Flugzeugauslieferungen
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737-MAX-Krise lässt Boeing weiter hinter Airbus zurückfallen

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Boeing 787-Produktion, © Boeing

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CHICAGO - Die nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegte Baureihe 737 MAX bremst Boeings Geschäfte weiter dramatisch aus. In den ersten neun Monaten 2019 brachen die Flugzeugauslieferungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 47 Prozent ein, wie die am Dienstag veröffentlichte Statistik des US-Konzerns zeigt.

Damit fällt Boeing weiter hinter den europäischen Erzrivalen Airbus zurück. Einen kleinen Lichtblick konnte der US-Luftfahrtriese im September jedoch immerhin verbuchen. Erstmals seit Monaten ging wieder eine Bestellung für einen Unglücksflieger vom Typ 737 MAX ein. Von wem der Auftrag stammt, ist noch nicht bekannt. Bei Boeing ist lediglich von einem ungenannten Kunden die Rede.

Der Hoffnungsschimmer ändert aber nichts dran, dass es 2019 bislang alles andere als rund lief.

In den ersten drei Quartalen brachte Boeing 302 Flugzeuge an die Kundschaft, mit 571 ausgelieferten Jets liegt Airbus in der Jahresbilanz nun schon fast uneinholbar vorne. Im September wurde Boeing nur 26 Stück los, vor einem Jahr waren es noch 87 gewesen. Airbus lieferte im vergangenen Monat 71 Flugzeuge aus und dürfte Boeing 2019 erstmals seit Jahren wieder als Branchenführer ablösen.

Hauptgrund für Boeings Misere sind die Unglücksflieger vom Typ 737 Max - wegen im März verhängter Startverbote kann der Bestseller vorerst nicht mehr ausgeliefert werden.

Bei zwei 737-MAX-Abstürzen in Indonesien und Äthiopien waren binnen weniger Monate 346 Menschen gestorben, danach wurde der Flugzeugtyp aus dem Verkehr gezogen. Ob und wann die Krisen-Jets wieder abheben dürfen, ist derzeit ungewiss.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Boeing | 08.10.2019 19:51

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Beitrag vom 09.10.2019 - 15:07 Uhr
Solche AD's sind doch ganz normal. Da wird in der gesamten Luftfahrtindustrie und bei den Airlines keiner eine Schlaflose Nacht von bekommen.

Wie gesagt, das ist vollkommen normal und kommt bei allen Herstellern und allen Typen vor.

Wichtig ist, wie es Boeing hier auch gemacht hat, dass dieses an die Behörden gemeldet wird, damit entsprechenden Inspektionen und Austauschprogramme für alle Betreiber verpflichtend gemacht werden.
Die Hersteller, auch Airbus, melden solche Erkenntnisse regelmeäßig an die Kunden, einige reagieren aufgrund dieser Informationen, andere tun dies nicht. Daher treten Airbus und Boeing dann immer öfter an die Behörden heran und lassen eina AD erstellen. 90% aller AD's kommen direkt von den Erkenntnissen der Hersteller. Das sagen die Medien aber nie. Für die werden immer die Behörden tätig.
Beitrag vom 09.10.2019 - 14:41 Uhr
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was diese Berichterstattung des Kampfes um den Platz EINS der Auslieferungen und Verkäufe von Flugzeugen eigentlich soll. Der MAX-Skandal bei Boeing zeigt doch, was an Qualitäts- und Sicherheitseinbußen geschieht, wenn übereilt neue unausgereifte Flieger auf den Markt geworfen werden, nur um die statistische und nicht qualitative Spitzenposition am Markt zu halten. [...] Ich halte es für ziemlich ungesund und fatal, wenn diese überflüssige Rangdebatte dann auch noch hier und bei den sog. Fachmedien weiter geschürt wird.
Nicht die Medien verbreiten diese Nachrichten sondern die Hersteller, weil diese gerne schön Wetter an den Börsen machen. Das trifft besonders auf Boeing zu, um die Chef-Boni zu erhalten.
Fakt ist doch, dass bei dem weltweiten Flugzeugbedarf beide Hersteller u.a. ihre Auftragsbücher gut füllen können. Ich bin überzeugt, dass langfristig der Qualitätsfaktor auch den länger andauernden ökonomischen Erfolg nach sich zieht.
P.S.: Sollte die MAX früher oder später wieder fliegen dürfen, wird Boeing mit den dann jetzt noch geparkten Fliegern statistisch wieder gleich auf liegen. Aber was sagt das aus? Rein gar nichts
Da Boeing gerade auch weniger MAX produziert, bedeutet das schon, Boeing liegt deutlich hinten.

Dann müssen noch gegabelte Verbindungen zwischen Rumpf und Flügel bei der NG nach ca. einem 1/4 der Lebenszeit gewechselt werden. Die Gabeln sollten eigentlich länger halten als die gewährleistet Lebensdauer. Ob das Problem bei der MAX ebenso vorhanden ist, wäre denkbar, den es gab keine dynamische Simulation der Kräfte mit einer kompletten MAX oder NG.
Beitrag vom 09.10.2019 - 14:37 Uhr
@Ikarus. Ich stimme Ihnen auch gerne zu. Was der informelle Titel "Größter Flugzeughersteller der Welt" - den Boeing in den letzten Jahren für sich reklamieren konnte, bedeutet, wenn er mit gravierenden Qualitäts- und Sicherheitseinbußen errungen wird, kann man derzeit am Beispiel 737 MAX eindrucksvoll erleben. Über die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens sagt dieser "Rang" ohnehin nichts aus, da sind ganz andere Zahlen von Relevanz. Dass es in der öffentlichen Berichterstattung bezüglich Airbus und Boeing zugeht wie in früheren Zeiten beim Hahnenkampf, wo jeder auf "seinen" Favoriten wettet und über den anderen Gockel nur Schlechtes hören möchte, hat nach meinem Dafürhalten allerdings eher weniger mit skurrilen Manager-Praktiken zu tun als vielmehr mit der immer weiteren Oligopolisierung des Hersteller-Marktes von Passagierflugzeugen. Spätestens seit dem Engagement von Airbus bei Bombardier und dem von Boeing bei Embraer gibt es da im Grunde nur noch diese beiden "Hähne": die russischen Hersteller sind international nicht konkurrenzfähig (was zuletzt das Prestigeprojekt Suchoi Superjet wieder einmal bewiesen hat), Antonov liegt seit der Ukraine-Krise am Boden, Comac ist noch lange nicht so weit (andererseits der einzige ernsthafte Kandidat für die zumindest mittelfristige Entwicklung zu einem dritten "Gockel") und von Mitsubishi braucht man in diesem Zusammenhang vorerst nicht zu reden. Hinzu kommen die derzeitigen politischen Spannungen zwischen den USA und der EU, die das Ganze dann auch noch symbolisch aufladen (beide Hersteller haben in der Social-Media-Community in der Folge ja ihre ausgesprochenen "Fanboys"). Verstärkt wird dieses Phänomen dann noch durch die Tatsache, dass sich Verkaufs- und Bestellziffern als Messdaten in einem Medium, das sich an die Allgemeinheit wendet und nicht nur an ein Insider-Publikum, schlicht und einfach leichter und daher besser kommunizieren lassen als die GuV-Rechnungen oder Bilanzen. Im Übrigen: Dass Airbus im Jahr 2019 insgesamt mehr Flugzeuge ausliefern würde/ wird als Boeing war nach dem weltweiten Grounding der 737 MAX nachgerade unvermeidbar und daher alles andere als eine überraschende News. Für die Zukunft sagt das in der Tat nichts aus.

Dieser Beitrag wurde am 09.10.2019 14:42 Uhr bearbeitet.


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