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Bitterer Nachgeschmack

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Thai AirAsia X Airbus A330-900, © Airbus

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FRANKFURT - Airbus hatte das Überholmanöver erst für 2020 geplant. Wegen der 737-Krise ziehen die Europäer ein Jahr eher an Boeing vorbei. Die Freude über den Sieg hat einen Beigeschmack, kommentiert die "Börsen-Zeitung" - und das neue Jahr hält auch für Airbus einige Herausforderungen parat.

Es war ein Wettkampf, den sich die Kontrahenten stets am Ende des Jahres lieferten - ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Beobachter in Atem hielt. Eigentlich. Denn diesmal stand der Sieger schon seit langem fest, da Boeing seinen Kassenschlager seit dem im März verhängten Flugverbot für die 737 MAX nicht mehr ausliefern darf.

Deshalb ist es keine Überraschung mehr, dass Airbus den Erzrivalen aus den USA von den Auslieferungen her als weltweit größter Flugzeugbauer mit deutlichem Vorsprung wieder abgelöst hat, nachdem die Amerikaner 2018 noch knapp vorn lagen.

Um genau beurteilen zu können, wie gut Airbus selber 2019 wirklich produziert hat und wie hoch der Anteil der 2018 von Bombardier in A220 umbenannten C-Series ist, bedarf es jedoch detaillierterer Zahlen. Diese werden erst Ende nächster Woche erwarten. Nach vorab durchgesickerten Zahlen hat Airbus über das Jahr - und mit einem Endspurt im Dezember - 863 Flugzeuge ausgeliefert.

Auch bei den Bestellungen zeichnet sich ein deutlicher Vorsprung für den europäischen Flugzeugbauer ab. Einen solchen Doppelsieg hatte er zum letzten Mal 2011 eingeflogen. Doch so richtig freuen dürfte er sich darüber nicht, da sein US-Konkurrent eine der schwersten Krisen - wenn nicht gar die schwerste - seit seiner Gründung durchlebt.

So wie eine wenn auch selbstverschuldete Verletzung des Gegners die Freude eines Siegers bei einem Sportwettbewerb trübt, dürfte auch für Airbus ein bitterer Nachgeschmack bleiben, da das Debakel um die 737 MAX der gesamten Branche schadet.

Der Erfolg bei den Auslieferungen und Orders darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Airbus vor Herausforderungen steht. So muss der Konzern die Lieferverzögerungen, zu denen es beim A321neo mit der neuen Cabin-Flex-Kabinenausstattung kommt, in den Griff bekommen, um Kunden nicht weiter zu verärgern.

Zudem muss Airbus die Erhöhung der gesamten A320-Produktion meistern; sie soll bis Mitte 2021 auf 63 Exemplare pro Monat gesteigert werden - und sich zumindest zunächst dort stabilisieren. Nicht zuletzt stehen auch noch die Ergebnisse der Korruptionsermittlungen aus.

Boeing steht jedoch vor weit existenzielleren Entscheidungen. Der Konzern muss nicht nur das Debakel um die 737 MAX und die damit einhergehenden Produktionsprobleme sowie Verzögerungen bei der Entwicklung des 777X-Programms in den Griff bekommen und das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen.

Er muss auch entscheiden, ob er nun in ein komplett neues Flugzeugprogramm investiert. Dabei muss aber wieder die Sicherheit im Vordergrund stehen, nicht Kostensenkungen. Dass Kostendruck im Flugzeugbau fatal sein kann, hat die 737 MAX gezeigt.
© Gesche Wüpper, Börsen-Zeitung, OTS, aero.de | Abb.: Airbus | 04.01.2020 09:06

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Beitrag vom 05.01.2020 - 22:23 Uhr
Aber ohne Motoren (z. B. von PW) kann man keine Flugzeuge ausliefern.
Die Lieferprobleme sind hausgemacht und auch nur auf Finkenwerder beschränkt. Dort standen monatelang Flieger MIT Motoren rum. Das waren auch nicht nur NEOs und ACFs, sondern quer durch die Bank alle Typen.
Man kann an den MSNs sehen. Während TLS langsam die 9500 erreicht und fast keine unter 9400 ist XFW erst bei 9300 und hat sogar noch welche unter 9000 offen. Die Masse der offenen ist bei 9000-9200. XFW scheint also zu ursprünglichen Lieferplänen um ein halbes Jahr zurück zu sein.
Beitrag vom 05.01.2020 - 00:21 Uhr
Beide Hersteller habe in der Vergangenheit Fehler gemacht, die viel Geld gekostet haben. Airbus hat mit dem A380 viel Geld an Entwicklungskosten in den Sand gesetzt, die zumindest nicht direkt wieder herein kommen werden. Boeing hat bei der 787 mit deren verspätetem Produktionsanlauf und explodierenden Entwicklungskosten enorm viel Geld verloren, das - wenn überhaupt - erst gegen Ende des Produktionszeitraums der 787 wieder herein kommt. Dann wäre da noch der Streit über finanzielle Beihilfen der jeweiligen Staaten. Auch wenn das Max-Debakel Boeing im Moment ordentlich durchschüttelt, dürfte das in Anbetracht der Miliätr-Umsätze zu überleben sein. Die Militärsparte von Boeing erzielt mehr als den doppelten Umsatz als diejenige von Airbus. Auch in diesen Bereichen haben beide Hersteller momentan mit Problemen zu kämpfen, dennoch bin ich zuversichtlich, dass Boeing diese Krise überstehen wird. Bei den Zulieferern wäre ich mir da nicht so sicher...
Beitrag vom 04.01.2020 - 17:36 Uhr
Da ist der "bittere Nachgeschmack" in Worten bzw. Zahlen (vom 14.02.2019 in "Airbus reports strong Full-Year 2018 results, delivers on guidance"):

Outlook

As the basis for its 2019 guidance, the Company expects the world economy and air traffic to grow in line with prevailing independent forecasts, which assume no major disruptions.

The 2019 earnings and Free Cash Flow guidance is before M&A.

Airbus targets 880 to 890 commercial aircraft deliveries in 2019.
On that basis: Airbus expects to deliver an increase in EBIT Adjusted of approximately +15% compared to 2018 and FCF before M&A and Customer Financing of approximately € 4 billion.

Also wurden um 20 Flugzeuge zu wenig ausgeliefert - so die anfängliche Planung. Aber ohne Motoren (z. B. von PW) kann man keine Flugzeuge ausliefern.


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