Eigene Testflüge
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EASA will bei der 737 MAX selbst ins Cockpit

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LOT Boeing 737 MAX 8, © Boeing

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FRANKFURT - "Unabhängig von der FAA": Europas Luftfahrt-Aufsicht EASA wird vor einer Wiederzulassung die Boeing 737 MAX mit eigenen Testpiloten fliegen. Nach Einschätzung der EASA hat Boeing bei der Sicherheitsarchitektur des Krisenfliegers auch nach den jüngsten Modifikationen noch Luft nach oben.

Die Wiederzulassung der Boeing 737 MAX nähert sich der heißen Phase. Noch im Oktober will die US-Luftfahrtbehörde FAA Abnahmeflüge für Updates an Flugsteuerung und der umstrittenen Trimmautomatik MCAS ansetzen, berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf Insider.

"Die EASA beabsichtigt, ihre eigenen Testflüge unabhängig, aber in voller Abstimmung mit der FAA durchzuführen", stellte jetzt EASA-Sprecherin Janet Northcote in einer E-Mail klar. "Die Testflüge sind noch nicht geplant, der Termin hängt vom weiteren Entwicklungsplan von Boeing ab."

Eigene Testflüge sind nicht grundsätzlich ungewöhnlich - auch die FAA flog die Airbus-Modelle A380, A350, A330neo und A320neo vor Erteilung der US-Zulassung mit eigenen Piloten. Der Fall 737 MAX hat gleichwohl jeden Vertrauensvorschuss in die Arbeit der FAA vernichtet.

"Ich habe viel Respekt für meine Kollegen bei der FAA", holte EASA-Chef Patrick Ky vergangene Woche vor dem EU-Verkehrsausschuss aus. "Aber sie müssen ihre Methodik ändern." So habe die FAA bei der Zulassung der 737 MAX zu viele Schritte an Boeing ausgelagert und später weitgehend ungeprüft abgezeichnet.

Mehr Sensoren für die MAX?

Boeing will aus Konsequenz von zwei Totalverlusten mit 346 Toten das MCAS eher abregeln. Der Fluglagekorrektor soll seine Daten künftig zudem aus beiden und nicht mehr nur aus einem Anströmwinkelsensor beziehen.

In der EASA bestehen offenbar Zweifel, ob diese Nachsicherung auf Softwareebene ausreicht.

Zwei AoA-Sensoren seien "die absolute Mindestanforderung zur Erreichung der Sicherheitsziele", sagte Northcote. Eine "Architektur mit drei Sensoren" sei aus Erfahrung der Behörde sicherer. Boeing verwendet an allen seinen Flugzeugen zwei AoA-Sensoren, Airbus und andere Hersteller verbauen drei oder mehr, um die Daten gegen Fehlfunktionen abzusichern.

Die EASA werde nicht zwangsläufig die Installation eines dritten Sensors an für Europa bestimmten 737 MAX vorschreiben, schränkte Northcote ein. Eine höhere Sicherheit könne "ebenso durch die Optimierung von Verfahrensregeln und dem Training von Piloten erreicht werden wie durch Designverbesserungen - oder durch eine Kombination aus beidem".

Die FAA hatte Ende August per Sicherheitshinweis Luftfahrtpersonal generell zu besonderer Vorsicht beim Umgang mit den empfindlichen Sensoren erinnert. Die 737 MAX ist seit März 2019 international für Passagierflüge gesperrt.
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: Boeing | 11.09.2019 09:08

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Beitrag vom 13.09.2019 - 13:44 Uhr
Jetzt wird es spannend:
 https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/boeing-ceo-expects-737-max-to-resume-flying-around-november-but-possibly-not-in-all-countries/

Muilenburg verspürt wohl erheblichen Druck und gibt ihn an die FAA weiter.
Andererseits gibt es die Untersuchungen des FBIs und des Kongresses und die Position der EASA. Die 747-400 wurde in D vom LBA mit Auflagen (Kosten ca. 6M DEM pro Maschine) zugelassen.
Dann gibt es noch das Problem mit der Vertautmachung bzw. dem check ride mit/auf der 737MAX. Dafür braucht man an sich aber einen 737MAX SIM.

Dieser Beitrag wurde am 13.09.2019 13:45 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 12.09.2019 - 14:52 Uhr
Da bahnt sich wohl nun doch ein Konflikt an, weil das Softwareupdate für das ungrounding der 737MAX der EASA nicht ausreicht und man stattdessen drei unabhängige AoA-Sensoren beabsichtigt zu fordern.
Laut US-Medien hat auch ein kleines Team mit Analysen zu möglichen aerodynamischen Modifikationen an den Triebwerksaufhängungen begonnen. Das sei nötig, falls die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA sich nicht mit einer reinen Softwareanpassung zufriedengebe.
Zum Nachlesen:
 https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/european-regulator-plans-its-own-test-flights-of-boeing-737-max-in-sign-of-differences-with-faa/



Beitrag vom 12.09.2019 - 10:44 Uhr
Genau das wird auch der Grund sein, dass jetzt die grossen US Anwaltskanzleien schon Klagen für Milliardenstrafzahlungen gegen Boeing vorbereiten. Das ist für die doch ein gefundenes Fressen, wenn man nachweisen kann, dass dieser Fall bei Airbus so nie hätte passieren können und Boeing dieses 3 Sensor design aufgrund der "Grandfather rights"bei der Zulassung der B737 nie vorgesehen hat!

Dieser Beitrag wurde am 12.09.2019 10:47 Uhr bearbeitet.


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