Zitat aus Handelskonflikt
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Boeing: 737 MAX 8 für gewisse Flughäfen "nicht geeignet"

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Boeing 737 MAX 7, © Boeing

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CHICAGO - Boeing könnte bei der Aufarbeitung der beiden 737 MAX 8-Abstürze eine Formulierung aus dem Handelsstreit mit Bombardier im Jahr 2017 einholen: Die Boeing 737 MAX 8 ist demnach für besonders hoch gelegene Flughäfen oder solche in außergewöhnlich warmen Lagen nicht geeignet.

In dem Konflikt versuchte Boeing die internationale Handelskommission der USA davon zu überzeugen, dass die damalige Bombardier CSeries (heute Airbus A220) in direkter Konkurrenz mit seinen 737-700 und 737 MAX 7 stünde. 

Boeing sah sich in diesem Marktsegment im Nachteil, weil Bombardier seiner Ansicht nach unlautere Subventionen für die Entwicklung der CSeries bekommen hatte. Bombardier hatte damals den Zuschlag für fünfundsiebzig CS100 von Delta Air Lines bekommen. 

Offenbar im Kampf um das Segment kleinerer Flugzeuge unterstrich Boeing die Vorzüge der 737 MAX 7 gegenüber größeren Maschinen, einschließlich denen derselben Baureihe.

"Die 737 MAX 7 liefert an schwierigen Flughäfen eine bessere Performance. Insbesondere kann die 737 MAX 7 gewisse "high/hot" - Flughäfen bedienen", zitiert die Nachrichtenagentur "Bloomberg" aus dem Schriftverkehr im Rahmen des Handelskonfliktes.

In dem zitierten Schreiben stehen laut "Bloomberg" - geschwärzt - eine Reihe dieser Flughäfen, welche die 737 MAX 7 bedienen kann und "die 8, 9 und 10 nicht." Weiter: "Größere 737-Varianten können auf sogenannten "high/hot"-Flughäfen nicht genutzt werden. Gewisse US-Flughäfen sind wegen ihrer Kombination aus Länge der Startbahn, ihrer Höhe, der Temperatur, Feuchtigkeit und anderer Umwelteinflüsse" für die MAX 8 nicht geeignet.

Denver und Mexiko-Stadt

Das Ethiopian-Drehkreuz Addis Abeba zählt zu den sogenannten "high/hot"-Flughäfen – der Bole International Airport liegt in einer Höhe von gut 2.300 Metern. Flugzeuge benötigen in höheren Lagen längere Startbahnen und eine höhere Startgeschwindigkeit.

Über erstere verfügt Addis Abeba laut einem Boeing-Sprecher – und kann daher auch große Flugzeuge abfertigen.

Das Dokument des Handelskonflikts bezog sich auf mindestens 16 Flughäfen in Nord- und Mittelamerika, die der Kategorie "high/hot" zugeordnet werden und damit ungeeignet für die MAX 8 wären. Die Namen dieser Flughäfen wurden nicht veröffentlicht.

Während einer Anhörung vor der Handelskomission antwortete ein Sachverständiger für Boeing auf die Frage, welche Flughäfen dies seien: "manchmal könnte Denver dazu gehören." Auch Mexiko-Stadt zählt demnach "sicherlich" dazu.

Sowohl der Flughafen von Mexiko-Stadt als auch der von Denver liegen zwischen knapp 100 und gut 600 Meter tiefer als der Bole Airport in Addis Abeba – ihre Start- und Landebahnen sind ebenso lang oder länger als die in Addis Abeba. Auch Aeroméxico betreibt Boeing 737 Max 8 in ihrer Flotte.

"High/Hot" spielte bisher bei ET302-Unfallermittlung keine Rolle

Die Höhe des Flughafens spielte bisher bei der Suche nach Absturzursachen des Ethiopian-Flugs 302 keine Rolle und hat den Absturz vermutlich nicht verursacht. 
Dennoch könnte Boeings Formulierung in dem Handelskonflikt aus dem Jahr 2017 von Klägeranwälten noch gegen den Flugzeugbauer verwendet werden.

"Klägeranwälte werden sich auf das Zitat beziehen und eine Erklärung von dem Unternehmen fordern", sagte der langjährige Luftfahrt-Anwalt und Dozent für Luftfahrt-Recht an der Universität von New Jersey.

Der Chicagoer Anwalt Thomas Demetrio, der eine Klage gegen Boeing im Zuge des Lion Air-Absturzes führt, würde eigenen Angaben zufolge weder Höhe noch Hitze in die Klage einbeziehen, wenn nicht die Ermittler oder einer seiner Spezialisten diese beiden Faktoren als einen wahrscheinlichen Grund benennen würden.

Alle Komponenten, die zum Absturz des Ethiopian-Flugs 302 beigetragen haben, werden erst mit dem Abschluss des Ermittlungsberichts im kommenden Jahr bekannt werden.

"Bis jetzt ist es wie eine Detektivgeschichte", zitiert "Bloomberg" einen 737 MAX 8-Piloten. "Und wir haben nicht alle Daten."
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Boeing | 13.04.2019 02:02

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Beitrag vom 14.04.2019 - 22:15 Uhr
Boeing hat hier aus wettbewerblichen Gründen ziemlich plump mit höchst physikalischen Details argumentiert, welche aber nun zu einer Falle für sie selbst werden.

ja, aber ich denke, man wird Boeing nicht deswegen belangen können?

Doch, genau darum geht es ja jetzt: Boeing hat - um die unliebsame Neuentwicklung CSeries aus dem amerikanischen Markt draussen zuhalten - argumentiert, dass die CS ihre B737Max7 „schädigt“, weil nur die MAX7 auf ‚„hot & high“ Flugplätzen operieren könne, nicht jedoch die MAX8/9. Deswegen sei die 7 erforderlich und durch die CS geschädigt. So habe ich das verstanden.

Komisch nur, dass sie die MAX8 dann an Ethiopian Airlines verkauft haben... Widerspruch in sich...

Boeing hat sich juristisch in eine schwierige Lage gebracht. Das kostet $$$
Beitrag vom 14.04.2019 - 18:16 Uhr
Boeing hat hier aus wettbewerblichen Gründen ziemlich plump mit höchst physikalischen Details argumentiert, welche aber nun zu einer Falle für sie selbst werden.

ja, aber ich denke, man wird Boeing nicht deswegen belangen können?
Beitrag vom 14.04.2019 - 16:42 Uhr
@sciing: Ich glaube, Sie haben den Artikel und die widersprüchliche Argumentation von Boeing nicht verstanden. Der Artikel ist völlig korrekt. Sie verstehen einfach die Materie nicht.

@A320FAM: Auf hohen Plätzen kommt man bei langen Startbahnen irgendwann in die Zwickmühle zwischen aerodynamisch notwendiger IAS (=Indicated Air Speed) versus TAS (=True Air Speed), welche am Boden gleich GS (=Ground Speed) ist.
Flugzeugreifen haben ein Tire Speed Limit (meistens ca. 195 Knoten) und das kann man auf "hot and high" Airports schnell mal erreichen, wenn man mit hohen Gewichten auch eine hohe V1/Vr/V2 (=IAS-Speeds), sprich für den Reifen limitierend Vr (=V rotate, bezogen auf TAS!), benötigt. Performance (=Flugleistungsdaten-Berechnung) ist eine hoch komplexe Materie und selbst vielen Airline-Piloten nicht immer detailliert bekannt.

Boeing hat hier aus wettbewerblichen Gründen ziemlich plump mit höchst physikalischen Details argumentiert, welche aber nun zu einer Falle für sie selbst werden.


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