Lufthansa befürchtet Millionenschaden
Älter als 7 Tage

USA pochen auf neue Wet-Lease-Regeln

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Eurowings Airbus A330-200, © Eurowings

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WASHINGTON - Europa und die USA hatten sich 2018 auf neue Regeln bei Wet-Lease-Flügen verständigt. Weil sich die Europäer mit der Umsetzung bisher Zeit lassen, schränkt die US-Regierung Wet-Lease-Flüge von Lufthansa und anderen europäischen Airlines im Sommerflugplan 2019 ein. Das zeigt Wirkung.

Nicht immer ist drin, was außen drauf steht: Airlines mieten Flugzeuge und Personal bei anderen Airlines an. Mit Wet-Lease-Flügen lassen sich Engpässe überbrücken - oder systematisch Kosten senken. Der Passagier erkennt das meist nur am dezenten Hinweis "operated by..." hinter der Flugnummer.

Zwischen den USA und Europa sind die Überlassungverträge ein Dauerthema. Die europäische Wet-Lease-Regelung "benachteiligt amerikanische Airlines im Wettbewerb", beklagen die Vereinigten Staaten seit 2012.

Denn untereinander dürfen EU-Airlines Wet-Lease-Verträge zeitlich unbegrenzt eingehen. Wet-Lease-Mandate für Nicht-EU-Airlines sind hingegen auf maximal 14 Monate Laufzeit gedeckelt. Diese Frist wollen EU und USA abschaffen, eine Vertragsvorlage dafür ist seit Oktober 2018 unterschriftsreif.

Selbst Pilotengewerkschaften zollten der Neuregelung in Artikel 13 der EG-Verordnung 1008/2008 Applaus. Doch die Umsetzung stockt.

Das US-Verkehrsministerium DoT stellte im Februar eine "nicht vernüftig erklärbare Verzögerung durch die Europäer" fest, wodurch US-Airlines weiterhin Zugang zu lukrativen Wet-Lease-Deals in der EU versperrt bleibe.

"Wir haben daher beschlossen, Wet-Lease-Verträge zwischen zwei EU-Airlines auf die gleichen Regelungen einzuschränken, die für US-Airlines beim Wet-Leasing an EU-Airlines gelten", kündigte DoT-Staatssekretär Joel Szabat an.

Die Amerikaner setzen den Hebel bei Eurowings und anderen EU-Airlines an, die USA-Flüge schon länger an Partner ausgelagert haben: nach dem 30. März 2019 dürfen EU-Airlines keine Wet-Lease-Flüge mehr in die USA durchführen, sofern der Wet-Lease bereits länger als 14 Monate besteht.

Lufthansa lässt Cityline, Brussels Airlines und SunExpress im Eurowings-Mandat international fliegen - die Wet-Lease-Linien Richtung USA haben nun ein vorläufiges Ablaufdatum. Eurowings muss die Strecken bei Erreichen der 14-Monats-Schwelle entweder aussetzen oder auf eigene Flugzeuge und Crews umstellen.

Lufthansa verweist auf Frankreich

Lufthansa hat am 05. März auf die akute Bedrohung ihrer Wet-Lease-Flüge reagiert: in einer Stellungnahme an das US-Verkehrsministerium fürchtet Frankfurt eine "Abstrafung der Lufthansa und United (...) für ein Problem, das diese Airlines nicht verursacht haben". United ist über Codeshareverträge mit Wet-Lease-Flügen der Lufthansa verquickt.

Mit Rückendeckung des amerikanischen Partners hat Lufthansa eine Aussetzung der Deadline am 30. März beantragt, um Zeit für Verhandlungen auf Regierungsebene zu gewinnen.

Das Lufthansa-Schreiben deutet an, dass derzeit französische Bedenken eine Umsetzung der Neuregelung in Artikel 13 verzögern. Die Anordnung der USA werde aber "in erster Linie Lufthansa-Flüge in die USA im Codeshare mit United treffen", argumentiert Lufthansa. Der wirtschaftliche Schaden werde "mehr als 100 Millionen US-Dollar" betragen.

Sofern alle EU-Staaten bis zum Stichtag am 30. März der Neuregelung mit den USA doch noch zustimmen, tritt die Gegenmaßnahme der USA nicht in Kraft. Die EU-Kommission schweigt derzeit zu der Angelegenheit.
© aero.de | Abb.: Eurowings | 07.03.2019 08:20

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Beitrag vom 07.03.2019 - 19:05 Uhr
Dann muss man seine vielen Gründungen und Erwerbungen eben irgendwann integrieren, in diesem Fall in Eurowings und auch mit Eurowings TV. Ich finde die Forderung nach klaren Richtlinien und einem Ende der verworrenen Strukturen gar nicht schlecht. Man bucht LH und sitzt in einem Flugzeug mit EW Lackierung und Sun Express Personal. Nur um bestehende und unterschriebene Verträge zu umgehen und auszuhöhlen. Das gesparte Geld darf man dann in ständige Umstationierungen, Neulackierungen, neue Marken... investieren.
Beitrag vom 07.03.2019 - 18:43 Uhr
Ich denke das klassische Wetlease Modell lässt sich schlecht auf Eurowings übertragen. Wenn man sich anschaut wer unter der Marke fliegt, lässt sich diese wohl schwer einem bestimmten Unternehmen, sondern vielmehr der Unternehmensgruppe, zu der auch Brussels gehört, zuordnen.
Beitrag vom 07.03.2019 - 09:44 Uhr
Ist ja schön, dass die Franzosen das blockieren, sie sind ja auch nicht betroffen. Länder treffen immer so schön neutrale Entscheidungen, wenn ihre nationalen Airlines an denen sie Anteile halten irgendwie betroffen sind. Aber der US-Protektionismus ist böse, sowas darf man nur selbst...


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