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Air-Berlin-Anleihe wird zum Wirtschaftskrimi

LONDON - Gemeinsam treiben Airlines aus dem Etihad-Universum 2015 einen Milliardenbetrag auf. Einer Investmentbank ist der "bizarr komplizierte Deal" zu heiß - einer anderen nicht. Das Geld versandet in den Fluggesellschaften. Die Gläubiger lassen die Transaktion jetzt von privaten Ermittlern aufrollen.

Es war eine Kapitalbeschaffung wie keine andere: Goldman Sachs arbeitete mit zwei undurchsichtigen Brokern bei einem ungewöhnlichen Deal zusammen. Und der umstrittene Finanzier Lars Windhorst zog als einer der Architekten der Transaktion hinter den Kulissen die Fäden.

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Etihad Airways Boeing 787-9, © Etihad Airways

Investoren rissen sich um Anleihen im Volumen von 1,2 Milliarden Dollar. Die Erlöse flossen an eine Gruppe von Fluggesellschaften, die mit Etihad Airways verbunden waren und teils immer noch sind. Innerhalb weniger Monate flogen die beteiligten Banker mehrfach über den Atlantik, erhielten sogar eine Auszeichnung für ihre Kreativität.

Zwei Jahre später platzte die Transaktion.

Eine Gruppe von Gläubigern greift jetzt auf unkonventionelle Methoden zurück, um Verluste wieder hereinzuholen. Sie haben eine private Detektei engagiert. Der Auftrag: Details beschaffen, wie der Deal zustande gekommen ist. Welche Rollen spielten Windhorst, Etihad Airways und die Gruppe, die das Geld auftrieb? So berichten es mit der Angelegenheit vertraute Personen.

"Ein haariger Deal"

Der Wirtschaftskrimi in den Schnittmengen von Finanz- und Airlinebranche wirft ein Schlaglicht auf die Bereitschaft von Goldman Sachs große Kapitalpools über unorthodoxe oder riskante Geschäfte zu beschaffen.

"Es gab viele merkwürdige Charakteristika", sagt etwa Roger King, Analyst bei CreditSights, über die Anleihen, bei deren Platzierung Goldman Sachs half. "Es war ein bizarr komplizierter Deal. Ein haariger Deal, egal wer ihn konzipiert hat."

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Air Berlin Boeing 737-800, © Air Berlin

Eine Frage im Zentrum der Kapitalbeschaffung für die Fluggesellschaften in den Jahren 2015 und 2016 ist, warum Goldman bereit war, eine Lücke auszufüllen, nachdem eine andere Großbank - HSBC - ausgeschieden war, meinen die Insider. Denn eine so große Finanzierung wäre ohne die Hilfe einer globalen Bank wahrscheinlich nicht zu realisieren gewesen.

Die Gläubiger, darunter die Anlagegesellschaften BlueBay Asset Management und Gramercy Funds Management, haben private Detekteien angeheuert, um sie dabei zu unterstützen, aus den geplatzten Anleihen möglichst viel herauszuholen, hieß es.

Vertreter der beiden Fonds lehnten eine Stellungnahme ab und wollten auch nicht sagen, ob oder wen sie angeworben haben.

Sprecher von Windhorst und Goldman Sachs lehnten es ebenfalls ab, sich zu dieser Geschichte zu äußern. Ein Sprecher von Etihad Airways sagte, die Fluggesellschaft werde "Gerüchte oder Spekulationen" nicht kommentieren.

Harte Zeiten

Etihad stand 2015 vor einem großen Problem. Um von einer regionalen Fluggesellschaft zu einem Global Player zu werden, hatte das Unternehmen Anteile an mehreren kleineren Fluggesellschaften auf der ganzen Welt zusammengekauft. Aber manche - wie Air Berlin und Alitalia - verbrannten viel Bares.

Windhorst, einst der größte Aktionär der deutschen Fluggesellschaft, wollte deren Finanzen stärken. Allerdings hätte Air Berlin tief in die Tasche greifen müssen, wenn die Gesellschaft die globalen Anleihemärkte selbst anzapft.

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Alitalia Airbus A330, © Alitalia

Führungskräfte von Etihad und Windhorst entwarfen einen groben Plan, und Anoa, ein kleiner Broker, hatte die Aufgabe, die Details zu klären, sagten die Personen. Mit Etihad verbundene Zweckgesellschaften namens EA Partners würden die Anleihen begeben.

Die EA Partners-Zweckgesellschaften würden dann den Erlös aufschlüsseln und einer Reihe kleinerer Fluggesellschaften Kredite in verschiedenen Größen anbieten. Mitglieder der Airline-Gruppe würden regelmäßig Zahlungen an EA Partners leisten, die die Zinsen an die Anleihegläubiger verteilen würde.

Etihad Airways, Air Berlin und Alitalia sollten später jeweils bis zu 245 Millionen US-Dollar aus den Bonds entnehmen, Jet Airways und Etihad Airport Services jeweils 210 Millionen US-Dollar. Air Serbia konnte sich 105 Millionen US-Dollar leihen, Air Seychelles immerhin 40 Millionen US-Dollar.

Anoa war ein Unternehmen im Verbund von Windhorsts Investmentsparte. Der Finanzier hatte seine Verbindungen genutzt, um Geschäft für Anoa an Land zu ziehen. Die Pläne gingen nicht auf und Anoa stellte letztlich den Betrieb ein. Als Zeichen für die Nähe von Windhorst zum Unternehmen gilt, dass sein ehemaliger Vorstandsvorsitzender jetzt CEO von Windhorsts eigenem Investmentvehikel ist.

HSBC stieg aus

Während Anoa eine Schlüsselrolle bei der Ausgestaltung der Transaktion hatte, fehlten der Gesellschaft die Ressourcen zur Kapitalbeschaffung, auf die globale Banken zurückgreifen können. HSBC sollte zusammen mit Anoa und ADS Securities, einer in Abu Dhabi ansässigen Boutique, die Transaktion leiten.

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Jet Airways Boeing 777-300ER, © Ingo Lang

Doch kurz bevor die Emission stattfinden sollte, stieg die britische Bank plötzlich aus. Goldman Sachs füllte die Lücke.

Zunächst musste der Etihad-Deal von einer Reihe interner Komitees bei Goldman genehmigt werden, da die Transaktion ungewöhnliche Strukturen aufwies und mit Abu Dhabi ein Staat als ultimative Muttergesellschaft von Etihad, involviert war, sagte eine der Personen. Die Beteiligung von Windhorst war ein weiteres potenzielles Problem.

Der Schulabbrecher war einst als Wunderkind der deutschen Wirtschaft gefeiert worden - vor den Insolvenzen und Gerichtsverfahren. Im Sommer 2015 besserte sich sein Ruf jedoch, und die Banker zeigten erneutes Interesse an der Abwicklung seines Geschäfts.

Obwohl er keine formelle Rolle bei dem Angebot hatte, war Windhorst an der Gestaltung der Transaktion beteiligt und war mindestens einmal anwesend, als Etihads damaliger Vorsitzender Anlegern in London die Transaktion vorstellte, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Erst Schieflage, dann Bruchlandung

EA Partners hat im September 2015 eine erste Reihe von Anleihen mit Junk-Rating im Volumen von insgesamt 700 Millionen US-Dollar begeben. Im April 2016 wurden hochrangige Führungskräfte von Etihad und der damalige Goldman-Banker Nader AlSalim in einem luxuriösen Strandhotel in Miami mit einem Branchenpreis für die innovative Struktur der Transaktion ausgezeichnet.

Zwei Monate später beschaffte das Finanzierungsteam weitere 500 Millionen US-Dollar, womit sich die Gesamtsumme auf 1,2 Milliarden US-Dollar belief. Angebotsunterlagen zeigen, dass 93,5 Prozent der Erlöse an die Airline-Gruppe gingen. Bei einer typischen Emission entfällt der Rest auf Gebühren und Aufwendungen.

Wenige Zeit später begann der Deal in Schieflage zu geraten: Air Berlin, Alitalia und Jet Airways meldeten akute Finanznot.

Im Verlauf ihrer Insolvenzverfahren stürzten die Anleihen von EA Partners ab. In der Zwischenzeit änderte Etihad ihre Strategie und unterstützte die verbundenen Unternehmen nicht mehr, später wurde eine Umstrukturierung des Managements eingeleitet.

Die Anleiheunterlagen haben selbst keine ausdrückliche Garantie von Etihad enthalten. Ein Banker, der an der Vermarktung des Geschäfts beteiligt war, sagte, es sei immer stillschweigend angenommen worden, dass Etihad bei Bedarf Unterstützung leisten würde - und so wurden die Anleihen den Anlegern beschrieben.

Eine Investorengruppe, die auf den Papieren sitzen blieb, hat Anwaltskanzleien und Finanzberater angeheuert, um das Weidereintreiben von Geldern zu maximieren - eine übliche Praxis, wenn Anleihe-Investments den Bach runter gehen. Das Anheuern einer privaten Detektei ist weitaus weniger üblich.
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: Ingo Lang | 27.07.2019 09:11

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Beitrag vom 27.07.2019 - 11:23 Uhr
Nein, nicht Goldman Sachs sondern die Politiker und z. B. Goldman Sachs.

Olaf Scholz, Draghi wissen nicht alles, aber sie erkennen die Zusammenhänge und müssten die richtige Fragen stellen können.
Falls Draghi als vice chairman nichts mitbekommen hat, dann bekommt er auch als EZB-Chef nichts mit.....
Beitrag vom 27.07.2019 - 09:53 Uhr
Goldman Sachs wer sonst...
Goldman Sachs hat auch der griechischen Regierung geholfen mit Hilfe von SWAPS den tatsächlichen Schuldenberg vor der EU zu verbergen, um mit vorgetäuschten, geschönten Zahlen in die EU aufgenommen zu werden, Herr Draghi war damals Vice Chairman von Goldman-Sachs Europa, von dem Täuschungsdeal will er nie gewußt haben. Jetzt drängt Herr Draghi als EZB Chef darauf, eine Haftungsunion für notleidende Banken voranzutreiben. Das bedeutet Steuergelder sollen Verluste von notleidenden Banken ausgleichen, damit die Banken weniger Verluste abschreiben müssen, ganz im Sinne von Goldman-Sachs, die sich an vielen Staats- und Bankenfinanzierungen beteiligen und bei einer Banken oder Staatspleite viel Geld verlieren würden.
Damit das mit den Steuergeldern auch klappt, hat Goldman-Sachs extra den Co-Vorsitzenden von Goldman Sachs Deutschland, Herrn Jörg Kukies, in das Finanzministerium zu Herrn Olaf Scholz beordert, dort wird er dann das Projekt – Deutsche Steuergelder für Banken und Staatenrettung – vorantreiben.


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