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Germania beantragt Insolvenz und stellt Flüge ein

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Germania Boeing 737-700 in Schönefeld, © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Günter Wicker

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BERLIN - Kein Flugzeug hebt mehr ab: die kriselnde Germania hat in der Nacht Insolvenzantrag gestellt und ihre Flotte gegroundet. Die Berliner Airline geriet um den Jahreswechsel in Geldnot und konnte im Januar keine Gehälter mehr an die Mitarbeiter auszahlen. Investorengespräche verliefen im Sande.

Aus für Germania: Die Berliner Airline hat ihren Flugbetrieb eingestellt und einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH, wie das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag mitteilte.

Auf deutsche Flughäfen wirkt sich das Ganze unterschiedlich aus - vor allem kleinere Airports sind zum Teil massiv betroffen. Deutsche Airlines boten Germania-Passagieren, die sich im Ausland befinden, verbilligte Tickets für die Rückflüge an.

Nach den Worten von Germania-Geschäftsführer Karsten Balke war es nicht gelungen, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. "Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb", erklärte Balke laut Mitteilung.

Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter.

Die derzeitige Zahl der Beschäftigten bei der Germania Fluggesellschaft nannte das Unternehmen in der Mitteilung nicht. In einem Jahresabschluss-Bericht zum Geschäftsjahr 2016 waren 954 Mitarbeiter aufgeführt. Momentan sollen es noch mehr als 1.000 sein.

Laut Germania wurde der Insolvenzantrag am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt. Das Gericht bestätigte bis zum späten Dienstagvormittag den Eingang zunächst nicht und verwies auf eine Webseite der Länder zu Insolvenzbekanntmachungen.

Auf den deutschen Flughäfen bot sich ein unterschiedliches Bild. Stark betroffen war zum Beispiel der Flughafen Rostock-Laage. "Von den knapp 296.000 Passagieren im vergangenen Jahr flogen 46 Prozent mit Germania", sagte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Flughäfen Erfurt und Friedrichshafen sind stark betroffen.

Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen.

Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer "außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte".

Investorengruppe um Joachim Hunold

Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle.

Zu der Gruppe sollte auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehört haben. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen, betonte aber noch am Montag: "Der Flugbetrieb verläuft stabil." In der Nacht folgte dann die Mitteilung der Insolvenz. Der letzte Germania-Flug ST3711 aus Fuerteventura landete in Nürnberg.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht bisher keinen Anlass für staatliche Hilfen im Fall Germania. "Das ist ein Anwendungsfall von Marktwirtschaft", sagte Altmaier am Dienstag in Berlin.

Erfolg und Misserfolg seien Teil der Marktwirtschaft. So habe der Staat auch nicht versucht, das Unternehmen Air Berlin zu retten. "Und die Dinge haben ihren Gang genommen, wie hier auch."

Bei Air Berlin habe man geholfen, damit gestrandete Passagiere zurückkommen. Bei Germania gehe es um einen Fall "von viel begrenzterer Dimension", den allermeisten Passagiere könne wohl von Veranstaltern und Reisebüros geholfen werden, über die Flüge gebucht worden seien.

Innerhalb der Bundesregierung werde die Lage derzeit analysiert, betonte Altmaier, unter anderem mit Vertretern von Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium.

##chaviation[st]## Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten.

Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8.000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Günter Wicker, FBB | 05.02.2019 05:16

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Beitrag vom 07.02.2019 - 11:37 Uhr
Germania war in der Branche eher als "negative-Airline" bekannt, u.a. für Pay-To-Fly..... Mitarbeiter hatten teilweise nicht mal eine Krankenversicherung (Toulouse Base) und die ganzen Schickane dieser Airline waren schon widerlich wie sie mit Ihrem Personal umgegangen sind etc. Ich hoffe das diese "Führungskräfte" eine freundliche Abweisung bei Seriösen Airlines bekommen. Schade für diverse Mitarbeiter aber ich weine dieser Airline keine Träne nach. Es kann nur noch etwas besseres kommen.....
Beitrag vom 06.02.2019 - 18:37 Uhr
@contrail55,

die Geschätsführung weiss meist auch, dass eine Personlkostensenkung nur begrenzt etwas bewirken kann.
Wenn man über Jahre Verlust macht, ist man als Geschäftsfüher am falschen Platz
Eben. So habe ich airmann300 interpretiert.
Beitrag vom 06.02.2019 - 15:32 Uhr
@contrail55,

die Geschätsführung weiss meist auch, dass eine Personlkostensenkung nur begrenzt etwas bewirken kann.
Wenn man über Jahre Verlust macht, ist man als Geschäftsfüher am falschen Platz oder man will noch etwas Geld abzocken - ggf. als "Sanierer" - siehe AB.


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