Caracas
Vor 6 Tagen

Der Autokraten-Hub

CARACAS - Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro ist auf der Suche nach Verbündeten. Welche dies sind, lässt sich am Flughafen Maiquetía in Caracas ablesen. Dort landeten in den vergangenen Wochen Flieger aus dem Iran, Russland, China und der Türkei. Maschinen mit syrischem AOC könnten folgen.

In der zweiten April-Woche hatte der venezolanische Hauptstadt-Flughafen mit sehr praktischen Problemen zu kämpfen: Strom stand nur eingeschränkt zur Verfügung, Mitarbeiter wickelten Sicherheitskontrollen und andere Abläufe großenteils manuell ab, die normalerweise mit technischer Unterstützung funktionieren.

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Die Bevölkerung und öffentliche Einrichtungen sind angewiesen, so wenig Strom wie möglich zu verbrauchen. Die Regierung Nicolás Maduros führt die wiederholte Energiekrise des Landes auf Cyberattacken und andersartige Sabotage aus dem Ausland zurück.

Das "Ausland" teilt sich nach Lesart des Regimes in Unterstützer und Gegner dessen, was Maduro nach wie vor als sozialistische Revolution bezeichnet. Dabei schwindet die Zahl der Befürworter ebenso wie die Zahl kommerzieller Airlines, die Venezuela noch anfliegen – auch wenn die Regierung die Bevölkerung Mantra-artig von der "Großen Infrastruktur-Mission" überzeugen will, die dort im Gange sein soll.

Flugbewegungen sorgen für Kontroversen und Spekulationen

Tatsächlich herrscht Betrieb am Flughafen Maiquetía - doch der sorgt für einige Kontroversen. Im April landete eine Maschine der iranischen Mahan Air in Caracas, an Bord eine Delegation, die mit den Venezolanern über die Aufnahme von Linienflügen zwischen den beiden Ländern beraten soll.

Mahan Air hat in Deutschland, Frankreich, den USA und anderen Ländern Hausverbot. Sie werfen der Airline vor, Waffen und terroristische Kämpfer in syrisches Kriegsgebiet transportiert zu haben.

Bereits im Februar sorgte die Ankunft mehrerer russischer Flugzeuge für Spekulationen. Lateinamerikanische Medien mutmaßten über die heimliche Lieferung von Waffen und Soldaten, nachdem Maduro durch die Selbsternennung seines Kontrahenten Juan Guaidó zum Interimspräsidenten zunehmend unter Druck geraten war.

Offizielle Informationen über den Inhalt der Flieger gibt es nicht, doch eines ist unumstritten: Maduro ist händeringend auf der Suche nach Verbündeten - und er findet Autokraten und Diktatoren. Bodenschätze dienen Maduro als Währung für die neuen Allianzen. 

Im Juli 2018 verkündete er nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine kommerzielle Kooperation mit der Türkei, deren Herzstück der Handel mit venezolanischem Gold sein sollte.

Zugleich kündigte Maduro an, dass Turkish Airlines Caracas zum Drehkreuz für ihre Lateinamerika-Flüge machen werde."Wir haben über die Konnektivität hier gesprochen", zitierte das "Airwaysmag" Maduro.

"Wir kommen voran, weil Turkish Airlines eine Basis in Venezuela eröffnen wird, von der aus sie ihre Lateinamerika- und Karibikflüge koordinieren wird."

Zum aktuellen Stand dieses Projekts hat sich Turkish Airlines auf aero.de-Anfrage bisher nicht geäußert. Die Airline unterhält eine Direktverbindung von Istanbul nach Caracas.

Im November 2018 lotete eine Delegation um die venezolanische Außenhandelsministerin Yomana Koteich zudem eine Kooperation zwischen der venezolanischen Airline Conviasa und dem chinesischen Flugzeugbauer COMAC aus.

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Im April 2019 reist eine Delegation mit Außenminister Jorge Arreaza um den Globus, um weitere Verbündete an Bord zu holen. Eine Station war Südafrika. Eine weitere Syrien.

"Wir hatten ein wichtiges Treffen mit dem syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad, in dem er seine Erfahrungen aus acht Jahren Krieg, dem sein Land ausgesetzt ist, geteilt hat und die Notwendigkeit, dem Imperialismus Einhalt zu gebieten", zitierte der venezolanische TV-Sender teleSUR TV den Minister nach dem Treffen mit dem syrischen Diktator Assad.

Regierungsangaben zufolge lotete Arreaza bei dem Besuch auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Flugverkehr aus. Maduro versucht seine Regierung mit Hilfe einer Allianz zu retten, die durch den Hass auf den Erzfeind USA geeint ist.

Die USA pflegten im 20. Jahrhundert gute und gewinnbringende Beziehungen zu den politisch rechten Diktatoren Lateinamerikas – besonders vor diesem Hintergrund ist ihre Rolle im Venezuela-Konflikt auch bei gemäßigten Beobachtern umstritten.

Kommerzielle Airlines meiden Venezuela

Dennoch: Caracas wird in der aktuellen Gemengelage zum Umschlagplatz für Autokraten und Diktatoren. Ob die neuen Allianzen im Luftverkehr der venezolanischen Bevölkerung in irgendeiner Weise Nutzen bringen, darf bezweifelt werden. Für Hilfslieferungen an hungernde und auf Medikamente angewiesene Venezolaner kooperiert Maduro inzwischen mit dem Internationalen Roten Kreuz.

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Kommerzielle Airlines meiden das Land weitgehend. Einige von ihnen, wie die Lufthansa, British Airways oder LATAM, haben die Flüge dorthin bereits vor Jahren eingestellt - weil das Land keine Devisen mehr auszahlt und bei den Airlines Schulden in Millionenhöhe angehäuft hat.

Andere wie American Airlines haben Caracas erst in den vergangenen Wochen aus dem Flugplan gestrichen - wegen Sicherheitsbedenken. Air France und Air Europa haben auf den Verbindungen nach Venezuela einen Zwischenstopp mit Crew-Wechsel eingeführt, damit Piloten und Kabinenpersonal nicht mehr in Venezuela übernachten müssen.

Air Europa ist diesen Schritt gegangen, nachdem eine Crew laut Informationen der spanischen Pilotengewerkschaft Sepla auf dem Weg vom Hotel beinahe zum Opfer eines bewaffneten Überfalls wurde. Sowohl das Airline-Management als auch venezolanische Medien haben dies später bestritten.
© aero.de (boa) | Abb.: Aeropuerto Internacional de Maiquetía | 14.04.2019 14:50


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Beitrag vom 28.03.2018 - 17:06 Uhr
Sorry, jetzt driften Sie etwas stark ab.
Daher geht man konsequent den Weg, alle Akteure zu sensibilisieren und da gehört der Crewbusfahrer genauso dazu wie auch der CPT.
Aber genau der CPT hat es nicht getan, warum auch immer. Er ist aber derjenige in der ersten Reihe und keine andere Person.
Solch eine Teilung wie sie sie hier fordern, ...
Welche Teilung denn? Ich schreibe von Ergänzung, zusätzlich also.
weil sie eine "Nicht mein Problem" Mentalität fördert
daher die klare Aufgabe an die Kontrolle vor jedem Flug, und nochmal: zusätzlich. Stichproben an Bord, im Transit, ebenfalls. Das Risiko erwischt zu werden ist das Mittel der Wahl.
Für die gesamte Flugsicherheit ist es essentiell, dass jeder die Augen offenhält und lieber einmal zuviel als einmal zuwenig etwas Auffälliges meldet.
Wunderbar, also gleich morgen die Kontrollstelle, zusätzlich zu den offenen Augen eines jeden. Wegen der Dunkelziffer und der damit eingehenden Gefährdung.
Von daher ist der Cargoloader genauso in der Lage einen angetrunkenen Piloten zu melden wie es auch der andere Pilot ist.
Schlimm aber wenn man sich auf den Cargoloader verlassen muss weil der CPT nichts bemerkt hat (oder nicht wollte).
vielleicht errinnern Sie sich an die Absturzserie der DC10 ganz zu Anfang ihrer Dienstzeit, das Problem der sich verbiegenden Betätigungshebel wurde von vielen Cargoloadern erkannt, aber niemand hörte auf sie und dann kam es zu dem wiederholenden Versagen der Frachttüren. (Gepaart mit einer gewissen Ignoranz von Seiten des Herstellers). Und nach ihrer Logik, wäre der Cargoloader auch nicht dafür befugt, diese Aufälligekit zu melden, denn die einwandfrei Funktion der Türen und Tore ist eigentlich Sache der Wartung.
Sie sagen doch selber wo das Problem war. Es wurde gemeldet, aber ignoriert. Was werfen Sie dem Loader also vor? An wen hatte er es gemeldet? Normalerweise bedient der Loader das Frachttor selbstständig und eigenverantwortlich, ohne dass die Wartung am Flugzeug ist. Kann man jeden Tag live beobachten an vielen deutschen Flughäfen. Wie ging denn die Geschichte am Ende aus? Wer hatte schuld? Aber wir weichen mal wieder etwas ab ...
Beitrag vom 24.11.2016 - 18:55 Uhr
Werden die trotzdem normal bezahlt (inkl. aller Zulagen) oder etwa, durch das selbstverständlich alternativlose Streiken ihrer Cockpitkollegen, finanziell geschädigt, weil sie unbezahlten Urlaub nehmen müssen?

Das wäre nur dann der Fall wenn die Lufthansa zum Mittel der Aussperrung greifen würde. Das ist aber seit 1990 in DE nicht mehr vorgekommen und wurde dann auch den restlichen Betrieb lahmlegen.

Beitrag vom 24.11.2016 - 18:34 Uhr
Die Kabine wird ganz normal weiter bezahlt.

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