Buzz oder Laudamotion
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Billig oder unbezahlt: Spanische Ryanair-Piloten haben die Wahl

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Ryanair-Zentrale in Dublin, © Ryanair
MADRID - Ryanair muss die Kosten senken, um weiter Kampfpreise anbieten zu können. Das bekommen nun die spanischen Piloten zu spüren: Ryanair stellt sie vor die Wahl, den Winter über entweder in unbezahlten Urlaub oder freiwillig zu den billiger-als-billig-Töchtern Buzz und Laudamotion zu gehen.

"Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass wir einen beachtlichen Pilotenüberschuss haben", schreibt Betriebsleiter Neal McMahon in einem Memo an Ryanair-Piloten in Barcelona, Madrid und Palma de Mallorca. Als Grund führt er das Grounding der 737 MAX an.

Und folgt sogleich mit Lösungsvorschlägen: "Wir hoffen aufrichtig, dass wir den Überschuss mit freiwilligem unbezahltem Urlaub oder Transfers in den Griff bekommen." Andernfalls drohten Entlassungen. 

Möglich seien Versetzungen zu anderen Basen oder aber der Start in einer anderen Airline der Ryanair Group - namentlich die polnische Buzz oder die österreichische Laudamotion.

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McMahon lässt die Gelegenheit nicht aus, um auf die seit der Thomas Cook-Pleite am 23. September auf den Arbeitsmarkt gespülte Konkurrenz aufmerksam zu machen. Sein Schreiben ist auf den 24. September datiert. Die spanische Pilotengewerkschaft Sepla hat es veröffentlicht.

Im August hatte das Ryanair-Management bereits angekündigt, im Januar die Standorte Teneriffa, Lanzarote, Gran Canaria und Girona zu schließen. Laut der Gewerkschaft USO bedroht dieser Schritt gut 500 Jobs. Zugleich baut Laudamotion eine Basis in Palma de Mallorca auf.

Seit dem 20. September streiken Ryanair-Piloten, sie müssen aber laut Gerichtsbeschluss einen Mindestbetrieb der Airline gewährleisten.

Der langjährige Ryanair-Chef Michael O'Leary hat es sich als CEO der Ryanair Group zur Aufgabe gemacht, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln, das Anlegern trotz vereinzelter Abschlüsse mit Gewerkschaften und den daraus resultierenden gestiegenen Lohnkosten die gewohnte Rendite bringt.

Zu diesem Zweck hat das Unternehmen im vergangenen Jahr die Billigairlines Malta Air, Buzz und Laudamotion gegründet beziehungsweise übernommen. Mit ihrer Hilfe kann das Management die Mitarbeiter einerseits unter Druck setzen, stets noch profitabler zu arbeiten. 

Zugleich kann es bei Neueinstellungen oder den jetzt angebotenen Transfers auf bekannte Modelle zurückgreifen - und andernorts erreichte Verbesserungen für die Arbeitnehmer umgehen. Buzz etwa rekrutiert ihr fliegendes Personal über die Leiharbeitsfirma Warsaw Aviation. Eine bewährte Methode derer, die sparen wollen.
© aero.de (boa) | Abb.: Boeing | 25.09.2019 13:42

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Beitrag vom 29.09.2019 - 14:37 Uhr
Einfach nur widerwärtig und verachtenswert dieses Verhalten von FR.

Ich wünsche allen MA viel Kraft dagegen anzugehen, oder sich nicht verrückt machen zu lassen und sich woanders einen besser bezahlten Job zu suchen.

Widerwärtig trifft es wohl recht passend...

Nur wenige Tage zuvor kam die Pressemitteilung, dass Ryanair gemeinsam mit einer polnischen Flugschule in den nächsten Jahren über 300 Leute ausbildet um den Bedarf zu decken. Was erzählt man den jungen Leuten dann wenn sie fertig sind??
Beitrag vom 25.09.2019 - 15:28 Uhr
Die meisten Airlines und Airlinegruppen machen es vielleicht nicht so direkt mit der friss odr stirb Methode, aber das Vorgehen ist schon lange gängige Praxis. Die VErträge von EW oder Sunexpress Deutschland sind unteres Drittel des Marktdurchschnitts und kein Vergleich zu einem VTV bei LH Passage. Es liegt an den Gewerkschaften dies bestmöglich zu verhindern.

Die Kosten bei Ryanair werden dadurch auch nicht sinken. Sie sind durch die Tarifabschlüsse der Vergangenheit gestiegen und sollen nun wieder auf das absolute Minimum reduziert werden. Das geht eben nur über ein Tochterunternehmen. Der Markt wird zeigen ob das durchsetzbar ist. Die Begründung mit der 737MAX ist zudem einfach nur billig, es geht darum die Kosten in der Wintersaison zu reduzieren. Hier denkt FR wie immer recht kurzfristig. Stehen plötzlich jede Menge 737MAX auf dem Hof fehlt das ausgebildete Personal. Aber für weitsichtiges Denken war FR noch nie bekannt. Man sieht, dass hier das bisherige Geschäftsmodell an die Grenze stößt und nun versucht man es auf diese Art und Weise. Man wird so lange davon profitieren bis entweder die Gewerkschaften oder die Politik einen Riegel vorschiebt. Da Politik alles andere als für Schnelligkeit bekannt ist liegt der Ball bei den Gewerkschaften.

Es gab zwar Pleiten in den letzten Wochen und Monaten, aber die Kapazität wird größtenteils von anderen Anbietern übernommen. Daher sehe ich jetzt keinen großen Pilotenüberschuss auf dem Arbeitsmarkt. Spätestens ab Dezember wird für die Sommersaison eingestellt, bei den bekannten Praktiken bei FR sollten da viele dort angestellte Piloten die Bewerbung aktiv halten und Konsequenzen aus dem Unternehmensverhalten ziehen anstatt zu warten bis es einen selbst trifft und dann lauthals durch die Medien zu poltern.
Beitrag vom 25.09.2019 - 15:14 Uhr
Unglaublich, dass ein solches Verhalten in der EU überhaupt legal ist!

Bin mir nicht sicher ob das wirklich legal ist - das wird von den Verträgen abhängen...
Wobei man zusätzlich bedenken muss, dass dieses Vorgehen von Ryanair andere Airlines kostenmäßig noch mehr unter Druck setzt.
Weitere Pleiten werden also folgen - oder andere Airlines werden diesem Verhalten Ryanairs folgen [müssen].
Ja, die Legalität von Ryanairs Operations sollte in diesem Hinblich verstärkt von der EU überprüft werden.


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