einsätze dienen. Die FAI bestreitet 75 Prozent ihrer Flugstunden mit weltweiten Ambulanztransporten. Fünf Challenger 604 und 605 hat sie zu diesem Zweck in ihrer Flotte.
© aero.de (boa) | Abb.: aero.de (boa) | 09.02.2018 13:57


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