Atlantic Airways
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Airline der Färöer streckt Fühler nach Hamburg aus

TORSHAVN – Atlantic Airways, die Airline der Färöer-Inseln im Nordatlantik, will als einer der kleinsten europäischen Flag Carrier noch mehr vom Tourismus-Boom in ihrer Heimatregion profitieren. Island ist längst kein Geheimtipp mehr und Nordland-Fans sind inzwischen dabei, die benachbarten Färöer Inseln zu erkunden.

Die Ankünfte auf Island haben sich zwischen 2010 und 2017 mehr als vervierfacht, auf bald 2,5 Millionen Besucher. Auf der Suche nach neuen Reisezielen stoßen Freunde nördlicher Gefilde nun auf die benachbarten Färöer-Inseln. Die bestehen aus insgesamt 18 Inseln, sind teilautonom und gehören politisch zu Dänemark. 

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Atlantic Airways Airbus A319, © Atlantic Airways
 
Seit 30 Jahren betreiben die Färöer ihre eigene nationale Airline Atlantic Airways, die derzeit über zwei Airbus A319 sowie eine A320 und zwei Agusta Westland 139-Hubschrauber verfügt. 

Die wichtigste Verkehrsachse verläuft naturgemäß zwischen dem Insel-Flughafen Vagar und Kopenhagen, zu Spitzenzeiten bis zu viermal täglich von Atlantic Airways beflogen, die Flugdauer beträgt üblicherweise unter zwei Stunden. 

Auch die Färöer mit ihren 50.000 Bewohnern erleben derzeit Besucher-Rekorde. 2017 verzeichnete der Flughafen erstmals über 300.000 Passagiere, genau 341.388, eine Steigerung von fast 17 Prozent. 280.000 Passagiere davon entfielen auf Atlantic Airways. 

Noch 2010 waren es nicht einmal 200.000 Fluggäste gewesen. Vor allem bei den täglichen Flügen zum Stadtflughafen in Reykjavik auf Island verzeichnet Atlantic Airways, die dort als einzige mit Jets hinfliegt, "zu 80 Prozent Touristen“, erklärt CEO Johanna á Bergi im Gespräch mit aero.de. 

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Johanna á Bergi, Atlantic Airways-CEO, © Andreas Spaeth

Die Airline-Chefin, eine der wenigen Frauen weltweit an der Spitze einer Fluggesellschaft, bemüht sich derzeit um die Verbreiterung der Kundenbasis. "Unser Motto ist: "Fliegen für die Färöer" und wir glauben an den Tourismus bei uns. Deshalb versuchen wir auch mehr Leute aus anderen Ländern auf die Färöer zu bringen.“ 

##chaviation[rc]## Daher will Atlantic Airways, die derzeit neben Island drei Ziele in Dänemark sowie Edinburgh, Bergen und Barcelona anfliegt (und Ferienflüge nach Lissabon, Palma de Mallorca, Malta sowie Gran Canaria anbietet) ihre Basis auf dem europäischen Kontinent ausweiten. 

Zunächst über Codeshare-Vereinbarungen. "Die haben wir bereits mit Air France/KLM und Finnair, demnächst auch mit British Airways“, so á Bergi. "Derzeit fließt unser europäischer Verkehr über Kopenhagen, aber wir denken darüber nach, auch Paris-CDG, Amsterdam oder Hamburg anzufliegen“, so á Bergi. 

Denn etwa ab Hamburg fliegt SAS im Monopol nach Kopenhagen und verlangt mit die höchsten Flugpreise in Europa: zeitlich zu Atlantic Airways-Flügen passende Zubringer kosten oft mehr als 200 Euro pro Strecke, ohne Gepäck, für einen 40-Minuten-Flug in einer ATR. "Wir waren schon mehrfach zu Gesprächen in Hamburg und haben bei uns noch nie so hohe Flugpreise gesehen wie sie SAS auf der Strecke verlangt“, sagt á Bergi. 

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Atlantic Airways Airbus A319, © Atlantic Airways
 
Mit SAS verbindet Atlantic Airways eine besondere Beziehung. Seit März 2017 bietet SAS täglich einen Flug zwischen Kopenhagen und den Färöer-Inseln und hat damit das Monopol der Inselgesellschaft beendet. 

Das führte zu erheblichen Überkapazitäten auf der Strecke, einem Preisverfall sowie zeitweise einem überfüllten Terminal in Vagar. "Wir haben unsere Preise um 30 Prozent gesenkt, als SAS kam, aber waren auch vorher bereits wettbewerbsfähig und unsere Tarife wurden günstiger“, so Johanna á Bergi. 

"SAS erreicht mit ihrem Netzwerk auf jeden Fall Kunden, die wir nicht bekommen würden“, so die Airline-Chefin, "und wir haben immer noch eine überraschend gute Kooperation mit SAS und eine Interline-Vereinbarung, während wir gleichzeitig mit ihnen konkurrieren.“ 

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Atlantic Airways Airbus A320, © Airbus

Einen Nachteil hat SAS bisher aber – ihre Flüge auf die Färöer müssen häufig gestrichen werden, weil das Wetter nicht mitspielt. Dafür sind die Inseln berüchtigt – im Sommer wegen des häufigen Nebels, im Winter vor allem wegen Sturms. 

Airline trotzt dem schlechten Wetter

Atlantic Airways kann dagegen unter fast allen Bedingungen fliegen, weil sie bisher als einzige Airline in Europa ihre seit 2012 gelieferte Airbus-Flotte mit dem satellitengestützten Navigationssystem RNP AR 0.1 ausgestattet hat (RNP=Required Navigation Performance). 

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Atlantic Airways Airbus A319, © Atlantic Airways
 
"Das hat alles für uns geändert, wir haben unsere Piloten sogar nach Neuseeland geschickt zum Training, seitdem sind hier Anflüge mit nur 800 Metern Sicht auf die Bahn möglich, vorher lag das Minimum fast doppelt so hoch.“ 

Auch Pilot Hans Christian Petersen ist begeistert: "Unsere Wegpunkte stellt das System in 3D dar, wir können früher notorische Gegenden für Turbulenzen beim Anflug vermeiden und erreichen hier unter oft schwierigen Bedingungen eine Pünktlichkeitsrate wie die besten Airlines in Europa, das System ist brilliant für uns.“ 

Inzwischen hat auch der Flughafen Vagar, ähnlich wie etwa in Innsbruck, RNP installiert, doch um das zu nutzen bedarf es einer Mindestzahl an Trainingsstunden und der Freigabe durch die dänische Luftfahrtbehörde. "Die hat SAS bisher nicht“, weiß Petersen. 

Bei Atlantic Airways setzt man auf organisches Wachstum. Der nächste wichtige Schritt wird 2019 der Ersatz einer geleasten A319 durch eine A320neo sein. "Das ist ein Wachstum um 30 Sitze von 144 auf 174 Passagiere, und da die A320neo zu groß ist für Reykjavik werden wir in Island erstmals Keflavik anfliegen und damit direkte Umsteigeverbindungen zum US-Markt ermöglichen“, sagt Johanna á Bergi. 

Obwohl sie eine kleine Nischengesellschaft am Rande Europas ist, fliegt Atlantic Airways, im Besitz der Inselregierung, seit vielen Jahren Gewinne ein. "Aber es ist eine Herausforderung, eine kleine Airline zu sein - denn wir haben die gleichen Verpflichtungen wie eine große“, sagt Johanna á Bergi.
© Andreas Spaeth | Abb.: Atlantic Airways | 21.07.2018 10:04


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