Bilanz 2018
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Teures Kerosin trübt Gewinnaussichten der Lufthansa

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Lufthansa und Eurowings, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa zügelt wegen trüberer Gewinnaussichten den Ausbau ihres Flugangebots. Die Kapazität wird im Sommer 2019 nur noch um 1,9 statt um 3,8 Prozent erweitert. Der Konzern will damit Druck von den Ticketpreisen nehmen und Extrapuffer für die Hochsaison vorhalten.

Die Lufthansa hat 2018 trotz hoher Treibstoffkosten und teurer Flugausfälle den zweithöchsten Gewinn ihrer Geschichte eingeflogen. Doch steigende Kerosinpreise und der Preiskampf unter den Fluglinien in Europa dämpfen die Erwartungen des Vorstands an das laufende Jahr.

Auch deshalb will Lufthansa-Chef Carsten Spohr das Flugangebot von Europas größter Airline und ihrer Töchter nicht so stark ausbauen wie zuletzt gedacht. Und bei seiner Gewinnprognose für 2019 hielt er sich bei der Bilanzvorlage am Donnerstag eine große Spanne offen.

Am Finanzmarkt kam vor allem der Ausblick überhaupt nicht gut an. Kurz nach Handelsstart verlor die Lufthansa-Aktie rund fünf Prozent an Wert. Während die Gewinnzahlen von 2018 besser ausfielen als von Analysten erwartet, hatten sich Branchenexperten für das laufende Jahr eher mehr ausgerechnet.

Nach dem Rekordjahr 2017 ging der operative Gewinn (bereinigtes EBIT) der Lufthansa im abgelaufenen Jahr um rund vier Prozent auf gut 2,8 Milliarden Euro zurück, wie der Dax-Konzern mitteilte. Dabei machte der Konzern gestiegene Kosten für Kerosin, das Flugchaos des vergangenen Sommers und die Integration von 77 Jets der insolventen Fluglinie Air Berlin bei der Tochter Eurowings weitgehend wett.

Allein für Flugausfälle, Verspätungen sowie die Entschädigung der betroffenen Kunden musste die Lufthansa mit 518 Millionen Euro rund zwei Drittel mehr ausgeben. Die Integration des ehemaligen Air-Berlin-Geschäfts bei Eurowings schlug mit 170 Millionen Euro zu Buche, so dass die Billigtochter des Lufthansa-Konzerns im Gesamtjahr einen operativen Verlust von 231 Millionen Euro schrieb.

Hohe Tankrechnung belastet Gewinne

Deutlich tiefer als zuvor musste die Lufthansa auch für Kerosin in die Tasche greifen. Der gestiegene Ölpreis und das durch die Teilübernahme von Air Berlin stark gewachsene Flugangebot ließen die Treibstoffkosten um rund 850 Millionen auf 6,1 Milliarden Euro anschwellen.

Das Auf und Ab der Ölpreise lässt auch die Prognosen der Lufthansa schwanken: Für 2019 erwartet das Management jetzt Treibstoffkosten von 6,7 bis 6,8 Milliarden Euro. Noch im Januar hatte der Konzern mit einem deutlich geringeren Anstieg auf 6,3 Milliarden Euro gerechnet.

Weil sich vor allem die Fluglinien innerhalb Europas einen herben Preiskampf liefern, halbierte Spohr jetzt auch seine Wachstumspläne für den Sommer. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum will der Konzern sein Flugangebot jetzt nur noch um 1,9 Prozent ausweiten. Für das Gesamtjahr hat er jetzt ein Plus von gut drei Prozent im Auge.

Dabei soll die vor allem innerhalb Europas fliegende Eurowings um etwa zwei Prozent zulegen, die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian um rund vier Prozent. Die Ticketpreise dürften aus ihrer Sicht eher auf dem Niveau des Vorjahres bleiben - mit einem leichten Anstieg bei Eurowings und einem leichten Rückgang bei den Netzwerk-Airlines.

Beim Umsatz erwartet die Lufthansa im laufenden Jahr ein Wachstum zwischen 4 und 6 Prozent. Davon sollen 6,5 bis 8 Prozent als operativer Gewinn beim Konzern hängen bleiben. Das wäre eher weniger als 2018, als diese sogenannte bereinigte Ebit-Marge bei 7,9 Prozent lag.

Bei einem Umsatzplus von 5 Prozent entspricht das neue Margenziel einem operativen Gewinn von 2,4 bis 3,0 Milliarden Euro. Damit würde die Lufthansa trotz mehr Flügen und höherer Erlöse eher weniger verdienen als im Vorjahr. Analysten gingen im Schnitt bisher wie schon für 2018 von rund 2,8 Milliarden Euro aus.

Im Februar mehr Passagiere, weniger Fracht

Im Februar hat Lufthansa im Passagiergeschäft weiter zugelegt. Zusammen mit ihren Töchtern wie Eurowings beförderte Europas größte Fluggesellschaft gut 8,9 Millionen Fluggäste und damit 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie sie am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

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Die Töchter Swiss und Austrian legten mit einem Passagierplus von 4,8 und 8,0 Prozent deutlich zu. Austrian musste trotz starker Angebotserweiterung nur einen geringen Rückgang der Auslastung hinnehmen. Die Kernmarke Lufthansa bewegte sich mit 4,5 Millionen Passagiere und 75,9 Prozent Auslastung auf Vorjahreslevel.

Konzernweit verbesserte sich Auslastung der Jets um 0,2 Prozentpunkte auf 76,5 Prozent. Abwärts ging es erneut im Frachtgeschäft.

Trotz eines deutlich vergrößerten Angebots ging die Verkehrsleistung um 3,5 Prozent auf 802 Millionen Tonnenkilometer zurück. Die Auslastung der Frachträume verschlechterte sich um 7,5 Prozentpunkte auf 64,4 Prozent. Erst vor wenigen Tagen hatte der Weltluftfahrtverband IATA seine Wachstumsprognose für den Frachtmarkt in diesem Jahr gesenkt.

Lufthansa trennt sich von sechs Airbus A380

Lufthansa hatte am Vortag eine Weichenstellung für die Langstreckenflotte der 2020er Jahre bekannt gegeben: der Konzern legt sich weitere 20 Airbus A350-900 zu und bestellt zum ersten Mal auch 20 Boeing 787-9. Sechs der aktuell noch 14 Airbus A380 sortiert Lufthansa zwischen 2022 und 2023 aus.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 14.03.2019 07:30

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Beitrag vom 15.03.2019 - 11:51 Uhr
Die Lufthansa jammert auf hohem Niveau. 2014 waren die Spritpreise fast doppelt so hoh, wie heute und dennoch hat die LH 55 Mio Gewinn gemacht.
Wo lesen Sie da ein Jammern? Auf Bilanzpressekonferenzen stellt man eher fest, gejammert wird bei der Hauptversammlung ;-) Außerdem vergleicht man sich mit dem Vorjahr und nicht mit einem beliebig gewäglten Zeitraum in der Vergangenheit. Wenn man sich den Spritpreis anschaut, so war der etwa 50% höher als in den beiden Vorjahren und zu Zeiten niedrigsten Treibstoffs wurde auch der höchste Gewinn erzielt. Da besteht nun mal ein direkter Zusammenhang.
Da der stark gestiegene Treibstoffpreis von allen Airlines "bejammert" wurde ist schwer eine LH Taktik zur Besteuerungsdiskussion abzuleiten. Diese Besteuerung steht ja außerhalb D nicht an. Da wäre das Argument eher die Chancengleichheit und das wird auch so benannt. Wenn Sie die Pressekonferenz gesehen hätten, hätten Sie auch gesehen, dass man trotz der Umstände ziemlich happy mit dem Ergebnis ist.

Dieser Beitrag wurde am 15.03.2019 11:52 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 14.03.2019 - 18:00 Uhr
Die Lufthansa jammert auf hohem Niveau. 2014 waren die Spritpreise fast doppelt so hoh, wie heute und dennoch hat die LH 55 Mio Gewinn gemacht.
Was sind 55 Mio bei einem Milliarden Umsatz, nichts. Es müssen die teuren Flugzeug Käufe finanziert werden und dazu braucht LH Milliarden Gewinne.

Nein. Umgekehrt wird ein Schuh draus.
Sonderabschreibungen und die Finanzierung diverser Flottenzukäufe haben den Gewinn auf 55 Millionen gedrückt.
Natürlich haben die Treibstoffpreise hier Einfluss, wie die Entwicklung des operativen Ergebnisses zeigt:

 https://www.finanzen.net/bilanz_guv/Lufthansa

Allerdings ist die LH gesund und das prophylaktische Lamento über die Preisentwicklung des Kerosins kann man getrost als präemptive Lobbyarbeit gegen etwaige zukünftige Kraftstoffbesteuerung sehen.
Beitrag vom 14.03.2019 - 12:33 Uhr
Dieses Dauergejammer der Lufthansa ist gruselig. Erstens sind die Kerosinkosten derzeit nicht besonders hoch und zudem hat die LH mehrfach an der Preisschraube gedreht. Vielleicht mal eine etwas konstantere Firmenpolitik , nicht heute Hü morgen Hott würde Kosten sparen. Die ganzen externen Berater abschaffen, die heute empfehlen Salz in der Businessklasse einzusparen, kein Snach mehr in der Eco und morgen schon genau das genaue Gegenteil empfehlen. Mitarbeiter vernünftig bezahlen, zu mehr Zufriedenheit beim Personal sorgen und schon fliegen auch wieder mehr gut zahlende Passagiere mit der LH.
Denke die Auslastung, vor allem der Vollzahler und Bussines Reisenden liegt es nicht. Zumindest ist die Business Class meistens voll besetzt.


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