Boeing 737 MAX
Älter als 7 Tage

US-Abgeordnete sehen Mitschuld von Piloten

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Boeing 737 MAX, © Safran

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WASHINGTON - Ein Komitee des Weißen Hauses und ein Gremium des US-Senats haben Mitte Mai hochrangige FAA-Angestellte in die Mangel genommen - im Fokus lag die Zertifizierung der 737 MAX. Einzelne Abgeordente und FAA-Chef Daniel Elwell stellten die Kompetenz der verunglückten 737 MAX-Piloten infrage.

Das Problem der Lion Air-Boeing 737 MAX hätte für die Piloten sofort erkennbar sein müssen, sagte der noch amtierende Chef der US-amerikanischen Luftsicherheitsbehörde FAA, Daniel Elwell laut "Washington Post".

Doch da sei ein "klarer Mangel an Einsicht" gewesen, schob Elwell demnach gegenüber den Vertretern des Weißen Hauses nach.

Die Piloten hätten ihm zufolge das System außer Gefecht setzen müssen, um das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen.

Nur: Zum Zeitpunkt des Absturzes der Lion Air-Boeing 737 MAX im vergangenen Oktober wussten die wenigsten Piloten von der Existenz des automatischen Fluglagekorrektors MCAS, der ersten Untersuchungsergebnissen das Verhalten des Flugzeugs vor dem Absturz beeinflusst hat.

Fünf Monate später habe sich die Ethiopian Airlines-Crew "nicht an die Notfallanweisungen gehalten, welche die (FAA, Red.) herausgegeben hat, gehalten." Außerdem haben die Piloten seiner Ansicht nach zu keiner Zeit die Fluggeschwindigkeit kontrolliert.

Dieses Basiswissen werde bereits zu Beginn der Ausbildung vermittelt. "Da zieht man keine Checkliste heraus, das hat man im Kopf und darauf wird man permanent getestet", sagte er. Kurzum: Fehlentscheidungen der Piloten haben Elwell zufolge zu den beiden Abstürzen mit insgesamt 346 Toten beigetragen.

Zwei republikanische Abgeordnete wurden in ihren Anschuldigungen noch deutlicher. Die Piloten der verunglückten 737 MAX "haben nie die Geschwindigkeit reduziert, sie waren einfach zu schnell", zitiert die "Washington Post" den Republikaner Sam Graves, Mitglied des Verkehrsausschusses im Weißen Haus und selbst Pilot. "Dieser fundamentale Fehler löste anscheinend einen Domino-Effekt auf die nachfolgenden Ereignisse aus."

Der Abgeordnete Paul Mitchell: "Ich möchte versuchen, respektvoll zu sein, weil sie verstorben sind. Aber haben wir nicht nur Bedenken hinsichtlich der Ausbildung von Piloten in anderen Ländern sondern auch hinsichtlich ihrer Protokolle?"

Damit spielt er auf die Schwierigkeiten der verunglückten Lion Air-737 MAX an, die sie bereits am Tag vor ihrem Absturz hatte. Bereits damals drückte die Nase des Flugzeugs nach unten, ein dritter mitfliegender Pilot schaltete die Trimmautomatik aus und verhinderte so möglicherweise eine Katastrophe.

"Es scheint, dass sie die Probleme nicht voll umfänglich berichtet haben", sagte dazu Sam Graves.

Der Fokus der Anhörungen lag eigentlich auf dem Zertifizierungsprozess und der Frage, wieviel davon in den Händen des 737 MAX-Herstellers Boeing lag. "Die FAA hat ein Glubwürdigkeitsproblem", zitiert die "Washington Post" den Republikaner und Vorsitzenden des Luftfahrtausschusses im Wießen Haus, Rick Larsen. "Die FAA muss dieses Glaubwürdigkeitsproblem in den Griff kriegen."
© aero.de (boa) | Abb.: Boeing | 31.05.2019 08:09

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Beitrag vom 03.06.2019 - 18:07 Uhr
Es fühlte sich wohl keiner bei Boeing zuständig und die Übersicht hatte wohl nur eine inkompoetente Person.
Wie läuft es bei der 777x?
Beitrag vom 03.06.2019 - 17:12 Uhr
Weiss nicht ob das schon jeder gelesen hat.
 Timeline der MAX Entwicklung bei der NYT: "Boeing Built Deadly Assumptions Into 737 Max, Blind to a Late Design Change"

Demnach ist MCAS in der letztendlich verbauten Form tatsächlich ein ziemlich später Change Request gewesen, der aus einem System, das unter extremen Bedingungen aufgrund mehrerer Sensoren leicht eingreift ein System gemacht hat, das unter Normalflugbedingungen aufgrund eines einzigen Sensors massiv eingreift.

Wenn dieser Bericht stimmt und eine solche Änderung zu keinem Zeitpunkt eine Sicherheitsbewertung getriggert hat, dann hat Boeing ein echtes Prozess-Problem in der Entwicklung.




Dieser Beitrag wurde am 03.06.2019 17:18 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 03.06.2019 - 15:26 Uhr
@jasonbourne

Bitte begehen Sie nicht den Fehler, die Meinung einzelner als allgemeingültig anzusehen....

Es haben sich relativ zeitgleich gleich 2 B737 Piloten so geäußert und verlauten lassen das ihre Pilotenfreunde auf der 37 das genauso sehen.
Was mich wundert, denn z.b. beim AF A332 haben sich viele Airbus Piloten solidarisch mit der verunglückten Crew geäußert, obwohl klare Pilotenfehler vorlagen.
Die Probleme von Airbus mit dem verstopften Pitot Rohr und dem Moduswechsel des AP mit der wegfallenden Pitch protection waren wesentlich weniger Problematisch vons eiten des Herstellers als die Aktion hier von Boeing bei der MAX mit MCAS.
Auch wenn man das AF Training mit einbezieht, die scheinbar bei unreliable airspeed Schub auf max. und auf alpha protc. ziehen trainiert haben. Diese gnaze Geschichte hat man damals ja zurecht kritisiert.

Die Punkte das die beiden Piloten hier Boeing verteidigen wollen (relativ neue Mitforisten) aus nicht sachgründen klammere ich mal aus.


Es gab immer und es wird immer Menschen geben, egal ob Fußgänger, Zulassungsexperte oder Piloten, die deutlich konträre Meinungen zu einem Thema haben.

Ist ja auch gut so. Man sollte aber durchaus vernüfntigen Thesen offen gegenüber sein und dann auch einsehen wenn es eben eine objektive Betrachtung gibt.

Egal ob bei AF, Lion Air oder ET usw. sind die Fehlerursachen mittlerweile so komplex, dass es definitiv zu kurz gesprungen ist, "nur" den Piloten oder "nur" dem Hersteller die alleinige Schuld zu geben.

In der Regel stimme ich da 100% zu.
Dieser Fall scheint tatsächlich einer der wenigen zu sein, in dem die Piloten, zumindertens bei Lion Air, keine oder kaum Anteil haben. Die Wartung vlt. - aber es scheint so als träge Boeing und die FAA hier fast die Alleinschuld.
MCAS darf so wie es ist niemals entwickelt, durch qualitätsmanagement prozesse und zertifizierung kommen. Das muss in Risikoanalysen auffallen. Das muss leitenden Ingenieuren auffallen.
Das muss im Sim, im Testprogramm etc. auffallen.

Das ist in meinen augen ein major blunder.
Beängstigend ist v.a. das Boeing nach Lion Air noch einen 2. Flieger verloren hat, weil ihre Methoden Ethopian nicht geholfen haben.

Leider sind die Piloten aber in aller Regel die ersten an der Unfallstelle, können sich meistens hinterher nicht mehr äussern und wären aber gleichzeitig die einzigen, bzw. letzten gewesen, die die Unfallkette hätten unterbrechen können.
Ja, tote sind immer gute schuldige. Deren Verteidigung ist brüchig.
Boeing hat Mist gebaut und diese Piloten konnten damit nicht umgehen. Das Resultat ist klar.

Bin ich bei ihnen.
Ich hoffe jetzt einfach mal, dass sowohl Boeing, als auch die entsprechenden Trainingsdepartments aus dieser Nummer lernen und wir sobald keinen großen Unfall mit MCAS Beteiligung mehr sehen werden.

Ich hoffe das wir generell keine UNfälle sehen.


Von daher erstaunt mich die Überheblichkeit, mit der hier mit 30 Jahre alten angeblichen Erfahrungen anonym Schuldzuweisungen von einem vermeintlichen ex-Piloten verteilt werden.

Das wundert mich ebenso sehr.


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