Zusätzliche Einnahmequelle
Älter als 7 Tage

Airlines setzen zunehmend auf Extra-Gebühren

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Ryanair New Boeing Sky Interior, © Ryanair

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FRANKFURT - Die internationalen Fluggesellschaften suchen nach immer neuen Wegen, neben dem reinen Ticketpreis zusätzliche Umsätze mit ihren Passagieren zu erzielen.

Nach Erhebungen der Beratungsgesellschaft Ideaworks gehören dabei Gebühren für das Aufgabegepäck zu den wichtigsten Einnahmequellen neben den reinen Ticketkosten. 

Die einstmals im Ticketpreis enthaltene Gebühr für die Gepäckbeförderung wird zunehmend auch im Basistarif auf Fernflügen über den Nordatlantik verlangt. Bei Norwegian ist nicht einmal mehr ein Essen im billigsten Standardticket enthalten.

Erste Gesellschaften wie der US-Billigflieger Spirit oder die mexikanische Volaris haben der am Dienstag vorgelegten Studie zufolge damit begonnen, die Preise für einige Dienstleistungen dynamisch festzulegen: Passagiere müssen bei großer Nachfrage besonders hohe Preise beispielsweise für ihren Koffer zahlen.

Einen anderen Weg gehe der britische Ferienflieger Jet2.com, der sich immer mehr zum Reiseveranstalter wandle und den Kunden auch während ihres Urlaubsaufenthaltes Dienstleistungen wie Ausflüge oder Mietwagen anbiete. 

Zum Rückflug erhalten die Passagiere gegen Gebühr die Möglichkeit, ihr Gepäck bereits im Hotel aufzugeben. Mehr als 450 Assistenten an den Zielorten seien dafür eingestellt worden.

Allein die US-Gesellschaft United verbuchte im vergangenen Jahr neben den reinen Ticketerlösen von den Passagieren rund 5,75 Milliarden Dollar zusätzlichen Umsatz, heißt es in der Untersuchung im Auftrag des Mobilitätsdienstleisters Cartrawler. Die Einnahmen stammten zu 41 Prozent aus dem Vielfliegerprogramm und zu 59 Prozent aus extra verkauften Dienstleistungen wie zusätzlichem Gepäck, freier Platzwahl oder Vermittlungskommissionen für Hotelzimmer oder Mietwagen.

Ryanair: Die Hälfte der Passagiere zahlt für Sitzplatzreservierung
Auch ohne eigene Vielfliegerprogramme haben es die europäischen Billigflieger Ryanair (2,3 Mrd Dollar) und Easyjet (1,3 Mrd Dollar) unter die Top-Ten-Gesellschaften geschafft, was die passagiergebundenen Nebeneinnahmen angeht. Bei Ryanair zahlen laut Studie inzwischen die Hälfte der Passagiere für die Sitzplatzwahl. 

Zusammen erzielten die zehn größten Anbieter zusätzliche Umsätze von 29,7 Milliarden Dollar. Zehn Jahre zuvor hatte die Summe mit 2,1 Milliarden noch nicht einmal ein Zehntel betragen.

Die ungarische Wizzair macht mehr als 41 Prozent ihres Umsatzes mit den Nebengeschäften. Bei der Lufthansa stiegen die Nebeneinnahmen der Studie zufolge mit 1,95 Milliarden Dollar zum Vorjahr deutlich. 

Die höchsten Pro-Kopf-Nebeneinnahmen von knapp 51 Dollar pro Flug erzielte der US-Billigflieger Spirit, der allerdings ein besonders radikales Preissystem verfolgt, in dem bereits Handgepäck extra kostet.

Europas Fluggesellschaften gelten als besonders kreativ, von ihren Fluggästen zusätzliche Entgelte zu kassieren. In Europa stammte 2017 nahezu jeder zehnte Umsatz-Euro aus den Zusatzgebühren, was auch an dem hohen Anteil der Billigflieger am gesamten Luftverkehr liegt. 

Diese haben das System der Zusatzgebühren so weit getrieben, dass auch die herkömmlichen Airlines aus Wettbewerbsgründen das Konzept ganz oder zumindest in Teilen kopiert haben.

Auf den anderen Kontinenten sind weniger Billigflieger unterwegs, die ihre Kunden für jede Zusatzleistung zur Kasse bitten. Die Experten erwarten aber, dass sich die Erlöse aus den Zusatzgeschäften auch auf den anderen Märkten dem europäischen Niveau annähern werden.
© dpa-AFX | 17.07.2018 13:21

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Beitrag vom 18.07.2018 - 13:16 Uhr
Auch hier ist der Fluggast Ursache der Entwicklung. Solange die "Geiz ist Geil"-Mentalität in den Köpfen sitzt und weder die Flugdauer, noch der Flugzeugtyp oder die Airline und ihren Service sondern primär der Preis als Auswahlkriterium gilt, wird sich daran nichts ändern. Leider.
Ursache wäre in meinen Augen eher die Airlines, namentlich Ryanair. Ich meine das völlig wertfrei. Ryanair hat disruptive ein völlig neues, zumindest in dem Ausmaß, Produktmodell auf den Markt gebracht, getestet und es hat so gut funktioniert das es weltweit kopiert wird. Klar hat erst mal der Preis gelockt, aber heute sieht man in allen Bereichen Möglichkeiten, wo der Kunde als Baukasten sein Produkt zusammenstellen kann. Die Mutter dieses Konzepts, wenn man so will, ist essen gehen ins Restaurant. Da gab es, solange ich denken kann, á la Carte oder Menue oder all U can eat.
Es gibt doch heute keine wiklich schlechte Airline mehr. Das Produkt ist vergleichbar geworden. Was bleibt sonst als der Preis (oder das Gesamtpaket) als Auswahlkriterium?
Heute ist die Produktvielfalt so groß, dass es sich bisher unvermutete Kundengruppen leisten können zu fliegen. Das würde ich mal als Positiv bewerten.
Die Downside bezieht sich ja nicht nur auf die Luftfahrt, das ist global der gleiche Trend in fast allen Bereichen. Demgegenüber steht Anzahl der geschaffenen Arbeitsplätze.
Ich sehe das eher als eine Veränderung im Markt. Kann man wirklich sagen, früher war es besser?

Dieser Beitrag wurde am 18.07.2018 14:56 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 18.07.2018 - 11:31 Uhr
Die Flugdauer ist für viele Leute sicher noch interessant. Aber warum beurteilen Sie die Entwicklung so schlecht? Wenn Sie den vollen Service wollen müssen Sie einfach nur mehr zahlen und erreichen so den höheren Preis, welchen Sie früher auch bezahlt haben. Der Rest kann sich einfach aussuchen was Sie benötigen und was wichtig ist.

So wird im Prinzip ein gerechterer Markt hergestellt, da man nicht mehr Leistungen für andere mitbezahlt, welche man selbst evtl. gar nicht haben will.

Und die "Schuld" dazu würde ich ganz sicher nicht den Konsumenten zu 100% anlasten wollen. Den die Airlines haben da auch Ihren guten Anteil dran.
Beitrag vom 17.07.2018 - 22:44 Uhr
Auch hier ist der Fluggast Ursache der Entwicklung. Solange die "Geiz ist Geil"-Mentalität in den Köpfen sitzt und weder die Flugdauer, noch der Flugzeugtyp oder die Airline und ihren Service sondern primär der Preis als Auswahlkriterium gilt, wird sich daran nichts ändern. Leider.


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