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IATA: Digitale Identität soll Flughäfen effizienter machen

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Mit der One ID will die IATA unter anderem Boarding und Migrationskontrollen beschleunigen., © IATA/NEXTT

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MONTREAL - Die International Air Transport Association (IATA) will einen großen Teil des erwarteten Luftfahrt-Wachstums bewältigen, indem sie die Abläufe an den Flughäfen effizienter gestaltet. Ein Kernelement dieses Projekts namens "NEXTT" ist eine digitale Identität, die Reisende sich anlegen sollen.

NEXTT - ausgeschrieben "New Experience Travel Technologies" - ist ein groß angelegtes Projekt des Linienluftfahrtvervands IATA, das alle Abläufe an Flughäfen und um Flugreisen herum ins Visier nimmt: Passagierverkehr, Luftfracht, Gepäckabwicklung und Flugzeughandling.

"Mit NEXTT wollen wir sicher gehen, dass wir nicht auf die gleiche Weise weitermachen, wie die Industrie bisher gearbeitet hat", sagt "NEXTT"-Projektleiterin Anne Carnall im aero.de-Interview. "Wir wollen die bestehende Infrastruktur maximal ausnutzen - wir befürchten auch, dass die Art, wie die Infrastruktur momentan ausgebaut wird, nicht die Kapazität schaffen wird, die wir brauchen."

Deswegen will die IATA technologische Fortschritte in mehreren Bereichen aufeinander abstimmen und verzahnen. Das Ziel: Zeit sparen und Kapazität schöpfen. Im Passagierverkehr lautet das Stichwort dafür "One ID".

Ähnlich wie beim Versandändler Amazon soll der Reisende sich ein digitales Profil anlegen, in dem seine wichtigen und auch weniger wichtigen Daten hinterlegt sind - das reicht von biometrischen und Routen-Daten, die das Boarding beschleunigen sollen, bis hin zu Details des letzten Einkaufs im Duty Free Shop.

"Wichtig dabei ist, dass der Fluggast selbst die Daten bestimmt, die er teilen möchte", sagt Carnall. Aber wo sollen all die Daten gespeichert werden? "Es ist unwahrscheinlich, dass wir einen großen Server haben werden, auf dem alle Informationen zusammenlaufen. Für uns geht es darum, die Schnittstellen zu schaffen und den Informationsfluss zu etablieren."

Nicht für jeden sind laut Carnall die gleichen Informationen relevant. "Eine Airline muss nicht wissen, wo der Reisende in seinem Leben überall schon war - für die Airline ist es lediglich wichtig zu wissen, woher der Fluggast bei dieser Reise kommt, wo er hin will und ob die Regierungen der entsprechenden Länder ihm die Ein- und Ausreise gestatten."

Ein solches System hat das Potenzial, die Abläufe von Check-in bis Boarding zu entzerren. Kritiker könnten sich jedoch Sorgen um die Sicherheit der gespeicherten Daten machen - allein die Menge scheint das System angreifbar zu machen.

"Das europäische Datenschutzgesetz ist das strengste und fortschrittlichste der Welt", sagt Carnall dazu, "in der Airline-Industrie müssen wir uns weltweit danach richten - denn es gilt für alle europäische Bürger, egal, wo sie sich gerade aufhalten."

USA, Australien und UK kooperativ

Die größten Fortschritte in Richtung "One ID" macht die IATA im Vereinigten Königreich, den USA und Australien. Vertreter dieser Regierungen arbeiten in dem "One ID"-Team von "NEXTT" mit. Der Grund ist einfach: diese drei Länder planen die Einführung eines digitalen Ausweises für ihre Bürger.

In der Europäischen Union ist das komplizierter. "Die EU selbst ist nicht am "One ID"-Projekt beteiligt, weil sie keine Ausweise ausstellt. Hier müssten wir uns mit jedem einzelnen Land zusammensetzen", so Carnall.

"NEXTT" wird den Bau neuer Flughäfen nicht überflüssig machen - besonders nicht in Wachstumsmärkten wie Asien. Aber "NEXTT" kann laut Carnall dazu beitragen, "dass die neuen Airports neue Technologien nutzen, um ihre Kapazität und Effizienz zu optimieren."

Einige Elemente von "NEXTT" sind bereits Realität. Ein Beispiel dafür ist die Nachverfolgung jedes einzelnen Gespäckstücks. Carnall erhofft sich davon, dass die Passagiere so viel Vertrauen in diese digitalisierten Abläufe gewinnen, dass sie eines Tages zum Beispiel ihre Koffer schon vom Hotel aus einchecken. Und sich später sorglos eine "digitale Identität" für ihre Reise anlegen.

Einige Elemente von "NEXTT" sind bereits Realität. Ein Beispiel dafür ist die Nachverfolgung jedes einzelnen Gespäckstücks. Carnall erhofft sich davon, dass die Passagiere so viel Vertrauen in diese digitalisierten Abläufe gewinnen, dass sie eines Tages zum Beispiel ihre Koffer schon vom Hotel aus einchecken. Und sich später sorglos eine "digitale Identität" für ihre Reise anlegen.
© aero.de (boa) | Abb.: IATA | 06.08.2018 09:51


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