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Indigo Partners greift WOW air unter die Flügel

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WOW air Airbus A320neo, © Airbus

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REYKJAVIK - Nach einer geplatzen Übernahme durch den Konkurrenten Icelandair kann WOW air hoffen: der US-Airlineinvestor Indigo Partners will beim Atlantikdiscounter aus Island einsteigen. Airlinegründer und CEO Skúli Mogensen soll nach der Transaktion Hauptaktionär bei WOW air bleiben.

Billigtickets für Umsteigeflüge zwischen Europa und den USA vertragen sich nicht mit teurem Kerosin: WOW air ist binnen Monaten vom Börsenkandidat zum Sanierungsfall abgestiegen.

Von Juli 2017 bis Juni 2018 fielen bei WOW air laut Medieninformation 45 Millionen US-Dollar Verlust an. Im laufenden Quartal hat sich wirtschaftliche Lage der Airline, die in den letzten Jahren Flotte und Netz rasant ausgebaut hat, nach eigenen Angaben nochmals deutlich eingetrübt.

Seit Spätsommer geht es bei WOW air Schlag auf Schlag:

15. September 2018: Die Zeitung "Morgenblatt" berichtet, dass WOW air beim isländischen Flughafenbetreiber ISAVIA mit 18 Millionen US-Dollar in der Kreide steht. Airlinegründer und CEO Skúli Mogensen weist den Bericht vehement zurück.

24. September 2018: WOW air nimmt über eine Hochzinsanleihe 100 Millionen US-Dollar auf.

22. Oktober 2018: WOW air streicht die US-Ziele Cincinnati, Cleveland und St. Louis.

05. November 2018: WOW air gibt eine Eilübernahme durch Icelandair bekannt.

27. November 2018: WOW air und Icelandair deuten an, dass der Deal wackelt.

27. November 2018: WOW air kündigt "erforderliche Umstrukturierungen" an, in deren Zuge die Airline Leasingverträge über zwei Airbus A320 und zwei A330-300 vorzeitig beendet. Das vierte Quartal werde "erheblich schlechter" verlaufen als erwartet.

29. November 2018: Die Übernahme durch Icelandair platzt.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag folgt die nächste Wendung. Skúli Mogensen bestätigt eine "vorläufige Einigung" mit dem US-Airlineinvestor Indigo Partners. Details nennt er nicht. Laut der Mitteilung wird Mogensen Hauptaktionär von WOW air bleiben.

"Wir haben eine strategische Vision für diese Airline", kommentierte Indigo-Partners-Chef Bill Franke den Einstieg. "Ich bin überzeugt, dass dies auf lange Sicht die beste Lösung für unsere Mitarbeiter und Passagiere ist", sagte Mogensen. "Die Nachfrage nach Günstigflügen wird weiterhin weltweit stark anziehen."

Indigo Partners ist unter anderem an den Fluggesellschaften Frontier Airlines, Spirit Airlines, Tiger Airways, Wizz Air, Volaris und JetSmart beteiligt.
© aero.de | Abb.: Airbus | 30.11.2018 09:03

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Beitrag vom 30.11.2018 - 13:40 Uhr
Es ist nicht unbedingt auf LCCs beschränkt. Das Geschäftsmodell per se spielt eine Rolle.

WOW und Emirates erscheinen auf den ersten Blick unterschiedlich, haben aber Beide ein sehr enges Geschäftsspektrum. Wenn es da zu Rückschlägen kommt wirkt sich das überproportinal aus. WOW verbindet Island mit dem Rest der Welt und EU mit USA. Island ist sehr beschränkt und noch einen Anbietr nach USA braucht auch keiner so richtig. Geht USA zurück, warum auch immer (Wechslkurs, Präsident, ...) gibt es keinen Bereich, der das kompensieren oder auf den man ausweichen könnte. Gleichs bei EK. Die haben nur Großraum und damit sich das rechnet muss das auch zu einem guten Yield gefüllt werden. Beides ist im Moment nicht da, geringe Auslastung und geringer Yield. Egal was sie machen, die Kosten bleiben hoch.
Gegenbeispiele wären Lauda und QR. Lauda baut auf Touristen und demnächst auf City to City in Europa. Da kann amn immer etwas verschieben, so wie es Ryan ja schon länger macht. Qatar hat eine Flotte von A320 bis A380, mit allem dazwischen und sind so viel flexibler aufgestellt. Als das USA Problem kam haben sie runtergeschraubt, B787 für B773 usw. oder jetzt mit dem Embargo. Das hätte EK so nicht überlebt, da bin ich sicher.
Beitrag vom 30.11.2018 - 11:53 Uhr
Natürlich steigt die Nachfrage nach Günstigflügen weiter an, denn das liegt in der Natur der Sache. Das nennt man Nachfrageelastizität. Demgegenüber muß jedoch auch ein Angebotselastizität liegen. Bei steigenden Kosten geht da die Schere jedoch schnell auseinander. Die Folge - Airlinepleiten oder der Versuch von Kostenreduzierung auf den Schultern der Mitarbeiter oder gar der Flugsicherheit.

Gerade auf der Langstrecke, läßt sich der Kuchen nicht beliebig vergrößern, da hier weniger Effizienzsteigerungspotential im Vgl. zur Kurzstrecke vorliegt. Dann hängt eben vieles an sich schnell ändernden Rahmenbedingungen, wie z.B. dem Treibstoffpreis oder den Personalkosten.

Daraus resultierende zunehmende gewerkschaftlichen Einflüsse auch bei den LCC Airlines wie z. B. Ryanair werden auch dort Spuren hinterlassen in Form von Gewinneinbrüchen. Die kritische Masse einer Ryanair ist jedoch von Vorteil. Ein kleinerer Player wie WOW hat da weniger Möglichkeiten Flüge umzustellen. Schrumpfen verschärft bei Airlines im Allgemeinen die Erfolgsaussichten.

Sollte sich das weltwirtschaftliche Klima weiter abkühlen (die Ölpreise nicht nachhaltig sinken) sieht es für WOW Air und LCC generell schlecht aus. Bei einer notwendigen Erhöhung der Preise, um kostendeckend zu arbeiten, bricht dann sehr schnell Nachfrage weg und läßt den Kuchen wieder kleiner werden.

Lediglich in Regionen wo das verfügbare Einkommen des Durchschnitts der Bevölkerung noch wächst wird für mehr Menschen das Fliegen erschwinglich.

Wo das der Fall ist und wo nicht wird man an den kommenden Airlinepleiten ablesen können. Europa und USA befinden sich jedoch ziemlich am Scheitel der Kurve. Asien hat es noch vor sich, weshalb dort mit weniger Pleiten zu rechnen ist. Aber die Zeiten des starken Wachstums dürften bald erstmal Geschichte sein.


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