Frachtkrise
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Kahlschlag bei Lufthansa Cargo

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Lufthansa Cargo Boeing 777F, © Lufthansa

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FRANKFURT - Dreistellige Millionenverluste im Kerngeschäft treiben die MD11F vorzeitig aus der Flotte: Lufthansa Cargo wird 2020 nach Informationen von aero.de jede vierte Cockpitstelle abbauen. Piloten sollen in die Passageflotten der Lufthansa-Langstrecke wechseln - doch dort sträubt man sich.

Lufthansa Cargo stößt die letzten zehn MD11F Vollfrachter bis Anfang 2021 ab. Zwei neue Boeing 777F kommen im Gegenzug, am Ende wird sich Lufthansa Cargo bei einer halbierten Flottenstärke von neun 777F einfinden.

Die internationale Luftfrachtkrise hat Lufthansa Cargo kalt erwischt. Denn obwohl die Nachfrage seit Spätsommer 2018 "deutlich eingebrochen" sei, steige das Angebot weltweit weiter an, verteidigte Spartenchef Peter Gerber am Mittwoch vor rund 120 Piloten auf einer Personalversammlung die Eilauflösung der MD11-Flotte.

In den ersten drei Quartalen 2019 liefen bei Lufthansa Cargo operative Verluste von 30,7 Millionen Euro auf - ohne positive Zuflüsse von Tochterfirmen wäre das Ergebnis nach Zahlen von Cargo-Cheffinanzer Martin Schmitt sogar "dreistellig negativ" ausgefallen.

Das für 2019 geplante Ergebnisziel der Frachtsparte von 250 Millionen Euro ist Makulatur - die Gewinnvorgaben für 2020 hat Lufthansa inzwischen auf 90 Millionen Euro gelockert.

Lufthansa Cargo wird das neue Jahr mit einer Personaldecke von 475 Piloten beginnen. Ende 2020 sollen nur noch 350 Kapitäne und Erste Offiziere bei Cargo beschäftigt sein, die Bereederung der 777F plant Lufthansa langfristig sogar nur noch mit rund 250 direkt bei Lufthansa Cargo angestellten Piloten.

Lufthansa Cargo hofft, ihre überzähligen Frachtpiloten in neuen Jobs bei der Passage unterzubringen, trifft dabei aber auf konzerninterne Widerstände.

In den Airbus-Langstreckenflotten, auf die Frachtpiloten umschulen sollen, sind Ausbildungskapazitäten schon heute knapp. Zudem muss die Passage 2020 noch Piloten von Germanwings aufnehmen - und Reserveplätze für bis zu 70 Condor-Piloten freihalten, die vielleicht, vielleicht auch nicht in den Lufthansa-Konzern zurückkehren.

Ein Lichtblick: Gerber schließt eine zehnte 777F für Lufthansa Cargo nicht aus, wenn sich die Nachfragesituation in Zukunft wieder aufhellt.

Aerologic beantragt neue Streckenrechte

Zunächst wird Lufthansa Cargo die Vermarktung von Frachtkapazitäten in Passagierflugzeugen des Konzerns ankurbeln und die Rolle von Aerologic stärken. Das in Leipzig mit DHL betriebene Joint Venture bemüht sich bereits um Verkehrsrechte, um Lufthansa-Cargo-Strecken dauerhaft zu übernehmen.

"Aerologic arbeitet seit Sommer diesen Jahres mit den zuständigen Stellen in Mexiko intensiv an der Erlangung einer Genehmigung für Flugliniendienste", sagte Aerologic Netzwerkkoordinator Matthias Kaup aero.de. Die Airline hat mit Beginn des Winterflugplans am 27. Oktober die Flüge nach Mexiko-Stadt im Auftrag der Lufthansa Cargo übernommen.

"Im Rahmen einer Übergangsfrist operiert Aerologic kurzfristig mit Genehmigung der mexikanischen Behörden unter Lufthansa Cargo Flugnummer", sagte Kaup. "Mit Erteilung der endgültigen Genehmigung wird die Aerologic wie gewohnt auch nach Mexiko unter eigener Flugnummer operieren."

Ist Mexiko eine Blaupause für weitere Verlagerungen zu Aerologic? Lufthansa hält sich zu dieser Frage noch bedeckt. "Grundsätzlich steuert Lufthansa Cargo im Rahmen ihrer Netzplanung die ihr zur Verfügung stehenden Frachterkapazitäten flexibel entlang der Nachfrageentwicklung", sagte eine Sprecherin aero.de.
© aero.de | Abb.: Lufthansa Cargo | 14.11.2019 14:23

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Beitrag vom 17.11.2019 - 09:52 Uhr
Aerologic wird von Joe Moser geführt, einem ehemaligen Flugbetriebsleiter der Air Berlin und Flottenchef von LTU.
Dieser Herr ist ein Individuum der besonderen Art! Er machte immer einen eigenen Karriereschritt, in dem er seine Pilotenkollegen an die Geschäftsleitung verkaufte. Warum sollte er zum Ende seiner Karriere dieses Verhalten ändern?
Obiges Verhalten kann ich jederzeit nachweisen.
Schönes WE
Beitrag vom 15.11.2019 - 13:36 Uhr
AeroLogic ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit DHL, die Maschinen werden (sicher je nach Bedarf, aber bisher eigentlich immer) in der Woche für DHL eingesetzt, am Wochenende für LHC, mit mehr Maschinen bei AeroLogic ist man insgesamt flexibler. Hinzu kommt, daß AeroLogic logischer Weise nicht dem KTV unterliegt, es m W auch keinen bindenden Rahmen für Vergütungen gibt, vielmehr die Piloten sehr individuell vergütet werden sollen. Damit spart man sicher deutlich Personalkosten, aber - nicht zu unterschätzen - man zeigt dem LH-Personel und den Gewerkschaften, daß man im möglichen Rahmen jede Chance nutzt, KTV nicht anwenden zu müssen. Betriebswirtschaftlich ist das OK, ansonsten aus meiner Sicht nicht. Aber es ist eine Folge der verhärteten Fronten zw AG und AN, mehr Fingerspitzengefühl und mehr Respekt auf beiden Seiten wäre schon passend!
Für die AN und deren Vertretungen sollte klar sein, daß jede Verschlechterung des Betriebsergebnisses Wasser auf die Mühlen der Sparkommissare ist. Für die AG gilt, daß jede offensichtliche Entscheidung gegen KTV-Leute nicht dazu beiträgt, daß die AN-Vertretungen bei der wirklich dringend notwendigen Reform des KTV - sowohl weitgehende bis totale Vereinheitlichung der Regelungen für die Konzerngesellschaften (außer LH), wie auch die dringend nötige grundlegende Reform des aus Staatsbetriebs-/Beamtenzeiten stammenden KTV mit deutlichen Wettbewerbnachteilen am Markt und katastrophalen Chancenreduzierungen für Nachwuchsflugzeugführer - zustimmen wird.

Der KTV hat aber für den Arbeitgeber nicht nur Nachteile, wie eben genau dieses Szenario jetzt zeigt: Mal schnell 200-250 Piloten in einen anderen Flugbetrieb verschieben ohne Abfindungen zahlen zu müssen.
Beitrag vom 15.11.2019 - 12:25 Uhr
Ist denn der "Nachfrageeinbruch" bzw. das "Frachtkapazität-Überangebot" von seriöser neutraler Seite aus verifiziert ?
Die MD11-Flotte wurde zum Ausverkaufspreis von LH erworben und ist seit langem abgeschrieben und LH hat jetzt Erfahrung mit der 777-Flotte gesammelt. Ausserdem ist man wesentlicher Eigner der billiger bezahlten Aerologic. Da liegt es nahe das eigene Haus mal so zu verschlanken und "action" zu demonstrieren bevor die Investorengruppen die Köpfe hochbezahlter Ausichträte und Vorstände fordern......


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