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US-Airlines steuern auf akuten Mangel an Piloten zu

NEW YORK - Terrorismus, Insolvenzen und Konsolidierung krempelten die US-Airlinebranche um. Jetzt stehen American, Delta, United und Co. vor einer neuen Großaufgabe: Piloten werden in sehr absehbarer Zeit sehr knapp. Zu wenige junge Amerikaner entscheiden sich für die Karriere im Cockpit.

Die University of North Dakota hat berechnet, dass US-Airlines schon 2026 15.000 Piloten fehlen werden.

Republic Airways zwang akuter Mangel an Piloten schon heute in die Insolvenz - zumindest begründete der Hubzubringer seinen Antrag auf ein Chapter-11-Verfahren im Februar auch mit Personallücken in seinen 250 Cockpits.

Bald wird - da ist sich die Branche sicher - der Pilotenmangel auch die großen US-Netzairlines erreichen, die Piloten traditionell von ihren kleineren Regionalpartnern rekrutieren. "Flow Through" nennen die Amerikaner den üblichen Karrierepfad, der Regional-Piloten zu Netzairlines aufsteigen lässt.

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JetBlue Airways Airbus A321, © Airbus S.A.S.

"Das ist eines der Dinge in meinem Job, die mir jeden Tag Sorgen bereiten", gibt Southwest-Airlines-Manager Greg Muccio unumwunden zu. "Das größte Problem sehe ich darin, dass junge Menschen ganz grundsätzlich das Interesse an einer Karriere (im Cockpit, Red.) fehlt."

Erste US-Airlines locken qualifizierte Piloten mit Einstellungs-Prämien und senken ihre Erwartungen an die Bewerber. Bei Southwest muss ein neuer Pilot nicht mehr zwingend ein Type Rating für die Boeing 737 mitbringen. Auch die Zeit zwischen Interview und Jobzusage hat Southwest nach eigenen Angaben halbiert.

Sechsstellige Kosten einer fliegerischen Ausbildung, geringe Einstiegsgehälter bei den Regionalen und eine Versechsfachung der Flugstunden, die ein Erster Offizier seit 2013 für kommerzielle Flüge mindestens vorweisen muss, schrecken laut University of North Dakota potenzielle Flugschüler schnell ab.

Die Zeit drängt

Bis 2026 werden 30.000 Piloten - rund die Hälfte der 60.222 bei den zehn großen US-Passagierairlines, FedEx und UPS angestellten Kapitäne und Ersten Offiziere - die Altersgrenze von 65 Jahren erreichen, rechnen die Airline-Berater von KitDarby.com Aviation Consulting vor. Zeitgleich wächst mit den Flotten auch der Bedarf an neuen Piloten.

American Airlines stellt dieses Jahr 650 und 2017 750 neue Piloten ein. Ebenso wie Delta kann American diesen Bedarf noch über "Flow Through"-Vereinbarungen mit ihren Regionalpartnern decken. In der Fernlichtperspektive "über die nächsten drei bis vier Jahre hinaus" mache sich aber jede große Airline Sorgen um die Bereederung, sagt Studienleiter Jim Higgins.

American versucht, die Piloten-Pipeline ihrer Regionalpartner
Envoy, Piedmont und PSA mit Einstellungs-Boni von 15.000 US-Dollar am Laufen zu halten. Endeavor Air, der Delta-eigene Hubzubringer, bietet sogar bis zu 23.000 US-Dollar Handgeld und mit 47.000 US-Dollar das höchste Einstiegsgehalt einer US-Regionalairline.

Beim Wechsel in das Cockpit einer großen Netzairline dürfen US-Piloten laut KitDarby.com mit 55.000 US-Dollar pro Jahr rechnen - auf der Langstrecke sind nach fünf Jahren sogar bis zu 120.000 US-Dollar für einen Ersten Offizier drin.

Neue Wege in der Pilotenausbildung

JetBlue Airways kündigte im März das Piloten-Programm "Gateway Select" an, das sich am Muster europäischer Airlines orientiert. Nach einem umfassenden Eignungstest bildet JetBlue qualifizierte Cockpit-Aspiranten ohne jede Flugerfahrung vier Jahre lang für einen Karrierebeginn auf der Embraer E190 aus.

United Continental nimmt die Pilotenausbildung ebenfalls in eigene Hände, um "dem drohenden Mangel an qualifizierten Flugzeugführern" zu begegnen. Am United-Programm sind zwei Regionalairlines und eine Flugschule beteiligt. "Der Wettbewerb um die besten Piloten spitzt sich eben zu", bekannte United im Mai.
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: Airbus | 29.06.2016 14:57

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Beitrag vom 27.07.2016 - 01:36 Uhr
Das Angebot wird durch die Nachfrage bestimmt.

Nicht ganz ... Korrekt wäre gewesen: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
Im Moment wird der Markt noch von einem gewissen Überangebot bestimmt. Das führt zu vielen angehenden Piloten, die Airlines für Dumping Löhne anheuern oder am langen Arm verhungern lassen können. Der Artikel beschreibt allerdings, dass sich das gerade ändert. Sobald es sich geändert hat wird der Preis steigen. Und die Airlines werden händeringend Personal suchen - und keins finden. Dadurch steigt der Preis weiter. Langsam wird dann irgendwann das Berufsbild, das die letzten 10 Jahre gerade hier in DE doch böse ramponiert wurde, wieder besser, und es entscheiden sich vielleicht wieder mehr junge Leute für diese Ausbildung. Das dauert aber dann... Klassischer Schweinezyklus.

Wobei im Schweinezyklus immer die effizienteren überleben.

Was in solchen Fälle passiert ist eine Verscheibung: man bedient sich bei denen die weniger zahlen bezw man nimmt Leute über incentives,zB Rechts->Linksruck des Arbeitsplatzes.

Am oberen Ende des Marktes wird es kaum Probleme geben. Dafür wird der Einstieg erleichtert.
Beitrag vom 26.07.2016 - 20:28 Uhr
Z.Z. fehlen wohl kaum Piloten.
Auch die Fluggesellschaften wissen, welchen Vorlauf man für die Beschaffung des Nachwuchses benötigt.
Falls ein wirklicher Bedarf vorläge, würden auch die Entgelten steigen.
In USA wird dann die Provinz weniger bedient...


Dieser Beitrag wurde am 26.07.2016 20:37 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 26.07.2016 - 17:06 Uhr
Bei den lausigen Gehältern ist es kein Wunder, daß es zu Hauf an Piloten fehlen wird. Ich sage nur - Deregulierung.


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