"New York Times"
Älter als 7 Tage

Boeing lehnte Grounding-Vorstoß von Piloten ab

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American Boeing 737 MAX 8, © Boeing

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DALLAS - Die Krise um die Boeing 737 MAX zieht weitere Kreise. Piloten von American Airlines drängten bereits Ende November 2018 auf eine Überprüfung des MCAS durch die US-Luftfahrtaufsicht FAA - der Hersteller blockte ab. Das jetzt durchgesickerte Protokoll des Treffens ist für Boeing heikel.

Der Termin am 27. November 2018 in Dallas war für Mike Sinnett kein Freundschaftsbesuch: die Pilotengewerkschaft von American Airlines hatte den Boeing-Entwicklungschef nach dem Absturz einer 737 MAX 8 von Lion Air zum Rapport geladen.

Testpilot Craig Bomben und Konzernlobbyist John Moloney gehörten der Boeing-Delegation ebenfalls an. Auf Seite der Piloten nahm unter anderem Michael Michaelis teil - der Flugkapitän ist bei American Airlines für alle Sicherheitsthemen im laufenden Flugbetrieb zuständig.

Von dem einstündigen Treffen in einem fensterlosen Konferenzraum im American Airlines-Bürokomplex am Flughafen Fort Worth existiert eine Tonbandaufnahme, aus der die "New York Times" zitiert.

Die Stimmung im Raum war aufgeladen - erst durch den Absturz von Lion Air-Flug 610 mit 189 Toten hatten die Piloten von der Existenz der Trimmautomatik MCAS erfahren.

Michaelis forderte von den Boeing-Leuten, bei der US-Luftfahrtaufsicht FAA auf eine Lufttüchtigkeitsanweisung für die 737 MAX hinzuwirken - auch wenn dies zu einem Grounding führen könnte: "Meine Frage an Euch - als Boeing - lautet: warum sagt Ihr nicht, dass dies der vernünftigste Weg ist?"

Die Rolle des MCAS beim Absturz der 737 MAX in Indonesien sei für einen solchen Schritt noch nicht hinreichend geklärt, wiegelte Sinnett die Forderung ab. Außerdem sei die Trimmautomatik auf ein "Zusammenwirken von Piloten und System" ausgelegt - und damit in erster Linie ein Trainingsthema.

Zugleich räumte Sinnett ein, dass Boeing die eigenen Annahmen bei Auslegung und Zulassung des Systems überprüfe. "Das schlimmste, was passieren kann, ist eine Tragödie wie diese", sagte der Manager. "Und noch schlimmer wäre eine weitere." Keine vier Monate später stürzt Ethiopian Airlines Flug 302 in Addis Abeba ab: eine 737 MAX 8 mit 157 Menschen an Bord.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Boeing | 15.05.2019 10:38

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Beitrag vom 15.05.2019 - 22:31 Uhr
@FW 190,
hat keiner bedacht, dass man ein ein System wie MCAS nur mit gesicherten Daten nutzen kann?
Hat keiner getestet, was passiert wenn MCAS nach dem Einfahren der Klappen das Flugzeug nach unten schickt?
Das Problem ist nicht MCAS! Dann wäre die Geschichte längst gelöst. Nach wie vielen Sekunden ist ein trim runaway in Bodennähe nicht handhabbar.....(Rostov, Addis)?

Beitrag vom 15.05.2019 - 19:26 Uhr
Ich hoffe sehr, dass die Zertifizierung der MAX durch die EASA regelgerecht und ohne zeitlichen und wirtschaftlichen Druck erfolgt, wenn es denn einmal soweit ist. Die daraus erfolgenden Änderungen/Vorschriften müssen transparent gemacht werden, um wieder Vertrauen herzustellen.
Die FAA leidet unter den in den USA üblichen Vorbehalten gegen Beamte und alle die vom Staat beschäftigt und bezahlt werden. Unter Trump ist der Personalabbau beschleunigt worden. Deshalb hat es, bis auf die Betroffenen, auch wenige gerührt als unter Trump schon zweimal Haushaltssperren verhängt wurden.
Wahrscheinlich war für Boeing genau diese Situation wohl zu verführerisch.
Besonders die permanente Ignoranz, mit der die MAX selbst angesichts von 346 Toten immer noch als sicher bezeichnet wird, ist kaum zu ertragen.
Beitrag vom 15.05.2019 - 13:56 Uhr
Unfassbar, aber ohne Absicht:
"Die Untersuchung habe aber gezeigt, dass Boeing bei der Zertifizierung der 737 Max 8 keine Vorgaben missachtet oder die FAA absichtlich hinters Licht geführt habe."
Quelle:
 https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/boeing-mitarbeiter-haben-steuerungssystem-mcas-abgesegnet-a-1267498.html

Wenn es nicht so traurig wäre könnte man Realsatire vermuten.

Dieser Beitrag wurde am 15.05.2019 13:56 Uhr bearbeitet.


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