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Wie Qatars QSuite "Business Class“ neu definiert

DOHA - Bescheiden gibt sich Qatar Airways nicht, wenn sie ihr neues Premium-Produkt als "die beste Business Class der Welt" oder wörtlich "First in Business" anpreist. Wer die Messlatte derart hoch ansetzt sollte darauf achten, dann auch zu liefern. Andreas Spaeth hat die QSuite getestet.

Ausnahmsweise ziehe ich hier meine Wertung an den Anfang eines Produkttests vor: Ja, ich bin klar der Meinung dass Qatar Airways mit ihrer QSuite die derzeit beste Business Class der Welt gelungen ist.

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Qatar Airways Airbus A350-1000, © Airbus

Selbst die jüngste Aufwertung der Business Class von Singapore Airlines in der A380 spielt nicht wirklich in der gleichen Liga, schon gar nicht Delta Air Lines, die jetzt ebenfalls in der A350 mit Schiebetüren in Business aufwartet. 

Ende Februar flogen erst 15 nachgerüstete Boeing 777-300ER mit der neuen QSuite, die im März 2017 auf der ITB in Berlin vorgestellt und auf der Pariser Luftfahrtschau im Juni erstmals in einem Flugzeug präsentiert wurde. Im Februar wurden auch die ersten beiden A350 mit der QSuite an Qatar ausgeliefert, darunter die weltweit erste A350-1000. 

Reguläre Flüge mit dem neuen Produkt nach Europa gibt es bisher nur zwischen Doha und London sowie Doha und Paris. Außerdem in die USA, bisher nach New York-JFK und Washington-Dulles, gefolgt im April von Chicago. Nach Frankfurt soll die QSuite ab Mai fliegen, nach München zum Herbst.

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Qatar Airways A350-1000 QSuite Business Class, © Andreas Spaeth
 
Wie anders die QSuite ist, zeigt sich schon beim Versuch, online einen Sitzplatz zu reservieren. Mein Nachtflug von Doha nach Paris-CDG ist beinahe voll, laut Sitzplan gibt es nur noch einen Platz innerhalb einer Vierer-Sitzgruppe in der Mitte. Genau die ist ja die so groß angepriesene Neuigkeit, dass man dort zu zweit oder auch zu viert gemeinsam reisen kann. 

Ich hätte lieber einen Fensterplatz, den es angeblich nicht mehr gibt. Aber den verfügbaren Platz im Viererabteil will mir das System auch nicht geben. "Ihre Buchung sollte minimal zwei Passagiere umfassen um einen der Vierersitze zu wählen", sagt mir eine aufploppende Anzeige. 

Was faktisch Unsinn ist, denn natürlich können hier auch Einzelreisende sitzen, dann werden alle Trennwände entsprechend ausgefahren. Ich spreche Qatar Airways-Chef Akbar Al Baker später darauf an, der sagt das müsse noch geändert werden. 

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Qatar Airways QSuite Business Class, © Andreas Spaeth
 
Am Ende erhalte ich am Flughafen tatsächlich einen Fensterplatz, auch wenn 11B normalerweise nicht am Fenster wäre. Hier schon, ich habe sogar drei Fenster für mich. Denn in der QSuite-Kabine sind durch die versetzte Anordnung alle A- und B- sowie J- und K-Sitze Fensterplätze, also jeweils auch die Gangplätze. Je Reihe ergibt sich damit eine 1-2-1-Bestuhlung. Nur das vorab herauszufinden ist bisher mangels Sitzplänen ziemlich schwierig.

Die Q-Suite in der Boeing 777-300ER

Hier die wichtigsten Fakten zur QSuite-Kabine in der Boeing 777-300ER: Von den 42 Suiten sind 20 mit Ausrichtung in Flugrichtung angeordnet (Reihen 2,4 und 6 sowie 8DG, 9BJ, 10DG und 11BJ). 

22 Suiten stehen entgegen der Flugrichtung: Reihen 1, 3 und 5 sowie 7EF, 8AK, 9EF, 10AK und 11EF. In sechs Reihen (1, 3, 5, 7, 9 und 11) gibt es in der Mitte jeweils zwei nebeneinander liegende Sitze (alle nach hinten ausgerichtet), die sich durch Versenken der Trennwand und sogar das Auspolstern der Lücke in echte Doppelbetten verwandeln lassen. Insgesamt fünf der Mittelinseln lassen sich auch gemeinsam als Vierergruppe buchen.

Flugbericht Qatar Airways
Airline
Qatar Airways
Flugzeugtypen
Boeing 777-300ER/Airbus A350-1000
Kabine
Business Class QSuite
Datum
19./21. Februar 2018
Route
Doha-Paris/Toulouse-Doha
Flug
QR41/QR3351
Ich komme in Doha spät abends nach einem fast zehnstündigen Tagflug aus Kapstadt an, der durch das von den Nachbarstaaten gegen Katar verhängte Embargo und den dadurch erzwungenen Umweg noch fast eine Stunde länger dauert. 

In die Lounge zu gehen bleibt keine Zeit, da in Doha nochmals eine viel kritisierte Sicherheitskontrolle für alle Umsteiger stattfindet und auch die vermeintlich "Fast Lane" für Premium-Passagiere ihrem Namen keine Ehre macht. Ich gehe direkt zum Paris-Gate, wo ich sofort an Bord gehen kann. 

Das Einsteigen inszeniert Qatar Airways dank des LED-Moodlighting-Systems auf besondere Weise, die Kabine liegt ziemlich im Dunklen, sehr effektvoll und dezent lilafarben beleuchtet sowie punktuell die einzelnen Suiten. Das Gefühl ist eher, einen exklusiven Nachtclub zu betreten, als eine Flugzeugkabine. 

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Qatar Airways QSuite Business Class, © Andreas Spaeth

Drei Jahre hat es gedauert, bis Qatar Airways und die Designagentur Priestman Goode die QSuite entwickelt und Rockwell Collins (bisher B/E Aerospace) sie gebaut hat. Jeder Passagier hat eine per Hand ohne großen Kraftaufwand bedienbare burgunderrote Schiebetür und damit einen abteilbaren eigenen Raum, in dem niemand stört, erst recht dann nicht, wenn man den „DND“-Knopf an der Konsole drückt – „Do not Disturb“. 

Neben dem Sitz befindet sich noch eine Art mit Stoff verkleidete Sitzecke, darin kann man wahlweise auch diagonal sitzen. Dafür ist das kleine der beiden Kissen gedacht mit der Aufschrift "This is my happy place“ auf Englisch und Arabisch. 

Auf dem geräumigen, fest installierten Tisch aus Marmor-Imitat liegt auch eine eingerollte Steppdecke in der Firmenfarbe Burgunder sowie eine hochwertige Waschtasche der Marke Bric’s.

Auch wenn jetzt ohne viel Licht nicht alle Details erkennbar sind macht die Suite mit ihren edlen Materialien einen sehr hochwertigen Eindruck. Neben dem Sitz befindet sich eine Art Konsole, die sich entweder nach oben ausfahren lässt und dann als Armlehne dient oder abgesenkt die Liegefläche verbreitert. 

Ihr gepolsterter Deckel lässt sich öffnen, zum Vorschein kommt ein geräumiges Staufach etwa für Handy oder Brille, hier sind auch eine Wasserflasche, der Kopfhörer und das Bordmagazin untergebracht. Gut gelöst und außerdem formschön. 

An der Kante der "Marmor“-Ablage befinden sich über Eck alle Schalter zur Bedienung der Sitzfunktionen. Nachteil gerade bei Nacht: Alle leuchten weiß, sind schwer zu unterscheiden, gerade für Fehlsichtige, die ihre Brille zum Schlafen abgesetzt haben. Leicht zu bedienen ist dagegen der 21,5-Zoll-Bildschirm in brillanter Auflösung, und zwar per Touchscreen oder über die Konsole in der Armlehne.

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Qatar Airways QSuite, © Andreas Spaeth

Ich fühle mich gleich wohl in meiner Suite, bitte um ein Glas Rosé Champagner (Billecart Salmon Brut) – Qatar Airways bietet ihren Premiumkunden als einzige Airline schon vor dem Start die Wahl zwischen Rosé und weißem Champagner. 

Ich bin allerdings um nach ein Uhr nachts Ortszeit todmüde und erschrecke bei der Information, dass der Flug nach Paris nicht einmal sechseinhalb Stunden dauern soll. Also gilt es, die Bettzeit zu maximieren. Ich putze mir schon vor dem Start die Zähne und schlüpfe in den sehr bequemen Schlafanzug von The White Company. 

Ich verschmähe jegliches Angebot der Menükarte (Suppe, Salat, Sandwich, Hühnerbrust mit Reis, Schkoladendessert) und fahre sofort nach dem Abheben, während unter uns die Skyline von Doha glitzert, mein Bett voll aus. 

Seltener Tiefschlaf

Die Liegefläche ist zwei Meter lang, der Sitz knapp 55cm breit. Keine Rekordmaße, aber dank der absenkbaren Armlehnen-Konsole wirklich geräumig. Als der Flugbegleiter kurz darauf erscheint und mit einem Schraubenzieher die vorher arretierte Schiebetür freigibt, ziehe ich diese zu, schalte das "DND“-Zeichen ein, breite die kuschlige, aber nicht zu warme Decke über mir aus und verfalle bald in Tiefschlaf. Das passiert mir selten beim Fliegen, egal wie müde ich bin. 

Die Geborgenheit der Suite, das gedämpfte Licht und kaum Umgebungslärm der gut voneinander abgeschotteten Abteile beschleunigen den Schlaf. Natürlich verschmähe ich auch das Frühstück zu früher Morgenstunde und schlafe bis etwa eine Viertelstunde vor der Landung. 

Da erst entdecke ich an den umliegenden Sitzen, dass ich nicht mal mein Bett vor dem Einschlafen mit dem angebotenen Polsterbezug hatte abdecken lassen, dann wäre es vielleicht noch Himmelbett-artiger gewesen. 

Netterweise bringt mir der Flugbegleiter noch Minuten vor dem Aufsetzen eine Tasse heißen Tee. Ich bedaure, dass die Nacht schon vorbei ist, als in Paris eisiger Winternebel vor meinem Fenster wabert.

Die Q-Suite in der A350-1000

Glücklicherweise habe ich noch eine zweite Chance, die QSuite bei Tage zu testen, als Qatar Airways zwei Tage später ihre erste A350 mit dem neuen Produkt erhält, gleichzeitig die weltweit erste A350-1000. 

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Qatar Airways QSuite Business Class, © Andreas Spaeth

Beim Einbau der Suiten hatte es jede Menge Verzögerungen gegeben, daher fand die Auslieferung erst zwei Monate verspätet statt. Bei einem Auslieferungsflug mit großem Medienrummel an Bord lässt sich vieles nicht mit einem Linienflug vergleichen. 

Dafür reist CEO Akbar Al Baker mit und zeigt mir persönlich einige der Funktionen der Suite, an deren Entwicklung er maßgeblich beteiligt war. Erst jetzt fällt mir auf, wie eigenwillig das Klapptischchen beim Ausfahren ist, da nirgends ein Knopf dafür erkennbar ist. 

Man greift unter die eingefahrene Tischplatte in eine Mulde, kaum als Hebel ertastbar, drückt dort ein wenig und dann lässt sich der Tisch herausziehen. Dafür ist der Tisch schön fest und eignet sich hervorragend zum Arbeiten am Laptop. 

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Qatar Airways A350-1000 QSuite Business Class, © Andreas Spaeth

Al Baker ist sichtlich ungehalten, dass das von ihm als "schnellstes Internet über den Wolken“ angepriesene WLAN nur sehr schleppend funktioniert. "Wir zahlen dafür“, schnaubt er und zitiert Bordtechniker zu sich. Die erklären, dass die Frequenzen erst ab März zur Verfügung stehen, der Flug fand noch im Februar statt. 

Das gilt allerdings nur für die Airbus-A350-Flotte, die weitaus größere Boeing 777-Flotte hat bisher keinerlei Internet-Anbindung, ein ganz wesentlicher Kritikpunkt auch bei ansonsten von der QSuite begeisterten Nutzern.

Ich sitze in der A350-1000, die 38 Suiten in der vorderen und acht in der zweiten Kabine bietet, zunächst am Gang in der Mitte auf einem nach vorn gerichteten Sitz, dann kann ich ans Fenster wechseln mit direktem Ausblick nach hinten auf Tragfläche und Triebwerk. 

Bei Tage betrachtet

Auch bei Tag bieten die Suiten ein extrem angenehmes Umfeld. Sogar auf einem Sonderflug mit naturgemäß viel Unruhe lässt sich durch das Schließen der Schiebetür eine erstaunliche Ruhe finden. 

Qatar Airways gibt sich anders als fast alle anderen Airlines bei solchen Flügen extreme Mühe, fertigt eigene Menükarten und sogar eigene Waschtaschen für diesen Anlass. Auch der Service soll alles bieten, was leider auf solchen Missionen oft schwierig ist. 

Es gibt sogar das Markenzeichen der QSuite-Service, die Snack-Teller (sechs verschiedene Kleinigkeiten inklusive eines Mini-Brownies), die zum Teilen in den Viererabteilen gedacht sind, die man aber auch als Einzelreisender in kleiner Version bekommt. 

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Qatar Airways A350-1000 QSuite Business Class, © Andreas Spaeth

So, wie Premiumkunden grundsätzlich bei Qatar immer alles bekommen, was sie sich wünschen – zum Zeitpunkt ihrer Wahl. Na ja, auf diesem Flug nicht ganz, der Service braucht ewig, bis etwas Bestelltes gebracht wird. 

Dabei fällt mir auf, wie extrem schwierig es ist, den Crew-Rufknopf zu finden. Die Lösung: Es gibt ihn an drei Stellen, nur eben nicht dort, wo man sucht. Sondern in Miniatur unterhalb des Bildschirms, außerdem als kleinen Knopf hinter einem, neben der Leselampe, und schließlich auch digital auf der Handkonsole der Bordunterhaltung. 

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Qatar Airways A350-1000 QSuite Business Class, © Andreas Spaeth

Dort mache ich eine seltsame Entdeckung: Auf der Rückseite der Konsole ist ein Kamera-Auge, ähnlich wie in jedem Smartphone. Warum, das bleibt bisher ein Rätsel. Dafür großes Plus: Jede Suite hat zwei Luftdüsen, die auch wirklich für Frische sorgen. 

Kurz vor der Landung in Doha nach fast sechs Stunden Flug bekomme ich dann doch noch hervorragende „Lobster Macaroni Cheese“ serviert, was ebenso zu meinen Wohlbefinden beiträgt wie der nur 6.000 Fuß (gut 1.800 Meter) entsprechende Kabinendruck der A350. Ein wohltuender Unterschied gegenüber der Boeing 777, wo die Kabinenhöhe rund 2.400 Meter beträgt. 

Bewertung

Die QSuite von Qatar Airways ist ein neuer Maßstab in Business Class, der in vielem das Versprechen "First in Business“ erfüllt. Die Wahl zu haben zwischen beinahe vollständiger Privatsphäre oder des gemeinsamen Reisens mit bis zu vier Personen bzw. zu zweit mit der Option, ein Doppelbett zu teilen, das diesen Namen verdient, ist sonst in Business Class nirgends möglich. 

Beim Service und der Qualität des gesamten Produkts macht Qatar Airways ohnehin niemand etwas vor. Einziger Wermutstropfen bleibt, dass es auf absehbare Zeit in den Boeing 777 keinerlei WLAN geben wird.
© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth | 11.03.2018 11:25


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