Argentinien
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Norwegian Air hat die Erlaubnis zum Höhenflug

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Norwegian Airbus A320neo, © Airbus S.A.S.

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BUENOS AIRES - Die argentinische Behörde für Zivilluftfahrt hat sieben Airlines die Starterlaubnis für 497 Routen gegeben. Norwegian Air Argentina könnte eine der Größten in den unerschlossenen Höhen des südamerikanischen Landes werden. Ein einfacher Siegeszug steht der Airline jedoch nicht bevor.

Allen sieben Airlines, die im September 2017 die Freigabe von Routen beantragt haben, hat die argentinische Behörde für Zivilluftfahrt (ANAC) einen positiven Bescheid gegeben. Norwegian Air Argentina muss dabei nur auf drei der gewünschten 156 Routen verzichten.

Neben einigen kleineren Regionalflughäfen wird sie auch die Touristenmagneten Buenos Aires und die Iguazú-Wasserfälle verbinden. International stehen viel versprechende Routen wie Buenos Aires - Barcelona, Bueonos Aires - London, Buenos Aires - Zürich, Buenos Aires-México City und Buenos Aires - Brasília auf dem Plan.

Wann die Airline tatsächlich von argentinischem Boden aus starten wird, ist noch unklar. "Wir müssen noch einige administrative Hürden nehmen", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Demnach ist ebenfalsl noch unklar, welche Routen die ersten sein werden.

Just Flight, die geplante Airline der argentinischen Chartergesellschaft Royal Class, hat Rechte für zehn Routen bekommen, das Unternehmen Servicios y Emprendimientos Aeronauticos immerhin eine Betriebserlaubnis.

Avian, die argentinische Tochter der kolumbianischen Avianca, hat weitere 38 Routen gewonnen. In einer ersten Liberalisierungsrunde im Dezember 2016 hatte die ANCA ihr bereits 16 Routen zugesprochen.

Die Flugrechte gelten jeweils für 15 Jahre. Sie stehen unter dem Vorbehalt, dass das Verkehrsministerium sie noch abschließend genehmigen muss.

“Revolution der Luftfahrt“

Damit scheint die liberale Regierung von Mauricio Macri ernst zu machen mit ihrer "Revolution der Luftfahrt". "Wir werden 1,4 Milliarden US-Dollar investieren, gemeinsam mit den Investitionen der interessierten Unternehmen macht das 2,5 Milliarden. Wir werden damit direkt und indirekt 25.000 neue Arbeitsplätze schaffen", verkündete Macri Anfang 2017.

Ganz einfach wird es dennoch nicht für die Glücksritter aus aller Welt. Denn den Protektionismus komplett aufzubrechen, der seit Jahrzehnten auf dem argentinischen Luftfahrtmarkt herrschte, hat Macri sich bisher nicht getraut.

Die staatlichen Aerolíneas Argentinas etwa haben einen natürlichen Vorsprung gegenüber den neuen Wettbewerbern: keiner darf die Angebote der Dame des Hauses unterbieten.

"Hier von Billigfliegern zu sprechen, ist total übertrieben", sagte der Dozent für Luftfahrtpolitik Fernando Dozo der Zeitung "El País". "Im Bereich Luftfahrt hinkt Argentinien um etwa 30 Jahre hinterher. Es gibt ein quasi-Monopol des Staates und absurde Regularien wie in keinem anderen Land der Welt", sagte Dozo, der früher Geschäftsführer der Aerolíneas Argentinas war.

Dazu zählt er vor allem "die Mindest-Ticketpreise, welche die Regierung festlegt, den Spritpreis, der ebenfalls reguliert ist, die Tarifvereinbarungen, das Fehlen von Alternativ-Flughäfen und die eingeschränkten Flugzeiten auf vielen Flughäfen."

Ein Flug von Buenos Aires zu den Wasserfällen von Iguazú kostete laut "El País" im Oktober 2017 mit Andes Líneas Aéreas etwas mehr als 200 US-Dollar. Ein Busticket für die gleiche Strecke 30 US-Dollar.

Andes Líneas Aereas ist eine der fünf Günstigfluggesellschaften, die in der ersten Liberalisierungsrunde im Dezember 2016 Routen bei der ANAC beantragt hatten und sie zugestanden bekamen.

Revolution mit Beigeschmack

Auch Avian war im Dezember 2016 unter den Pionieren. Anfang 2017 ruhten ihre Flugrechte jedoch, als die argentinische Öffentlichkeit erfuhr, dass Avianca 2016 Mac Air gekauft hatte - die Airline der Familie Macri, die derzeit den Präsidenten stellt.

Diese Geschichte verleiht der argentinischen "Revolution der Luftfahrt" einen faden Beigeschmack. Die Liberalisierung bringt einige neue Airlines hervor, die sich sehr bedeckt halten und deren Hintergrund daher kaum einzuschätzen ist.

So findet sich unter den jetzigen Routen-Gewinnern auch die mysteriöse Buenos Aires International Airline, die bisher weder über Flugzeuge noch über einen offiziellen Sitz verfügt. Die ANCA hat ihr dennoch Flugrechte für alle 178 beantragten Routen zugebilligt.

Zuversichtlicher Präsident, skeptische Gewerkschaften

Präsident Macri gibt sich zuversichtlich, dass die Liberalisierung der Luftfahrt seinem Land einen Mehrwert bringen wird. Er rechnet damit, dass sich der Luftverkehr bis zum Jahr 2019 verdoppelt und glänzt bei der Einweihung der vielen Infrastrukturprojekte, die seine Regierung in diesem Zusammenhang gestartet hat.

Piloten- und Flugbegleitergewerkschaften laufen Sturm gegen die Überflutung des argentinischen Marktes mit Billigairlines. Die Airlines bleiben hingegen euphorisch. Die Hindernisse erscheinen klein angesichts der Verlockungen des Landes, das knapp acht Mal so groß ist wie Deutschland - und das noch soviel Platz am Himmel bietet.

Die Airlines mit Starterlaubnis im Überblick

Alas del Sur Líneas Aéreas, American Jet, Andes Líneas Aéreas, Avian Líneas Aéreas, FlyBondi Líneas Aéreas, Argenjet Aviación, Just Flight, Servicios y Emprendimientos Aeronáuticos, Buenos Aires International Airlines, Grupo Lasa, Norwegian Air Argentina, Polar Líneas Aéreas, Servicios Aéreos Patagonicos.
© aero.de (boa) | Abb.: Norwegian Air | 27.10.2017 13:42


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