Condor und Co.
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Tauziehen um die Thomas Cook Airlines

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Condor Airbus A321, © Thomas Cook

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FRANKFURT - Europa- und Langstrecke: Lufthansa hat Thomas Cook ein Angebot für die komplette Condor unterbreitet - und kann sich vorstellen, alle Airlines des britischen Reisekonzerns zu übernehmen. Um die Fluggesellschaften zeichnet sich ein Bieterkampf zwischen Lufthansa und Virgin Atlantic ab.

Carsten Spohr hat sich in dieser Woche in Sachen Thomas Cook weit aus dem Fenster gelehnt. "Wir haben uns (...) entschieden, ein Bid abzugeben für die gesamte Condor, mit der Option, dies auf alle Thomas-Cook-Airlines erweitern zu können", sagte der Lufthansa-Chef der Nachrichtenagentur "Reuters".

Bisher hatte Lufthansa lediglich Interesse an der Condor-Langstrecke gestreut. Und er gehe auch weiterhin davon aus, dass die wettbewerbsrechtliche Situation eine Komplettübernahme ohnehin nicht hergebe, schränkte Spohr ein.

Thomas Cook hatte seine Airlinesparte mit knapp über 100 Flugzeugen und zuletzt 147 Millionen Euro Gewinn zu Jahresbeginn ins Schaufenster gestellt - der Konzern will mit dem Erlös Schulden tilgen und sich Spielraum für neue Investitionen in Hotels und Digitalisierung schaffen.

Condor ist mit 50 Flugzeugen die größte Airline im Verbund, gefolgt von Thomas Cook Airlines UK mit 37 Flugzeugen. Die britische Fluggesellschaft ist wegen fehlender Synergien für Lufthansa zwar weit weniger attraktiv, sagte Airlineanalyst Daniel Roeska. Allerdings könnte Lufthansa unter Zugzwang geraten.

Denn Thomas Cook sollen inzwischen mehrere Angebote für die komplette Airlinesparte vorliegen: Nach Informationen des Senders "Sky" hat Virgin Atlantic ein Auge auf das Langstreckengeschäft von Thomas Cook aus Gatwick geworfen und will vielleicht noch mehr Airlines der Gruppe übernehmen - hinter Virgin Atlantic stehen Delta und Air France-KLM.

Auch der US-Airlineinvestor Indigo Partners hat laut Medienberichten schon bei Thomas Cook angeklopft. IAG will sich aus dem Verfahren hingegen raushalten. "Wir haben keine Pläne bei Thomas Cook", beendete Konzernchef Willie Walsh am Freitag Spekulationen über ein Gebot.

Attraktive Kleinflotten

Sollte Lufthansa ihre Angebot tatsächlich ausweiten - und sich am Ende gegen die Konkurrenz durchsetzen - könnten neben Condor auch die Cook-Plattformen in Dänemark und Spanien für den Konzern durchaus interessant sein, heißt es in Luftfahrtkreisen.

Thomas Cook Scandinavia hat 2018 mit acht Airbus A321 und vier A330 rund 2,4 Millionen Passagiere befördert - und unter dem Strich knapp 24 Millionen Euro Gewinn erzielt. Die Anfang 2018 auf Mallorca eingerichtete und mit sechs A320 ausgestattete Thomas Cook Balearics hat die Condor-Linien aus Stuttgart und Hannover nachbesetzt.

Zwei ehemalige A320 von Thomas Cook fliegen bereits im Lufthansa-Verbund: die Konzerntochter Brussels Airlines hatte die Flugzeuge und Crews von der zwischenzeitlich aufgelösten Zweigstelle Thomas Cook Belgium übernommen.

Lufthansa hatte Condor vor etwa zehn Jahren an Thomas Cook verkauft. Derzeit nutzen mehr als 30 Prozent der Condor-Langstreckenpassagiere Lufthansa als Zu- oder Abbringer, sagte Spohr am 14. März. "Gegen Lufthansa" könne ein Dritter die Condor-Langstrecke aus Frankfurt nur schwerlich betreiben

Vorsorglich stationiert Lufthansa im Winter Airbus A330 von Eurowings in Frankfurt - und spiegelt Condor-Strecken.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Thomas Cook | 11.05.2019 08:40

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Beitrag vom 11.05.2019 - 20:21 Uhr
Stimmt die Idee hätte was bevor MOL und Co wieder zuschlagen.
Ich befürchte nur Fr. Margrethe Vestager hat etwas dagegen wie letzmal und schafft wieder ein fürchterliches Caos wie letztesmal. (LH-OE-MOL) das wäre echt typisch EU

Dieser Beitrag wurde am 11.05.2019 20:21 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 11.05.2019 - 15:25 Uhr
Ich betrachte das Angebot von Virgin als ganz gut für Lufthansa. LH will den britischen Teil wohl nicht wirklich, musste aber bieten um im Rennen zu bleiben. Umgekehrt will Virgin Condor wohl kaum. Ich denke Virgin (und AF/KLM + DL) wären gute Partner um einen gemeinsamen Deal zu machen. AF/KLM/DL/Virgin kämpfen eher mit LH gegen LCC und 3ME und kaum direkt gegeneinander. Keine EW im AF/KLM gebiet und umgekehrt keine Transavia im LH gebiet. Gemeinsam Kaufen und Aufteilen. Condor + TC Scandinavia + Balearics und das britische Geschäft zu Virgin. Gemeinsam können Sie ein solides Angebot abgeben. Balearics würde wohl in die EW Basis in PMI integriert, Scandinavia aufgelöst und die Flugzeuge nach Deutschland verschoben. SAS als Partner konkurrenziert man eher weniger. Und die A330 aus Scandinavien könnten gleich als erste Ersatz von 767 fungieren. Die LH Flotte würde aus Effizienzgründen wohl sowieso auf A330 umgestellt werden. Und wenn LH mit DE gsnau das mach was WK in der Schweiz mit LX macht, sehe ich da ein sehr gutes Geschäftsmodell.


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