Wieder mehr Unfälle
Älter als 7 Tage

Machen rapides Wachstum und Preisdruck Fliegen gefährlicher?

Foto
Lufthansa Aviation Training Simulator, © LAT

Verwandte Themen

CHICAGO - Die Zahlen tödicher Flugunfälle sind in den vergangenen Jahren gestiegen - nicht nur wegen der beiden Abstürze der 737 MAX mit insgesamt 346 Opfern. 2018 gab es in fast jeder Weltregion mehr Flugunfälle, bei denen insgesamt 523 Menschen ums Leben kamen.

Das sind laut IATA so viele wie in den vorherigen vier Jahren nicht. Auch dieses Jahr wird die Zahl wegen des Ethiopian Airlines Fluges 302 und des Aeroflot-Fluges 1492 eine traurige Marke setzen.

Flugzeuge hatten sich den Status des sichersten Transportmittels erarbeitet - was geht nun vor sich? Klar ist, dass die Nachfrage nach Flugreisen so schnell wächst, dass Airlines, Flugzeugbauer und Regulierungsbehörden kämpfen, sie zu bedienen. Gleichzeitig steigt der Preisdruck durch zunehmende Konkurrenz.

Und Sicherheit ist ein Kostenfaktor: Zusatzfeatures in Flugzeugen sind Investitionen, über die das Airlinemanagement möglicherweise drei Mal nachdenkt, wenn auf dem Markt Tickets für 9,99 Euro verfügbar sind.

"Man bekommt das, wofür man bezahlt", sagt Sicherheitsforscher Geoffrey Dell, der sich seit 1979 mit dem Thema Flugsicherheit beschäftigt. "Jeder bewegt sich zurück zum Mindeststandard - mit dem Ziel, das beste Resultat zum günstigten Preis zu erzielen."

Fliegen ist nach wie vor sicher. Zirka 4,3 Milliarden Flugreisende sind 2018 wohl behalten an ihrem Ziel angekommen. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls liegt bei etwas mehr als eins zu eine Million.

Seit über zehn Jahren gab es nicht mehr über eintausend Tote in einem Jahr zu bekagen - zuvor kam das seit den 1960er Jahren regelmäßig vor, trotz deutlich geringerer Passagierzahlen. Dennoch zeichnet der Sicherheitsbericht des internationalen Fluglinienverbandes IATA ein ungewöhnlich düsteres Bild.

Ihm zufolge hat die Industrie zwar riesige Sprünge gemacht, war aber zu langsam darin, katastrophalen Ereignissen wie einem Kontrollverlust während des Fluges entgegenzuwirken.

Zugleich sind es die Airlines, die Druck auf die Flugzeugbauer ausüben und von ihnen immer spezifischere Flugzeugeigenschaften abverlangen, um Reisetrends zu bedienen.

Schließlich schafft auch die steigende Nachfrage nach Flugreisen nicht nur einen enormen Bedarf an Piloten sondern auch an Wartungstechnikern.

Immer komplexere Systeme

Die beiden 737 MAX-Abstürze haben zudem einige der Risiken aufgezeigt, welche die komplexen Systeme moderner Flugzeuge mit sich bringen. Erste Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass fehlerhafte Aktionen des automatischen Fluglagekorrektors MCAS einen Anteil an den Unfällen hatten.

Laut IATA trugen außerdem Pilotenfehler zu einem Drittel der 339 tödlichen und nicht tödlichen Unfällen zwischen 2013 und 2017 bei. Flugsimulator-Training ist so laut Sicherheitsforscher Dell so teuer, dass die Qualifikation der Piloten mancher Airlines, die keinen eigenen Simulator haben, nachgelassen hat.

Piloten müssen auch auf Situationen außerhalb des Lehrplans vorbereitet werden, sagt Airbus Training Manager Dirk Dahmen. "Wir müssen unsere Piloten darauf trainieren, auch mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen."

Zuguterletzt brauchen auch die Zertifizierungsbehörden genügend Ressourcen, um ihren Job zu machen, sagt der Analyst Richard Aboulafia. Unabhängig vom unnötigen Einfluss der Flugzeugbauer.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: BASARNAS | 10.06.2019 09:36

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 11.06.2019 - 14:32 Uhr
Nu soviel zum "Fachforum".
Beitrag vom 10.06.2019 - 21:33 Uhr
So unterschiedlich kann man Statistiken interpretieren. 2017 wurde bei der Zahl der Verunglückten ein Tiefstwert erreicht. Obwohl es 2018 wieder schlechter wurde, war das Fliegen im Jahr 2018 ca. 30 Mal sicherer als in den 1970er-Jahren.
Airlines, die die Sicherheit schleifen lassen, aus welchen Gründen auch immer, müssen eben aus dem Markt ausscheiden. Das scheint auch sehr gut zu funktionieren.



Beitrag vom 10.06.2019 - 20:14 Uhr
Ja, steht im Artikel:

"Man bekommt das, wofür man bezahlt", sagt Sicherheitsforscher Geoffrey Dell, der sich seit 1979 mit dem Thema Flugsicherheit beschäftigt. "Jeder bewegt sich zurück zum Mindeststandard - mit dem Ziel, das beste Resultat zum günstigten Preis zu erzielen."

Entscheidend ist aber den Wert von 1 Unfall Pro 1 Mio Flüge zu reduzieren. Es gibt Airlines die über die Mindeststandards hinaus gehen und durch Technik und Schulung 1 : 100 Mio anstreben, andere geben sich mit angestrebten 1: 5-10 Mio zufrieden. Das der Aufwand im ersten Fall deutlich höher und teurer ist, ist eigentlich eine Binsenweisheit.

Physiker Spruch: " Von nix kommt nix " und ein guter Kaufmann weiss: "Was nichts kostet ist nichts wert"

Manchmal kommt es mir vor, als hätten diese alten Erfahrungen heute keine (oder nur sehr wenige) Anhänger mehr.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

Meistgelesene Artikel

Community

FLUGREVUE 04/2014

Video-Blog

KLM Boeing 747-400 Amsterdam - St. Martin

Kurzreportage über den Anflug mit einer KLM Boeing 747-400 auf St. Martin. Der Landeanflug führt tief über den Maho Beach, an dem sich Passagierjets sehr gut beobachten lassen und schon viele spektakuläre Filmaufnahmen und Fotos entstanden sind. Dieses Video gibt einige interessante Hintergrundinformationen zum Anflug.

Shop

CCBot/2.0 (https://commoncrawl.org/faq/)