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Streiks zerfleddern Gewinn von Air France-KLM

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KLM Boeing 787-9, © KLM

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PARIS - Streiks, Chefwechsel und teureres Kerosin: Die Turbulenzen bei der Fluggesellschaft Air France-KLM haben im zweiten Quartal tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen. Höhere Ticketpreise konnten höhere Kosten und die Verunsicherung der von Streiks gebeutelten Kundschaft nicht ausgleichen.

Analysten hatten mit noch Schlimmerem gerechnet. Und Generaldirektor und Finanzchef Frédéric Gagey machte bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Mittwoch in Paris Hoffnung auf weiterhin steigende Durchschnittserlöse.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten gut an. An der Pariser Börse gewann die Aktie des französisch-niederländischen Unternehmens am Morgen zeitweise mehr als acht Prozent an Wert und erreichte den höchsten Stand seit Anfang Mai. Zuletzt lag der Kurs noch mit 6,5 Prozent im Plus bei 8,318 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier allerdings immer noch fast 40 Prozent eingebüßt.

Die Streiks bei der französischen Sparte Air France kosteten den Konzern im ersten Halbjahr 335 Millionen Euro, davon 260 Millionen im zweiten Quartal. Im Streit zwischen Management und Gewerkschaften über die künftige Bezahlung hatten die Beschäftigten an zwölf Tagen die Arbeit niedergelegt. Der Löwenanteil des operativen Quartalsgewinns stammte von der ohnehin profitableren niederländischen Sparte KLM.

Seinen Umsatz konnte der Konzern mit 6,6 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums stabil halten. Der operative Gewinn ging infolge der Streikbelastungen um 41 Prozent auf 345 Millionen Euro zurück, übertraf aber die Erwartungen von Branchenexperten. Unter dem Strich verdiente Air France-KLM 109 Millionen Euro und damit 82 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Gagey, der den Konzern derzeit als Teil eines Übergangsteams führt, rechnet damit, dass die währungsbereinigten Durchschnittserlöse auch im dritten Quartal und im Gesamtjahr zulegen. Damit sind steigende Ticketpreise in Sicht. Auf den Langstreckenflügen deuteten die Vorausbuchungen für die nächsten vier Monate auf eine bessere Auslastung der Jets hin als im Vorjahreszeitraum.

Führungsvakuum hält an

Branchenexperten sahen die Geschäftsentwicklung ähnlich - gaben mit Blick auf die künftige Entwicklung des Konzerns aber keine Entwarnung. Die Durchschnittserlöse seien dank des Geschäfts mit der Business und First Class erneut gestiegen, schrieb Analyst Gerald Khoo vom Investmenthaus Liberum.

Doch sei nach dem Rücktritt von Konzernchef Jean-Marc Janaillac weiterhin unsicher, wer die Fluggesellschaft künftig führe. Bernstein-Analyst Daniel Roeska warnte: Die langfristigen Probleme würden nicht gelöst, bevor ein neuer Chef im Amt sei.

Der monatelange Tarifstreit zwischen den französischen Gewerkschaften und der Konzernführung war im Mai eskaliert. Nachdem die Mitarbeiter das Angebot des Managements für eine Gehaltserhöhung in einer Abstimmung abgelehnt hatten, trat der bisherige Konzernchef Janaillac zurück. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Ein neuer Sachstand war am Mittwoch zunächst nicht zu erfahren.

Das Unternehmen wird derzeit von einem Übergangsteam um den bisherigen Finanzchef Gagey geführt. Unterstützt wird er von den Chefs der beiden Konzernsparten Air France und KLM, Franck Terner und Pieter Elbers. Die ehemalige französische Ministerin Anne-Marie Couderc leitet als nicht-geschäftsführende Präsidentin den Verwaltungsrat.
© dpa-AFX | Abb.: KLM | 01.08.2018 11:48


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