Marktanteile
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Handelskrieg gibt Airbus Rückenwind in China

PEKING - Der Staat wacht über eine ausgeglichene Verteilung chinesischer Aufträge an Airbus und Boeing. Einen knappen Vorsprung im größten Absatzmarkt der Welt konnte sich Boeing dennoch erarbeiten - der gerät durch die Handelpolitik von US-Präsident Donald Trump in Gefahr.

Dieses Wochenende reist Frankreichs Premierminister Edouard Philippe nach Peking. Am Rande des Staatsbesuchs will Airbus einen neuen Auftrag über 180 A320 unter Dach und Fach bringen.

Die äußeren Umstände dafür sind günstig wie selten: die Vereinigten Staaten haben einen Handelskrieg mit China entfacht, der Airbus in die Karten spielt.

Als die US-Regierung begann, chinesische Importe mit Zöllen zu belegen, verhängte China Gegenzölle auf amerikanische Business Jets, zog vor der Boeing 737 MAX 8 aber eine Haltelinie. China will eigene Flugzeugimporte zunächst nicht künstlich verteuern, sondern seine Karten anders ausspielen.

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China Eastern Airlines Boeing 737-800, © The Boeing Company

"Die Vergabe eines großen Flugzeugauftrags an Airbus wird ein Weckruf an die Vereinigten Staaten sein und zeigen, dass China Alternativen hat", sagte Jin Wei, Luftfahrtanalyst der Gedankenfabrik "China Center for Information Industry Development".

In China - dem Schlüsselmarkt für Flugzeugbauer schlechthin - tummeln sich nach Daten des CAPA Centre for Aviation derzeit 1.638 Verkehrsflugzeuge von Boeing und 1.577 Airliner von Airbus. Noch kann Boeing mit 47,5 zu 45,7 Prozent Marktanteil in der Volksrepublik auf einen kleinen Vorsprung vor Airbus verweisen.

"Wir gehen davon aus, dass der Marktanteil von Airbus in China weiter zunehmen wird", sagt Luftfahrtanalystin Corrine Png von der Airlineberatungsfirma Crucial Perspective aus Singapur eine schrittweise Umkehr der Kräfteverhältnisse voraus. Airbus will sich zu politischen Angelegenheiten grundsätzlich nicht äußern.

Größter Flugzeugmarkt der Welt

Gegen 2022 wird China die Vereinigten Staaten als größter Airlinemarkt der Welt ablösen und hat einen gewaltigen Bedarf an neuen Flugzeugen: Boeing erwartet, dass China bis 2036 nicht weniger als 7.200 neue Verkehrsflugzeuge benötigt - das entspricht der fünffachen gemeinsamen Jahresproduktion von Airbus und Boeing.

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China Eastern Airlines Airbus A320 mit Sharklets, © Airbus S.A.S.

Selbst in einem heißlaufenden Handelskrieg mit den USA wird China Boeing nicht komplett fallen lassen oder mit Zöllen aussperren - allein schon, um seinen wichtigsten Hebel in Verhandlungen mit Airbus zu erhalten. Angesichts der enormen Abnahmemenge bleibt Boeing auch so ein leicht zu treffendes Ziel chinesischer Gegenmaßnahmen.

Denn in China entscheiden Airlines nicht selbst zwischen Airbus und Boeing - alle Aufträge werden zunächst zentral über die China Aviation Supplies Holding Co. vergeben, die Flugzeuge dann auf staatliche Fluggesellschaften und Leasingfirmen verteilt.

In der Vergangenheit legte China Airbus-Aufträge auf Eis, um beim Reizthema Emissionshandel - letztlich erfolgreich - industriepolitischen Druck auf die EU auszuüben. Trumpsche Twitter-Tiraden gegen China sorgten daher schon Ende 2016 für einiges Unbehagen in Seattle.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg erinnerte den frischgewählten Präsidenten daran, dass jedes vierte Boeing-Flugzeug "und jede dritte 737" nach China exportiert wird. Entprechend groß war bei Boeing die Erleichterung, als China ein Jahr später 260 Mittelstrecken- und 40 Großraumflugzeuge im Wert von 37 Milliarden US-Dollar bei Boeing bestellte.

Bei Luftfahrtgütern fällt die Handelsbilanz zwischen den Vereinigten Staaten und China nach einer Studie der Teal Group 17:1 aus - zu Gunsten der USA.
© aero.de, Bloomberg News | Abb.: Airbus | 24.06.2018 11:36

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Beitrag vom 25.06.2018 - 23:23 Uhr
Abwarten und Tee trinken,eine alte Weisheit.
Spätestens in einem Monat weiß man mehr wenn die Luftfahrt schau in Fahrenborough vorbei ist.
Da werden sicherlich wieder einige große Aufträge bekannt gegeben.
Man kann sich ja denken,dass die 15 A350/900 die vor kurzem bestellt wurden an Hainan gehen werden.Und dann noch die Flugzeuge dazu kommen die jetzt mit der Handelsdelegation der Franzosen die gerade in China sind noch dazu kommen,würde mich nicht wundern wenn da auch Bestellungen für die A330neo und A350 dabei wären ausser der im Bericht genannten A320er Serie ,könnte auch leicht sein dass da einige C-Series Modelle schon dabei sind.Und so Airbus auf dieses Modell seinen Stempel Aufdrückt.
Beitrag vom 25.06.2018 - 11:33 Uhr
Ausserdem gilt dazu noch "USA first" ("America first", also auch Mexico, Kanada, Chile , ..."first" ist nicht gemeint!). Da wird man dann sich ggf. etwas einfallen lassen, falls Boeing zu sehr mault!

Dieser Beitrag wurde am 25.06.2018 11:40 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 25.06.2018 - 11:17 Uhr
Das ist noch lange nicht sicher das Airbus profitiert. Wenn es ein dauerhaftes oder zumindest sehr langfristiges Zerwürfnis ist könnte das allerdings der Fall sein.

Sollte es aber einen kurzfristigen Kompromiss geben der ein Entgegenkomen der Chinesen beinhaltet geht es genau in die andere Richtung. Denn dann wäre China bemüht mehr amerikanische Waren zu kaufen um die Handelsbilanz ausgeglichener zu machen. Da Amerika nicht so viel bieten kann was China unbedingt braucht wären Boeingflieger ein naheliegendes Produkt.

Stimme ihnen teilweise zu, man sollte aber die Handelsbilanz etwas im Detail lesen. Der Aviatikbereich ist ein Teil wo bereits ein grosser Handelsüberschuss der USA gegenüber China besteht. Boeing hat auch einen leicht höheren Marktanteil in China als Airbus.

China wird taktisch so schlau sein, dass sie dieses Verhältnis einfach umdrehen werden und weiterhin bei Boeing kaufen. Schon das wird Boeing ein Bisschen schmerzen. Alleine schon um nicht nur bei Airbus bestellen zu müssen werden die Chinesen Boeing bei Laune halten.

Wenn es wie sie richtig schreiben zum langfristigen Zerwürfnis kommen sollte dann sehe ich einen grösseren Marktanteil von Airbus. Allerdings muss man auch bedenken, dass China sehr wohl weiss das die US-Administration 2024 wieder ganz anders denken kann. Die Chinesen denken da schon langfristig und strategisch, im Gegensatz zum Anfänger im WH.

Dieser Beitrag wurde am 25.06.2018 11:18 Uhr bearbeitet.


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